Belgien will 20 Skyranger-Nahbereichssysteme von Rheinmetall und zehn NASAMS-Startgeräte von Kongsberg beschaffen. Das Vorhaben soll die seit den frühen 2010er-Jahren fehlende bodengebundene Luftverteidigung wieder aufbauen und könnte beim NATO-Gipfel in Ankara vorgestellt werden.
Beschaffung über niederländische Rahmenverträge
Nach Angaben von Reuters plant Belgien ein Rüstungspaket im Umfang von rund 3,1 Milliarden Euro, das zehn NASAMS-Startgeräte für die mittlere Reichweite und 20 Skyranger-Systeme für den Nahbereich kombiniert. Ein belgischer Regierungsvertreter bestätigte die Pläne am 2. Juli gegenüber der Nachrichtenagentur; sie stehen unter dem Vorbehalt einer Zustimmung des Ministerrats. Eine formelle Ankündigung gilt für den NATO-Gipfel in Ankara am 7. und 8. Juli 2026 als möglich.
Um den Zeitplan zu verkürzen, sollen beide Beschaffungen über bestehende niederländische Rahmenverträge laufen. Damit will Belgien auf ein separates Vergabeverfahren verzichten und schneller zu Lieferungen kommen. Zugleich erhöht dieser Weg die Gemeinsamkeit bei Logistik, Wartung und Ausbildung mit den niederländischen Streitkräften.

Einordnung in die Strategic Vision 2025
Das Paket ist Teil des belgischen Modernisierungsplans Strategic Vision 2025, der den Zeitraum 2026 bis 2034 abdeckt. Verteidigungsminister Theo Francken hatte bereits 2025 bestätigt, dass der Skyranger Bestandteil dieses Programms sein soll. Der Plan sieht unter anderem rund 34,2 Milliarden Euro an Verteidigungsinvestitionen vor, davon etwa 27 Milliarden Euro für neues Gerät. Zur geplanten Luftverteidigung gehören neben NASAMS und Skyranger auch 200 bis 300 polnische Piorun-MANPADS, eine Beteiligung an einer multinationalen Beschaffung von Mistral-3-Lenkflugkörpern gemeinsam mit Frankreich, Estland, Zypern und Ungarn sowie eine spätere Entscheidung über ein Langstreckensystem – Patriot oder SAMP/T – im Verbund mit den Niederlanden.
Der Hintergrund ist ein Fähigkeitsdefizit: Belgien verfügt seit rund fünfzehn Jahren über keine moderne mobile bodengebundene Luftverteidigung mehr. Wiederholte Drohnenvorfälle über Häfen, Industrieanlagen und militärischen Einrichtungen haben die Lücke im Tiefflugbereich verschärft.
Technisches Profil des Skyranger
Die genaue Variante hat Belgien nicht benannt, doch mehrere Indizien deuten auf den Skyranger 30 hin: Der niederländische Vertrag betrifft diese Version, und Belgien nutzt dieselben Rahmenverträge. Kern des Systems ist eine 30-mm-Revolverkanone mit programmierbarer AHEAD-Airburst-Munition, die eine Feuerrate von rund 1.200 Schuss pro Minute und eine wirksame Reichweite gegen Luftziele von etwa drei Kilometern erreicht. Die Munition ist darauf ausgelegt, kleine, günstige oder zahlreich auftretende Ziele wie Drohnen und Loitering Munition kosteneffizient zu bekämpfen, ohne teure Lenkflugkörper zu verbrauchen.
Offen ist bislang, ob die 20 Systeme auf Fahrzeugen montiert, als stationäre Feuerstellungen aufgebaut oder gemischt eingesetzt werden. Diese Entscheidung bestimmt, ob die Beschaffung vor allem manövrierende Verbände, feste Infrastruktur oder NASAMS-Stellungen schützt.
Gestaffelte Luftverteidigung
Ein von Rheinmetall auf der Messe BEDEX 2026 gezeigtes Konzept illustriert die geplante Aufgabenteilung. Dabei bekämpft NASAMS Ziele mittlerer Reichweite, während der Skyranger die Raketenstellungen im Nahbereich gegen Drohnen und Marschflugkörper verteidigt. Ein Thales-Radar vom Typ Ground Master 200 liefert das übergeordnete Luftlagebild. Schutzobjekte sind unter anderem der Hafenraum Antwerpen-Zeebrügge, Industrieanlagen und Munitionsdepots.
Enger europäischer Beschaffungsmarkt
Der belgische Bedarf trifft auf eine bereits stark ausgelastete Fertigung. Rheinmetall will die jährliche Produktion von rund 70 auf bis zu 400 Türme steigern, doch Bestellungen aus Deutschland, Österreich, Dänemark, den Niederlanden, Rumänien und Ungarn füllen bereits einen Großteil der Produktionslinie. Die Nutzung niederländischer Rahmenverträge kann die Vertragsphase beschleunigen, ändert an den industriellen Vorlaufzeiten jedoch wenig.
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