Die Deutsche Luftwaffe befindet sich in einem tiefgreifenden Transformationsprozess. Jahrzehnte der Unterfinanzierung und ausgebliebener Modernisierungen haben deutliche Spuren hinterlassen – Spuren, die spätestens seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 nicht mehr zu ignorieren sind. Der folgende Beitrag gibt einen umfassenden Überblick über die aktuellen Waffensysteme der Luftwaffe, laufende und geplante Beschaffungsvorhaben sowie die bestehenden Fähigkeitslücken. Er zeigt, wo die Luftwaffe heute steht – und welcher Weg noch vor ihr liegt.
Table of Contents
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Flugzeuge
Den Ausgangspunkt bilden die Starrflügler der Luftwaffe, genauer gesagt die Kampfflugzeuge. Aktuell verfügen die deutschen Luftstreitkräfte über insgesamt 231 Kampfflugzeuge, davon 138 Eurofighter und 93 Tornados. Das Mehrzweckkampfflugzeug Eurofighter ist das Rückgrat der Luftwaffe; vier der sechs taktischen Luftwaffengeschwader sind mit diesem Muster ausgestattet. Darüber hinaus sind 58 weitere Eurofighter im Rahmen der 4. und 5. Tranche bestellt. Die 38 Eurofighter der 4. Tranche sollen die 33 Eurofighter der ersten Tranche ersetzen. Die Kosten für dieses Beschaffungsvorhaben belaufen sich auf 5,5 Milliarden Euro; bis 2030 sollen alle 38 Maschinen ausgeliefert werden. Der Bundestag stimmte darüber hinaus der Beschaffung von 20 weiteren Eurofightern für 3,75 Milliarden Euro im Rahmen einer 5. Tranche zu. Diese Maschinen sollen im Zeitraum von 2031 bis 2034 an die Truppe ausgeliefert werden. Der Bedarf der Luftwaffe ist damit allerdings noch nicht gedeckt; dieser wurde in der Vergangenheit wiederholt mit 40 bis 50 weiteren Eurofightern im Rahmen einer 5. Tranche beziffert. Ob es zu weiteren Bestellungen kommt, bleibt abzuwarten. Zum gegenwärtigen Stand wird die Luftwaffe künftig über 163 Eurofighter verfügen.
35 Maschinen werden zu Eurofighter EK umgerüstet und sollen die veralteten Tornado ECR ersetzen. EK steht für elektronische Kampfführung und soll den Eurofighter zur Unterdrückung und Bekämpfung feindlicher Luftverteidigungssysteme befähigen. Bei den umzurüstenden Maschinen handelt es sich um 15 Eurofighter der Tranche 4 sowie die 20 Eurofighter der Tranche 5.
Langfristig soll der Eurofighter durch ein Kampfflugzeug der sechsten Generation abgelöst werden, das im Rahmen des Future Combat Air Systems (FCAS) gemeinsam mit Frankreich und Spanien entwickelt wird. Aufgrund zahlreicher Probleme steht dieses Vorhaben jedoch kurz vor dem Scheitern – zumindest in seiner bisherigen Form. Wie der Eurofighter-Nachfolger aussehen wird und ab wann dieser der Truppe zulaufen soll, ist derzeit noch nicht absehbar.

Vom Tornado verfügt die Luftwaffe aktuell noch über 93 Maschinen in zwei Varianten: IDS und ECR. IDS steht für Interdiction Strike und ist die Basisversion des Jagdbombers. Er ist für Luft-Boden-Einsätze konzipiert und gewährleistet darüber hinaus die nukleare Teilhabe. ECR steht für Electronic Combat Reconnaissance; diese Variante dient zur Lokalisierung, Identifizierung und Bekämpfung feindlicher Luftverteidigungssysteme. Beide Varianten erreichen 2030 das Ende ihrer Nutzungsdauer. Die IDS-Version wird zum gegenwärtigen Stand durch 35 F-35A ersetzt, die ECR-Version durch die bereits erwähnten Eurofighter EK.
