Die Panzergrenadierbrigade 37 „Freistaat Sachsen“ gehört derzeit zu den einsatzbereitesten Großverbänden des Deutschen Heeres. Sie steht seit dem 1. Januar 2025 als Forward Land Forces-Brigade – kurz FLF-Brigade – für die Verlegung nach Litauen bereit und ist damit bis zum Erreichen der vollen Einsatzbereitschaft der Panzerbrigade 45 „Litauen“ der deutsche Hauptbeitrag zur Sicherung der NATO-Ostflanke.
Der folgende Beitrag stellt die Speerspitze der 10. Panzerdivision im Detail vor – von der Geschichte über die Ausrüstung und Strukturen der Brigade bis hin zu den wachsenden Verantwortlichkeiten bei teils zu bemängelnder Ausstattung.
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Einordnung und Zahlen
Der Brigadestab sitzt in der Wettiner Kaserne in Frankenberg in Sachsen. Unterstellt ist die Brigade der 10. Panzerdivision mit Stab im unterfränkischen Veitshöchheim. Die PzGrenBrig 37 umfasst rund 6.200 Soldatinnen und Soldaten, verteilt auf acht aktive Bataillone, ein nicht-aktives Reservebataillon und zwei selbstständige Kompanien – die Stabs- und Unterstützungskompanie mit etwa 140 Soldatinnen und Soldaten sowie die Fernmeldekompanie mit etwa 130, beide in Frankenberg. Die Fernmeldekompanie wurde 2020 als erste Fernmeldeeinheit auf Brigadeebene im Heer aufgestellt. Die Standorte liegen in vier Bundesländern: Sachsen, Thüringen, Bayern und Nordrhein-Westfalen.
Kommandeur ist seit Juni 2024 Brigadegeneral David Markus. Er übernahm die Führung von Brigadegeneral Alexander Krone, der zum Kommando Spezialkräfte ins baden-württembergische Calw wechselte.
Der Wahlspruch der Brigade lautet „Verwurzelt – Kampfstark – Einsatzbereit“. Als Traditionsmarsch ist ihr seit 1991 der „Marsch der Kursächsischen Leibgarde“ zugewiesen – auch bekannt als „Kesselsdorfer Marsch“, komponiert 1788.
Die Brigade ist einer von vier Großverbänden der 10. Panzerdivision. Neben der PzGrenBrig 37 gehören dazu die Panzerbrigade 12 „Oberpfalz“ in Cham, die niederländische 13. Lichte Brigade aus Oirschot sowie die seit April 2025 in Litauen im Aufbau befindliche Panzerbrigade 45 „Litauen“. Hinzu kommt die Deutsch-Französische Brigade, die der Division ebenfalls unterstellt ist.
Geschichtlicher Hintergrund
Die PzGrenBrig 37 entstand 1991 aus der Transformation der 7. Panzerdivision der Nationalen Volksarmee der DDR. Der damalige Kommandeur der 7. Panzerdivision NVA, Oberst Volker Bednara, übergab das Kommando am 5. Oktober 1990 an Brigadegeneral Andreas Wittenberg, der damit für rund acht Monate zwei militärische Großverbände in Personalunion führte: die bestehende NVA-Division und parallel die neu aufzustellende westdeutsche Panzerbrigade 12. Wittenberg wurde im April 1991 für diese Leistung mit dem Verdienstkreuz am Bande ausgezeichnet und wurde ab Juni 1991 erster Kommandeur der Heimatschutzbrigade 37.
Am 11. April 1991 verlieh der sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf der Brigade den Ehrennamen „Freistaat Sachsen“, den sie durch alle Strukturreformen hindurch bis heute führt. Die ursprüngliche Gliederung 1991 umfasste das Panzergrenadierbataillon 371, das Panzergrenadierbataillon 372, das Panzerbataillon 373, das Panzerartilleriebataillon 375, die Panzerjägerkompanie 370, die Panzerpionierkompanie 370, die Stabskompanie sowie die nicht-aktive Panzeraufklärungskompanie 370.
