Die Deutsche Marine erhält acht Drohnen des Typs MQ-9B SeaGuardian. Diese hochmodernen unbemannten Luftfahrzeuge sollen ab 2028 vom Marinefliegergeschwader 3 in Nordholz aus operieren und dort die bemannten Seefernaufklärer P-8A Poseidon ergänzen. Mit einer Flugdauer von über 30 Stunden und modernster Sensortechnik werden sie künftig eine Schlüsselrolle in der Seefernaufklärung und U-Boot-Jagd spielen.
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Beschaffungsvorhaben
Nach der Zustimmung des Haushaltsausschusses des Bundestags am 17. Dezember 2025 hat die Bundeswehr am 12. Januar 2026 offiziell acht Drohnen des Typs MQ-9B SeaGuardian beim US-amerikanischen Hersteller General Atomics Aeronautical Systems in Auftrag gegeben. Die Vertragsabwicklung läuft über die NATO Support and Procurement Agency, die als Vermittler zwischen der Bundesregierung und dem Produzenten agiert. Die NATO Support and Procurement Agency hat bereits 2024 die „MQ-9B International Cooperation Support Partnership“ gegründet, durch die die fünf Mitgliedstaaten – Belgien, Dänemark, Deutschland, Kanada und das Vereinigte Königreich – bei Beschaffung und Betrieb unterstützt werden.
Die Deutsche Marine erhält insgesamt vier Systeme, wobei jedes System aus zwei MQ-9B SeaGuardian-Drohnen und einer Bodenkontrollstation besteht. Der tatsächliche Bedarf der Marine liegt laut dem im letzten Jahr veröffentlichten „Kurs Marine“ bei acht bis zwölf Systemen.
Die unbemannten Luftfahrzeuge sollen die bemannten Seefernaufklärer vom Typ P-8A Poseidon ergänzen und hauptsächlich zur Aufklärung und U-Boot-Jagd eingesetzt werden. Dabei ergänzen sich die bemannten und unbemannten Systeme hervorragend: Während die P-8A mit circa 900 Kilometern pro Stunde deutlich schneller ist und mehr Sensoren sowie Waffenlast tragen kann, zeichnet sich die MQ-9B durch ihre lange Flugdauer aus.
Das Beschaffungsvolumen beläuft sich auf ungefähr 1,52 Milliarden Euro. Dieser Betrag umfasst nicht nur die Drohnen selbst, sondern auch Ersatzteile für einen zweijährigen Anfangsbetrieb sowie verschiedene Dienstleistungen wie die Schulung des Personals. Die Finanzierung erfolgt aus dem Sondervermögen Bundeswehr und dem regulären Verteidigungshaushalt.
Die Auslieferung der Maschinen ist für den Zeitraum zwischen 2028 und 2030 geplant. Sie werden am Fliegerhorst Nordholz stationiert und vom Marinefliegergeschwader 3 „Graf Zeppelin“ betrieben. Bis zum ersten Flugbetrieb ab 2028 sind noch umfangreiche Vorbereitungen erforderlich: Das Personal muss entsprechend ausgebildet und die notwendige Infrastruktur am Standort aufgebaut werden.
Ein Vorteil für die Bundeswehr besteht darin, dass bereits mehrere verbündete Streitkräfte wie die britischen oder belgischen Streitkräfte Erfahrungen mit dem MQ-9B-System gesammelt haben. Auf dieses Know-how kann zurückgegriffen werden, um einen reibungslosen Start des Flugbetriebs zu ermöglichen. In den Jahren 2031 und 2032 sollen die Drohnen dann auf eine erweiterte Konfiguration zur U-Boot-Jagd aufgerüstet werden.

Technische Daten
Die MQ-9B SeaGuardian gehört zur Kategorie der MALE-Drohnen (Medium Altitude Long Endurance Unmanned Aerial Systems) und ist die speziell für maritime Einsätze entwickelte Variante des SkyGuardian-Systems. Bei einer Spannweite von 24 Metern und einer Länge von 11,7 Metern wird sie von einem Honeywell TPE331-10 Turboprop-Triebwerk mit einer Leistung von 45 kVA angetrieben. Das maximale Startgewicht liegt bei 5.670 Kilogramm, wobei allein 2.721 Kilogramm auf das Tankvolumen entfallen.
Die Drohne erreicht Flughöhen von über 12.200 Metern und kann mehr als 30 Stunden in der Luft bleiben – abhängig von der jeweiligen Konfiguration. Mit einer Geschwindigkeit von 389 Kilometern pro Stunde und einer Reichweite von über 9.260 Kilometern bietet sie enorme operative Flexibilität. In ihrer Standardkonfiguration erreicht sie einen Missionsradius von 2.222 Kilometern mit erheblicher Verweilzeit im Einsatzgebiet.
Für die Mitführung von Ausrüstung stehen 363 Kilogramm interne Nutzlast sowie 2.155 Kilogramm externe Nutzlast zur Verfügung, verteilt auf neun Hardpoints. Durch modulare Sensoren nach dem „Bolt-on/Bolt-off“-Prinzip lässt sich die SeaGuardian missionsspezifisch ausrüsten.
Das Herzstück der SeaGuardian bilden ihre vielfältigen Sensoren. Das Multimode-Oberflächensuchradar GA-ASI Lynx verfügt unter anderem über einen ISAR-Modus (Inverse Synthetic Aperture Radar), der die Klassifizierung von Seezielen ermöglicht. Ein hochauflösender Full-Motion-Video-Sensor mit Tageslicht- und Infrarotkameras in einem stabilisierten Sensorball dient der präzisen Zielidentifizierung. Ein AIS-Empfänger erfasst Schiffspositionen und -daten und ermöglicht gleichzeitig eine Lagebilddarstellung.