Die Beschaffung der 35 F-35A Lightning II kostet rund 7,6 Milliarden Euro und dient vor allem der Sicherstellung der nuklearen Teilhabe. Der Bedarf der Luftwaffe nach Luftfahrzeugen dieses Typs ist mit den bestellten 35 Maschinen jedoch bei weitem noch nicht gedeckt; dieser beläuft sich auf mindestens die doppelte Stückzahl. Wiederholt erscheinende Medienberichte, wonach das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) die Beschaffung weiterer F-35A erwägt, werden vom Verteidigungsministerium regelmäßig dementiert. Angesichts des unabweisbar vorhandenen Bedarfs der Luftwaffe und der Verzögerungen im FCAS-Projekt dürfte die Beschaffung weiterer F-35A jedoch eher wahrscheinlicher als unwahrscheinlicher werden – unabhängig von der politischen Lage in Washington. Die F-35A ist derzeit alternativlos.

Der Bedarf der Luftwaffe nach bemannten Jagdbombern könnte sich künftig jedoch verringern, sollte ein weiteres Beschaffungsvorhaben erfolgreich umgesetzt werden. Die deutschen Luftstreitkräfte planen die Beschaffung von bis zu 400 Jagdbomberdrohnen, die vor allem Ziele tief im Feindesland präzise bekämpfen sollen.
Abgesehen von Jagdbomberdrohnen verfügt die Luftwaffe bereits über größere Aufklärungsdrohnen der MALE-Klasse. MALE steht dabei für Medium Altitude Long Endurance. Im Falle der Luftwaffe handelt es sich aktuell um fünf israelische Heron TP Drohnen. Diese fünf Drohnen sind geleast und dienen vor allem der Aufklärung, können jedoch auch mit Luft-Boden-Lenkflugkörpern bewaffnet werden, was auch geplant ist. Darüber hinaus wurden drei weitere Heron TP Drohnen für rund 630 Millionen Euro bestellt. Diese sollen mit spezieller Ausrüstung zur elektromagnetischen Aufklärung ausgestattet sein, mit der Kommunikations- und Radarsysteme erfasst werden können. Folglich wird die Luftwaffe künftig über insgesamt acht Heron TP Drohnen verfügen, die bis mindestens 2034 betrieben werden. Danach soll sukzessive die in Entwicklung befindliche Eurodrohne übernehmen, von der insgesamt 21 Stück bestellt wurden.

Den Transportflugzeugen der Luftwaffe kommt ebenfalls eine zentrale Bedeutung zu. Hier bildet der A400M das Rückgrat der deutschen Lufttransportkapazität. Aktuell verfügt die Truppe über 52 dieser Transport- und Tankflugzeuge, allesamt dem Lufttransportgeschwader 62 unterstellt. Eine weitere Maschine ist bestellt und soll bis Ende des laufenden Jahres ausgeliefert werden. 23 A400M werden darüber hinaus für 760 Millionen Euro mit dem Directed InfraRed Counter Measures-System (DIRCM) ausgestattet. Dieses Selbstschutzsystem schützt die Luftfahrzeuge vor anfliegenden Infrarot-Lenkflugkörpern.
Ergänzt wird die A400M-Flotte durch drei C-130J und drei KC-130J Super Hercules. Bei ersterem handelt es sich um ein taktisches Transportflugzeug, bei letzterem um ein Tankflugzeug. Alle sechs Maschinen werden von der deutsch-französischen Lufttransportstaffel betrieben. Für 206 Millionen Euro werden auch diese Luftfahrzeuge mit dem DIRCM-Selbstschutzsystem nachgerüstet.
Die graue Flotte der Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung besteht aktuell aus lediglich zwei A321neo LR, die im Schwerpunkt für militärische Personal- und Materialtransporte sowie den strategischen Patientenlufttransport genutzt werden.
Zur weißen Flotte gehören aktuell drei A350, drei A319, drei Global 5000, drei Global 6000 sowie drei Hubschrauber AS532 U2 Cougar. Die drei Langstreckenjets vom Typ A350 werden derzeit für 240 Millionen Euro mit dem DIRCM-Selbstschutzsystem ausgestattet. Darüber hinaus wurde eine der drei A319 zur „Nationalen Beobachtungsplattform“ umgebaut, um im Rahmen des OH-Vertrages eingesetzt zu werden. Insgesamt verfügt die Luftwaffe damit über 72, bald 73 Transportflugzeuge.
