Das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) hat den Infrastrukturbericht der Bundeswehr 2025 veröffentlicht. Er beziffert die Ausgaben für die Unterbringung der Streitkräfte auf rund 9 Mrd. Euro und beschreibt neue Programme, mit denen Unterkünfte und Liegenschaften für den personellen Aufwuchs schneller bereitgestellt werden sollen.
Ausgaben auf neuem Höchststand
Im Haushaltskapitel 1408 (Unterbringung) fielen 2025 Ausgaben von rund 8,24 Mrd. Euro an. Davon entfielen 3,74 Mrd. Euro auf Mietzahlungen an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), 2,89 Mrd. Euro auf Betrieb und Sonstiges sowie 1,61 Mrd. Euro auf Bauinvestitionen. Hinzu kamen 0,75 Mrd. Euro aus dem Sondervermögen Bundeswehr für die Infrastruktur des Kampfflugzeugs F-35A. Die Bauinvestitionen summierten sich damit auf 2,35 Mrd. Euro. Im Jahr 2013 lagen sie noch bei 0,59 Mrd. Euro. Für den Bauunterhalt wurden zusätzlich rund 739 Mio. Euro aufgewendet, davon 416 Mio. Euro durch die BImA als Eigentümerin.
Anders als im Vorjahr verzichtet das Ministerium weitgehend auf die Nennung einzelner Liegenschaften und Bauvorhaben. Begründet wird dies mit der Sicherheitslage und dem Interesse ausländischer Nachrichtendienste am Geschäftsbereich des BMVg. Der Infrastrukturbericht 2024, der dem Parlament im Juni 2025 vorgelegt wurde, hatte noch rund 8.000 anstehende Bauvorhaben ausgewiesen.
Unterkünfte für den Neuen Wehrdienst
Kern der Planungen ist das Programm G-CAP Inland Stufe 1. Es überträgt das aus Auslandseinsätzen bekannte Rahmenvertragsmodell German Armed Forces Contractor Augmentation Program auf das Inland. Vorgesehen sind rund 300 standardisierte Kompaniegebäude in etwa 130 Liegenschaften mit rund 54.000 Betten für Wehrdienstleistende und rund 9.000 Betten für Ausbilder. Die Kosten werden auf etwa 4,6 Mrd. Euro geschätzt. Das Vergabeverfahren führte der Bau- und Liegenschaftsbetrieb Nordrhein-Westfalen (BLB NRW), die Rahmenverträge wurden am 27. August 2026 unterzeichnet. Das Vertragspaket umfasst Planung, Bau und technischen Betrieb, umgesetzt von insgesamt sieben Auftragnehmern. Bis Ende des ersten Halbjahres 2027 sollen 14 Gebäude fertig sein.
Bis dahin überbrückt das Sofortprogramm Infrastrukturbedarf Personalgewinnungsorganisation (SIPGO) den Bedarf. Ab September 2026 sollen rund 8.600 Betten in Containerbauten auf 32 Liegenschaften entstehen, bevorzugt auf befestigten Flächen wie Park- oder Antreteplätzen. Das Volumen liegt bei rund 400 Mio. Euro. Mit G-CAP Inland Stufe 2 sollen später ganze Liegenschaften einschließlich Betrieb abrufbar sein. Die Rahmenverträge sind für Ende 2028 geplant, erste Abrufe für 2029.
Parallel errichtet die BImA im Bundeswehr-Bauprogramm Unterkünfte bis 2031 mehr als 70 Gebäude mit über 7.100 Einzelunterkünften an 31 Standorten. Das Kostenziel liegt bei rund 1,2 Mrd. Euro, erste Gebäude sollen Ende 2027 übergeben werden.
Konversion ausgesetzt
Im Oktober 2025 hat das BMVg die Umwandlung ehemals militärisch genutzter Flächen in zivile Nutzung per Moratorium gestoppt. Betroffen sind rund 200 Liegenschaften im Eigentum der BImA, die nach einer ersten Prüfung als grundsätzlich geeignet für eine erneute militärische Nutzung gelten. Daraus soll eine strategische Liegenschaftsreserve entstehen. Flächen ohne Bedarf können später wieder freigegeben werden.
Kürzere Verfahren
Die im November 2025 eingerichtete Initiative militärischer Bundesbau setzt 38 Maßnahmen einer früheren Projektgruppe um. Dazu zählen eine Plattform, über die dringende Bauvorhaben bei ausgelasteter Landesbauverwaltung bundesweit anderen Ländern angeboten werden, sowie höhere Wertgrenzen für Direktaufträge von bis zu 1 Mio. Euro. Mit dem seit Februar 2026 geltenden Bundeswehrbeschaffungsbeschleunigungsgesetz ist die losweise Vergabe bis Ende 2035 ausgesetzt. Das Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen wird für die Streitkräfte nicht mehr angewendet. Zudem billigt das BMVg Bedarfsplanungen für bestimmte Gebäudetypen nun ohne das Bundesfinanzministerium, was 2025 bei 34 Planungen rund sechs Monate einsparte.
Den rechtlichen Rahmen soll das Bundeswehr-Infrastrukturbeschleunigungsgesetz setzen. Das Kabinett beschloss den Entwurf am 1. Juli 2026 zusammen mit einem neuen Bundeswehrbaugesetz, das zehn weitere Gesetze ändert. Militärische Bauvorhaben sollen im überragenden öffentlichen Interesse liegen, im Umwelt- und Naturschutzrecht sind befristete Erleichterungen vorgesehen. Der Entwurf liegt dem Bundestag seit dem 7. Oktober 2026 als Drucksache 21/8409 vor.
Großprojekte und Ausblick
Für das Flugkörperabwehrsystem ARROW wurde im Dezember 2025 die Anfangsbefähigung für einen ersten Einsatzstellungsbereich erreicht. Die Infrastruktur für den Seefernaufklärer P-8A Poseidon plant erstmals die NATO-Beschaffungsagentur NSPA, für den Transporthubschrauber CH-47F Chinook wird der Flugplatz Holzdorf ausgebaut. Den militärischen Wasserbau mit einem Bedarf von rund 2 Mrd. Euro koordiniert eine Projektgruppe unter Leitung Hamburgs. Für Renovierungen stehen 2026 bis 2028 zusätzlich bis zu 100 Mio. Euro bereit. Aus einem NATO-Programm zur Kraftstoffversorgung kommen auf Deutschland Maßnahmen im Umfang von rund 4 Mrd. Euro zu, unter anderem für das Pipelinenetz.
