Bundeswehr erhält erste Patria 6×6 Radpanzer

Bundeswehr erhält erste Patria 6x6 Radpanzer
Patria 6×6 | Foto: Kongsberg Defence & Aerospace

Die Bundeswehr hat letzte Woche die ersten fünf Vorserienfahrzeuge des neuen Radpanzers Patria 6×6 im Materiallager Zeithain übernommen. Der Geschäftsführer von Patria Deutschland übergab die Fahrzeuge offiziell an die Streitkräfte.

Das seit den 1980er-Jahren eingesetzte Vorgängermodell Transportpanzer Fuchs wird damit schrittweise durch das moderne 6×6-Fahrzeug ersetzt. Die Beschaffung erfolgt im Rahmen des multinationalen Programms Common Armoured Vehicle System (CAVS), an dem insgesamt sieben europäische Staaten beteiligt sind.

Multinationale Beschaffung mit sieben Partnerländern

Deutschland beschafft den Patria 6×6 gemeinsam mit Finnland, Lettland, Schweden, Dänemark, Großbritannien und Norwegen. Das CAVS-Programm wurde 2019 von Finnland initiiert und steht weiteren Staaten mit vergleichbaren Anforderungen offen. Ziel der Kooperation ist die Entwicklung eines standardisierten gepanzerten Fahrzeugsystems, das den gemeinsamen Anforderungen der Mitgliedsländer entspricht.

Die multinationale Zusammenarbeit verspricht deutliche Synergieeffekte. Durch die Verwendung einheitlicher Basisfahrzeuge und Komponenten entstehen Kostenvorteile in der Produktion. Zudem vereinfacht sich die Ersatzteilbeschaffung erheblich. Ein weiterer strategischer Vorteil liegt in der erhöhten Interoperabilität der Streitkräfte bei gemeinsamen Einsätzen, bei denen Ersatzteile auch im Feld ausgetauscht werden können.

Nach Angaben von Patria liegen mittlerweile über 2.000 Bestellungen aus den sieben Partnerländern vor, mehr als 250 Fahrzeuge wurden bereits ausgeliefert. Erste Exemplare sollen bereits in der Ukraine im Einsatz sein.

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Vertragsunterzeichnung und parlamentarische Freigabe

Am 18. Dezember 2025 unterzeichneten Deutschland und Patria zwei Serienverträge mit einem Gesamtvolumen von über zwei Milliarden Euro. Die Verträge umfassen die Beschaffung von bis zu 876 Patria 6×6 Fahrzeugen in verschiedenen Varianten. Einen Tag zuvor hatte der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages die Finanzierung der ersten vier Varianten genehmigt: Pioniergruppe, Panzeraufklärungsgruppe, schwerer Mörser und Feuerleitfahrzeug.

Die Finanzierung erfolgt aus dem 2022 eingerichteten 100-Milliarden-Euro-Sondervermögen der Bundeswehr. Die Entscheidung für den Patria 6×6 fiel bereits 2022, als sich der damalige Generalinspekteur Eberhard Zorn auf das finnische Fahrzeug als Fuchs-Nachfolger festlegte. Im Mai 2024 unterzeichnete Deutschland die Forschungs- und Entwicklungsvereinbarung für das CAVS-Programm.

Technische Eigenschaften und Einsatzvarianten

Der Patria 6×6 ist ein hochgeländegängiger Radpanzer mit drei Achsen und einem Gesamtgewicht von 24 Tonnen. Das Fahrzeug verfügt über einen flexibel nutzbaren Innenraum, in dem verschiedene Rüstsätze mit Spezialequipment aufgenommen werden können. Das System ist schwimmfähig und für unterschiedliche Einsatzszenarien konzipiert.

Die Bundeswehr plant den Einsatz in mehreren Verwendungszwecken. Neben den Varianten für Pionier- und Panzeraufklärungsgruppen dient das Fahrzeug als Basis für das NEMO-Mörsersystem sowie für Feuerleitfahrzeuge. Langfristig soll das System nahezu alle der derzeit noch etwa 900 im Dienst befindlichen Fuchs-Fahrzeuge ersetzen.

Besonders die Heeresaufklärungstruppe und die Pioniertruppe forderten bei der Nachfolgebeschaffung die Schwimmfähigkeit des neuen Systems. Der ursprüngliche Fuchs war nur bis zur Version 1A4 schwimmfähig. Zudem muss das Nachfolgefahrzeug ein hohes Schutzniveau bieten, da es auch im Rahmen der mittleren Kräfte bei Landes- und Bündnisverteidigung sowie Stabilisierungsoperationen eingesetzt werden soll.

Produktionsstandorte und Versorgungssicherheit

Die Fertigung der Patria 6×6 Fahrzeuge erfolgt zunächst in Finnland und Lettland. Mit der Beauftragung der Serienfahrzeuge baut Patria nun auch in Deutschland eine Produktionsstätte auf. Die deutschen Standorte sollen künftig auch für Instandsetzung und Wartung der Fahrzeuge genutzt werden.

Die Einrichtung mehrerer Produktionsstandorte in verschiedenen Mitgliedsländern erhöht die Versorgungssicherheit für alle Partnernationen. Jedes neue Land, das dem Programm beitritt, stärkt damit das gesamte Kooperationssystem. Die dezentrale Produktion nutzt die lokalen industriellen Kapazitäten der beteiligten Staaten und reduziert Abhängigkeiten von einzelnen Fertigungsstandorten.

Das CAVS-Programm gilt als Beispiel für moderne multinationale Rüstungskooperation in Europa. Die gemeinsame Plattform bildet die Basis aller Fahrzeuge der beteiligten Nationen, kann aber durch verschiedene Optionen wie Schwimmantrieb oder spezifische Waffensysteme an nationale Anforderungen angepasst werden.

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