Für die Pilotenausbildung verfügt die Luftwaffe über mehrere Schulflugzeugmuster. Für die Grundausbildung wird die Grob G 120A eingesetzt. Die Grund- und Fortgeschrittenenausbildung der Flugschüler erfolgt auf der T-6 „Texan“ II, einer Weiterentwicklung der aus der Schweiz stammenden Pilatus PC-9, die seit 2003 bei der Bundeswehr im Dienst ist. Für die Ausbildung von Jetpiloten kommt die T-38C „Talon“ zum Einsatz. Aktuell verfügt die Luftwaffe noch über 41 dieser Maschinen, die bereits 2034 das Ende ihrer Nutzungsdauer erreichen werden.
Hubschrauber
Aktuell verfügt die Luftwaffe über insgesamt 84 Hubschrauber dreier verschiedener Typen. Vom mittleren Transporthubschrauber CH-53G sind noch 66 Maschinen in drei Varianten in Nutzung: 40 CH-53GA, 20 CH-53GS und 6 CH-53GE. Alle 66 Maschinen unterstehen dem Hubschraubergeschwader 64 und dienen vor allem dem Personal- und Materialtransport. Da dieser Hubschraubertyp bereits 2030 das Ende seiner Nutzungsdauer erreicht, wurden insgesamt 60 CH-47F SR Block II Chinook als Ersatz bestellt. Die Kosten für dieses Beschaffungsvorhaben belaufen sich auf 7,2 Milliarden Euro. Hinzu kommen Infrastrukturmaßnahmen in Höhe von 750 Millionen Euro an den beiden Standorten Schönewalde und Laupheim. Die Auslieferung soll im Zeitraum von 2027 bis 2033 erfolgen.

Darüber hinaus verfügt die Luftwaffe über 15 H145M LUH SOF. Dabei handelt es sich um leichte Mehrzweckhubschrauber, die vor allem der Unterstützung von Spezialkräften dienen. Diese Maschinen unterstehen ebenfalls dem Hubschraubergeschwader 64. Künftig wird die Flotte um 10 H145M LKH SOF ergänzt, die im Rahmen des Vorhabens „Leichter Kampfhubschrauber“ bestellt wurden.
Die Luftwaffe verfügt zudem über drei VIP-Hubschrauber des Typs AS532 U2 Cougar. Da diese Maschinen im laufenden Jahr das Ende ihrer Nutzungsdauer erreichen, sollen sie durch drei neue VIP-Hubschrauber ersetzt werden. Das geschätzte Kostenvolumen beläuft sich auf rund 200 Millionen Euro. Im Gegensatz zu den anderen beiden Hubschraubermustern der Luftwaffe unterstehen die Cougar nicht dem Hubschraubergeschwader 64, sondern der Flugbereitschaft des BMVg.
Flugabwehrsysteme
Aktuell verfügt die Luftwaffe über 11 Flug- und Raketenabwehrsysteme vier verschiedener Typen. Vom Raketenabwehrsystem Arrow wurde Ende des vergangenen Jahres die erste Batterie in Dienst gestellt und damit die anfängliche Einsatzbereitschaft erreicht. Bis 2030 sollen die zwei weiteren bestellten Batterien ausgeliefert werden. Ebenfalls Ende des vergangenen Jahres wurde eine Vertragserweiterung im Wert von 3,1 Milliarden Euro unterzeichnet, mit der die Anzahl von Startgeräten und Lenkflugkörpern für das Arrow-System erhöht werden soll. Insgesamt beläuft sich das Kostenvolumen dieses Beschaffungsvorhabens nun auf 6,7 Milliarden Euro. Mit der Beschaffung des Raketenabwehrsystems Arrow aus Israel erhält Deutschland erstmals die Fähigkeit, ballistische Raketen außerhalb der Erdatmosphäre abzufangen, und schließt damit eine kritische Fähigkeitslücke in der Luftverteidigung.

Eine Schicht darunter ist das Flugabwehrraketensystem PATRIOT angesiedelt. Davon verfügt die Luftwaffe noch über sieben Stück, nachdem fünf Systeme an die Ukraine geliefert wurden. Als Ersatz und zum Ausbau der Luftverteidigungsfähigkeiten wurden acht neue PATRIOT-Systeme für 2,63 Milliarden Euro bestellt, die bis 2029 ausgeliefert werden sollen. Nach Auslieferung aller acht Systeme und sofern keine weiteren PATRIOT-Systeme an die Ukraine abgegeben werden, würde die Bundeswehr künftig über insgesamt 15 dieser Flugabwehrsysteme verfügen. Darüber hinaus sollen die sieben Bestandssysteme im Rahmen des Vorhabens „Fähigkeitserhalt PATRIOT“ modernisiert werden. Im Rahmen dieser Modernisierung werden unter anderem die Startgeräte auf die M903-Version umgerüstet, um diese zum Verschuss von PAC-3 MSE Abfangraketen zu befähigen. Auch die Krypto- und Funkgeräte für die Richtfunkanlagen werden erneuert.