Zur Unterwasseraufklärung können sogenannte Sonobuoy Dispenser Systems (SDS) eingesetzt werden, also Abwurfsysteme für Sonarbojen. Die SeaGuardian ist in der Lage, bis zu vier SDS-Behälter mitzuführen. Dadurch können insgesamt bis zu 40 Sonarbojen der Größe „A“ oder alternativ bis zu 80 Sonarbojen der Größe „G“ transportiert und eingesetzt werden. Durch das innovative Sonarbojen-Management- und Steuersystem (SMCS) sowie das Sonarbojen-Abwurfsystem (SDS) können Sonarbojen von einer einzigen SeaGuardian aus ausgebracht, überwacht und gesteuert werden. Dies verleiht der MQ-9B die Fähigkeit, auch Aktivitäten unterhalb der Wasseroberfläche zu erfassen, beispielsweise feindliche U-Boote. Damit ist die SeaGuardian das erste RPAS ihrer Klasse, das eine Echtzeit-Suche und -Patrouille sowohl oberhalb als auch unterhalb der Meeresoberfläche ermöglicht.
Die Kommunikationssysteme umfassen einen Line-of-Sight-C-Band-Datenlink, satellitengestützte Over-the-Horizon-Verbindungen sowie duale VHF/UHF-Funkgeräte. Alle Sensordaten werden an die Bodenkontrollstation übermittelt, von wo aus die Marineflieger die Drohne steuern. Die Flugführungsstation bietet den Bedienern ein Luftlagebild, das dem Cockpit bemannter Flugzeuge ebenbürtig sein soll.
Gleichzeitig können andere Marineflugzeuge und Schiffe – bei Bedarf auch Einheiten verbündeter Streitkräfte – auf die gesammelten Informationen zugreifen. Gerade bei der U-Boot-Jagd ist jeder zusätzliche Sensor von unschätzbarem Wert. Dadurch können Streitkräfte und zivile Behörden rund um die Uhr ein Echtzeit-Lagebild im gesamten maritimen Einsatzraum erhalten.
Eine Bewaffnung der Drohnen ist nach derzeitigem Stand zumindest vorerst nicht vorgesehen. Möglich ist dies jedoch. Zur Verfügung stehen verschiedene Luft-Boden-Lenkflugkörper sowie gelenkte Bomben. Ob künftig auch U-Jagd-Torpedos und Seezielflugkörper integriert werden sollen, ist nicht bekannt.
Das MQ-9B-System wurde von Grund auf so konzipiert, dass es nicht nur NATO-Standards (STANAG 4671) erfüllt, sondern auch die Anforderungen für den Betrieb im zivilen Luftraum in den USA und weltweit einhält. Ein neuartiges Detect-and-Avoid-System sowie eine zertifizierbare Bodenstation ermöglichen es der SeaGuardian, sich wie ein gewöhnliches Verkehrsflugzeug in den regulären Luftverkehr einzufügen. Der Hersteller GA-ASI hat über Jahre eng mit der US-Luftfahrtbehörde FAA und der britischen CAA zusammengearbeitet, um die Zulassung für Flüge im zivilen Luftraum zu erreichen.
Die SeaGuardian kann für zahlreiche maritime Aufklärungs-Operationen konfiguriert werden. Das Spektrum reicht von humanitärer Hilfe und Katastropheneinsätzen über Such- und Rettungsmissionen bis hin zu Strafverfolgung, Bekämpfung von Seezielen, U-Boot-Jagd und luftgestützte Minenabwehrmaßnahmen. Auch strategische Langstreckenaufklärung und Zielzuweisung jenseits des Horizonts gehören zum Leistungsumfang.

Fazit
Die MQ-9B SeaGuardian wird die Fähigkeiten der Deutschen Marine im Bereich der Seefernaufklärung und U-Boot-Jagd definitiv erweitern. Allerdings verstärkt diese Entscheidung gleichzeitig auch die Abhängigkeit von den USA in diesem wichtigen Fähigkeitsbereich. Bei näherer Betrachtung wird jedoch deutlich, dass die MQ-9B SeaGuardian zum aktuellen Zeitpunkt recht alternativlos ist.
Die Heron TP aus israelischer Produktion ist im Vergleich zur SeaGuardian in der Dimension See zumindest aktuell noch weniger leistungsfähig. Hinzu kommt, dass das Manned/Unmanned Teaming (MUM-T) zwischen P-8A Poseidon und Heron TP noch nicht erprobt wurde, bei der SeaGuardian hingegen schon. Zudem ist die Verbreitung der Heron TP mit lediglich Israel, Indien und Deutschland als Nutzern deutlich geringer, was die Möglichkeiten für internationale Zusammenarbeit und Erfahrungsaustausch einschränkt, insbesondere im europäischen Kontext.
Die Eurodrohne von Airbus könnte perspektivisch eine vielversprechende europäische Lösung bieten. Airbus plant, dieses System auch für maritime Einsatzzwecke weiterzuentwickeln. Allerdings wird die Eurodrohne erst ab 2030 verfügbar sein und damit zu spät für den Bedarf der Marine.
Neben der Leistungsfähigkeit der SeaGuardian und der Möglichkeit zum Manned/Unmanned Teaming (MUM-T) mit der P-8A Poseidon dürfte der größte Vorteil die Verbreitung des Systems innerhalb der NATO sein. Durch die 2024 ins Leben gerufene „MQ-9B International Cooperation Support Partnership“ sind erhebliche Synergieeffekte bei der Beschaffung und beim Betrieb der Drohnen zu erwarten.
*The appearance of U.S. Department of Defense (DoW) visual information does not imply or constitute DoW endorsement.