Zur Schließung der Fähigkeitslücke bei der Abwehr von Bedrohungen aus der Luft im Nahbereich läuft aktuell die Beschaffung von IRIS-T SLM. Dabei handelt es sich um ein Luftverteidigungssystem mittlerer Reichweite, das sich bereits im Ukraine-Krieg bewährt hat. Trotz dieses Umstandes wurde die erste Feuereinheit, die bereits im September 2024 an die Luftwaffe übergeben wurde, zunächst rund eineinhalb Jahre intensiv geprüft und den deutschen Anforderungen und Vorschriften entsprechend angepasst. So wurde unter anderem der Nachladekran, der sich in der Ukraine bewährt hat, durch ein den deutschen Sicherheitsanforderungen entsprechendes Pendant ersetzt. Am 13. Februar 2026 wurde die erste Feuereinheit in deutscher Konfiguration schließlich an die Flugabwehrraketengruppe 61 übergeben. Bis Ende 2027 sollen die restlichen fünf bestellten Systeme folgen. Im Juni 2023 gab der Bundestag insgesamt 950 Millionen Euro für die Beschaffung von sechs Feuereinheiten und 216 Abfangraketen frei. Dies deckt den Bedarf der Bundeswehr jedoch bei weitem nicht; dieser liegt laut übereinstimmenden Medienberichten bei mindestens 50 IRIS-T SLM Feuereinheiten. Laut Hartpunkt soll auch die wieder aufzustellende Heeresflugabwehrtruppe mit IRIS-T SLM ausgestattet werden, wofür ein Bedarf von mehr als 25 weiteren Feuereinheiten im Raum steht.

Die Luftwaffe verfügt aktuell zudem noch über zwei leichte Flugabwehrsysteme. Aufgrund der Wiederaufstellung der Heeresflugabwehrtruppe dürften diese, sofern sie nicht ausgemustert werden, künftig jedoch wieder zum Heer übergehen.
Künftig wird die Luftwaffe folglich über mindestens 24 Flug- und Raketenabwehrsysteme verfügen, tendenziell eher mehr.
Fazit
Insgesamt verfügt die Luftwaffe aktuell über 231 Kampfflugzeuge, fünf Drohnen, 73 Transportflugzeuge, mehr als 41 Schulflugzeuge, 84 Hubschrauber sowie 11 Flug- und Raketenabwehrsysteme. Der Bestand ist damit nicht unerheblich, von einer vollständigen Kriegstüchtigkeit kann jedoch kaum die Rede sein. Viele der vorhandenen Systeme müssen dringend modernisiert beziehungsweise ersetzt werden – beispielsweise die Tornados und die CH-53G. Aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters lässt ihre Einsatzbereitschaft zu wünschen übrig, und den Anforderungen des modernen Gefechtsfeldes entsprechen sie seit Längerem nicht mehr. Die entsprechenden Modernisierungs- und Beschaffungsvorhaben sind zwar bereits angestoßen, es wird jedoch noch einige Zeit dauern, bis diese sich materialisieren – nicht zuletzt deshalb, weil die entsprechenden Maßnahmen zu spät eingeleitet wurden. Darüber hinaus ist festzuhalten, dass die deutsche Kampfflugzeugflotte von derzeit 231 Maschinen auf 198 Stück schrumpfen wird. Angesichts der neuen NATO-Fähigkeitsziele, die ein Mehr in allen Bereichen vorsehen, dürfte dieser Umstand kaum haltbar sein. Die Beschaffung weiterer Eurofighter und/oder F-35 dürfte folglich nur eine Frage der Zeit sein.
Hinzu kommt der Munitionsmangel. Die Luftwaffe verfügt zwar über leistungsfähige Luft-Luft- und Luft-Boden-Wirkmittel, wie beispielsweise den METEOR-Luft-Luft-Lenkflugkörper oder den Marschflugkörper TAURUS, jedoch nur in begrenzter Stückzahl. Vom METEOR sind lediglich rund 250 Lenkflugkörper vorhanden, vom TAURUS rund 600. Im Ernstfall dürfte der Luftwaffe daher sehr wahrscheinlich schnell die Präzisionsmunition ausgehen – ein Problem, das, abgesehen von der U.S. Air Force, nahezu alle westlichen Luftstreitkräfte betrifft. Als viel zitiertes Beispiel für diesen Umstand gilt die Libyen-Intervention Frankreichs und Großbritanniens: Beiden Staaten ging nach kurzer Zeit die notwendige Präzisionsmunition aus, sodass sie auf US-amerikanische Bestände zurückgreifen mussten, um die militärische Operation fortführen zu können.
Neben diesen Kritikpunkten sind die strukturellen Fähigkeitslücken europäischer Luftstreitkräfte in der Dimension Luft hervorzuheben. Die Aufklärungsfähigkeiten der Luftwaffe beschränken sich aktuell auf fünf Heron TP Drohnen sowie mit Aufklärungspods ausgestattete Kampfflugzeuge. Signalerfassende Aufklärung oder luftgestützte Frühwarnung sind in nennenswertem Umfang nicht vorhanden. Die Fähigkeitslücke im Bereich der signalerfassenden Aufklärung wird zwar durch drei PEGASUS-Systeme geschlossen, doch ist diese Anzahl quantitativ unzureichend. Im Bereich der luftgestützten Frühwarnung kann Deutschland zwar auf die E-3 AWACS-Flotte der NATO zurückgreifen; diese Maschinen sind jedoch technisch veraltet und müssen dringend ersetzt werden.
Auch die Fähigkeit, Ziele tief im Hinterland des Feindes präzise bekämpfen zu können, ist derzeit unzureichend. Aktuell stehen dafür lediglich rund 600 TAURUS-Marschflugkörper mit einer Reichweite von 500 km zur Verfügung – sowohl quantitativ als auch qualitativ ungenügend. Es bedarf weitreichenderer luftgestützter Präzisionswaffen mit größeren Reichweiten als sie der Taurus derzeit bietet. Darüber hinaus wäre es sinnvoll, in diesem Bereich nicht ausschließlich Marschflugkörper zu berücksichtigen – diese sind aufgrund ihrer vergleichsweise geringen Geschwindigkeit leichter abzufangen –, sondern auch andere Wirkmittel wie luftgestützte ballistische Raketen und Hyperschallwaffen in Betracht zu ziehen.
Auch im Bereich der Luftbetankung besteht Nachholbedarf. Die Luftwaffe verfügt zwar über eine Staffel A400M, drei KC-130J und fünf A330 MRTT im Rahmen der Multinational MRTT Unit. Für langanhaltende Luftoperationen im großen Maßstab, wie sie in Szenarien der Landes- und Bündnisverteidigung zu erwarten sind, ist dies jedoch nicht ausreichend.
Schließlich fehlt es der Luftwaffe – wie nahezu allen europäischen Luftstreitkräften mit Ausnahme der Royal Air Force – an strategischen Transportflugzeugen. In diesem Bereich kann die Luftwaffe lediglich auf bis zu sechs Antonow An-124 über die Strategic Airlift International Solution zurückgreifen. Dies ist für die Anforderungen der Landes- und Bündnisverteidigung zum einen zu wenig, zum anderen müssen die Maschinen aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters zeitnah ersetzt werden. Ein Ersatz zeichnet sich derzeit jedoch nicht ab. Auch die US-amerikanischen Modelle C-5 und C-17 kommen aktuell nicht als Alternative in Frage, da beide nicht mehr produziert werden. Hier bedarf es dringend einer Lösung, um diese Fähigkeitslücke zu schließen. Die Bedeutung solcher Flugzeuge zeigte sich zuletzt beim Aufbau der militärischen Präsenz der USA im Nahen Osten. Auch wenn Deutschland und die Europäer im Allgemeinen keine globalen Power Projection Capabilities wie die USA anstreben, sind strategische Transportflugzeuge unabdingbar, um Massen an Personal und vor allem schwerem Material schnell verlegen zu können.