Es folgte eine Phase struktureller Unruhe, die sich über mehr als ein Jahrzehnt erstreckte. Schon 1995 wurde die Brigade in Panzergrenadierbrigade 37 umbenannt, ein Jahr später zur Jägerbrigade 37 umgegliedert – mit Fallschirmjägern, Gebirgsjägern und Panzergrenadieren unter einem Dach. 2001 übernahm sie nach der Auflösung der Panzerbrigade 39 „Thüringen“ zwei weitere Bataillone, die bis heute ihren Kern bilden. 2007 kamen Pioniere, Fernmelder und Aufklärer hinzu – und die Brigade erhielt erneut ihre heutige Bezeichnung als Panzergrenadierbrigade.
Die offizielle Brigadechronik kommentiert diese wechselhaften Umbenennungen als „sprachliches Spiegelbild für die kontinuierliche politische Debatte um den Charakter der Streitkräfte und ihren Einsatz“.
Die Einsatzhistorie der Brigade ist breit und reicht weit über den militärischen Bereich hinaus. Beim Oderhochwasser 1997 waren die Soldaten erstmals im Katastrophenschutz im Einsatz. Die Elbe trat 2002, 2006 und 2013 über die Ufer; jedes Mal standen Angehörige der Brigade im Hilfseinsatz. Für ihren Einsatz beim Jahrhunderthochwasser 2013 erhielt die Brigade die sächsische Fluthelfermedaille. Auf dem Balkan stellten die Verbände ab 1998 Kräfte für die SFOR-Mission in Bosnien, später folgten Kontingente für die KFOR im Kosovo. Ab 2016 kamen Einsätze in Mali hinzu.
Der prägendste Einsatz war Afghanistan. Über mehr als ein Jahrzehnt stellte die Brigade wiederholt Kontingente für die ISAF-Mission, 2009/2010 als Leitbrigade im Regional Command North – mit rund 2.900 Soldatinnen und Soldaten die größte einzelne Gestellung der Brigadegeschichte. Die Kampfintensität in dieser Phase war hoch. Im Frühjahr 2009 registrierten die Soldaten im Raum Kunduz, wie die Taliban ihre Angriffsmethoden systematisch weiterentwickelten: weg von kurzen Feuergefechten, hin zu komplexen Hinterhalten mit improvisierten Sprengvorrichtungen.
Die Verluste dieser Zeit sind Teil der Brigadegeschichte. Am 14. März 2009 kam Hauptgefreiter Conrad Hötzel vom Panzergrenadierbataillon 371 bei einem Unfall im Raum Feyzabad ums Leben – der erste Gefallene der Brigade in Afghanistan. Am 23. Juni 2009 geriet eine deutsche Patrouille südwestlich von Kunduz in einen Taliban-Hinterhalt. Beim Ausweichen überschlug sich ein Transportpanzer Fuchs und stürzte in einen Wassergraben. Drei Soldaten ertranken: Hauptgefreiter Alexander Schleiernick sowie die Hauptgefreiten Oleg Meiling und Martin Brunn vom Panzergrenadierbataillon 391. Die Gedenkfeier fand am 2. Juli 2009 in Bad Salzungen statt. 2011 wurde in der Wettiner Kaserne ein Ehrenhain mit Gedenkstein für die Gefallenen eingeweiht.
Tapferkeit wurde in dieser Phase auch formell anerkannt. Am 22. Januar 2010 zeichnete Verteidigungsminister Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg die Hauptfeldwebel Jan Hecht und Daniel Seibert mit dem Ehrenkreuz der Bundeswehr für Tapferkeit aus – für ihren Einsatz in einem Gefecht am 4. Juni 2009, bei dem sie einen zahlenmäßig überlegenen Gegner zum Rückzug zwangen.
Nach dem Ende der ISAF-Mission rückte Litauen in den Vordergrund. Im Rahmen der Enhanced Forward Presence – kurz eFP – der NATO stellten die Verbände der Brigade ab 2017 mehrfach den Leitverband: das Panzergrenadierbataillon 371 in der zweiten Rotation, das Panzerbataillon 393 in der vierten, das Panzergrenadierbataillon 391 in der sechsten und das Panzergrenadierbataillon 371 erneut in der siebten Rotation 2020. Die Brigade war in Litauen damit keine unbekannte Größe, als sie 2025 als Forward Land Forces-Brigade erneut dorthin ausgerichtet wurde.
Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine am 24. Februar 2022 wurde die Brigade endgültig auf die Landes- und Bündnisverteidigung ausgerichtet. Von 2022 bis 2024 war die PzGrenBrig 37 Leitverband der NATO Response Force – der NRF. Die NRF ist der schnell verlegbare Krisenreaktionsverband des Bündnisses. Innerhalb der NRF bildet die Very High Readiness Joint Task Force, kurz VJTF, die Speerspitze mit der höchsten Einsatzbereitschaft.
Diese VJTF führte die Brigade 37 im Jahr 2023. Die Chronik der Brigade formuliert den Anspruch: innerhalb von 48 bis 72 Stunden an jeden Ort verlegbar zu sein und die Führung von mehr als 10.000 Soldatinnen und Soldaten aus mehreren NATO-Mitgliedsstaaten zu übernehmen. Der VJTF-Kern bestand aus vier Battlegroups – dem Panzerbataillon 393, dem Panzergrenadierbataillon 112 aus Regen, dem norwegischen Telemark-Bataillon und einem Bataillon der niederländischen 13. Lichten Brigade – ergänzt durch weitere Kampfunterstützungs- und Versorgungsbataillone, in Summe rund 11 Bataillone mit etwa 11.000 Soldatinnen und Soldaten.
Damit steht die Brigade seit rund vier Jahren durchgehend auf höchstem Bereitschaftsniveau.
Wappen und Patenschaften
Das Verbandsabzeichen zeigt das Wappen des Freistaates Sachsen – zehnfach schwarz-gold geteilt – belegt mit einem diagonalen grünen Rautenkranz. Historisch geht das Wappen auf das Herrschergeschlecht der Askanier zurück, die 1180 die sächsische Herzogswürde erhielten, und ging später auf die Wettiner über – daher auch der Name der Stammkaserne in Frankenberg.
Patenschaften bestehen mit der Fregatte Sachsen der Deutschen Marine, der 7. Jägerbrigade des österreichischen Bundesheeres sowie der 4th Rapid Deployment Brigade der Tschechischen Republik. Letztere besteht bereits seit Anfang der 1990er Jahre im Rahmen der NATO-Partnership for Peace.
Im Juli 2021 verlieh der sächsische Innenminister der Stadt Frankenberg den offiziellen Namenszusatz „Garnisonsstadt“.
Aktuelle Struktur und Standorte
Der PzGrenBrig 37 sind folgende acht aktive Bataillone direkt unterstellt:
- Panzergrenadierbataillon 212 in Augustdorf, Nordrhein-Westfalen – das einzige Panzergrenadierbataillon der Brigade mit dem Schützenpanzer Puma.
- Panzergrenadierbataillon 371 „Marienberger Jäger“ in Marienberg, Sachsen – ausgestattet mit dem Schützenpanzer Marder.
- Panzergrenadierbataillon 391 „Salzunger Grenadiere“ in Bad Salzungen, Thüringen – ebenfalls mit Marder.
- Panzerbataillon 393 „Thüringer Löwe“ in Bad Frankenhausen – ausgestattet mit dem Kampfpanzer Leopard 2A6 beziehungsweise Leopard 2A7V.
- Panzerartilleriebataillon 375 in Weiden in der Oberpfalz. Die Geschichte dieses Verbands ist bemerkenswert: Das ursprüngliche PzArtBtl 375 wurde 1991 in Frankenberg aufgestellt, 2005 aufgelöst – wodurch laut Brigadechronik „die Fähigkeit zum Gefecht der verbundenen Waffen verloren ging“. Erst am 5. Oktober 2023 wurde es – neu aufgestellt und diesmal in Weiden – wieder in Dienst gestellt. Laut InfoBrief Heer Ausgabe 1 vom Februar 2025 wurde dieser Schritt den Erfahrungen des Krieges in der Ukraine folgend vollzogen, damit jede Brigade der Division 2025 über einen eigenen Artillerieverband verfügt. Geführt wird das Bataillon von Oberstleutnant Hekja Marlen Werner – der ersten Bataillonskommandeurin des deutschen Heeres. Hauptwaffensystem ist die Panzerhaubitze 2000 mit einer Reichweite von bis zu 40 Kilometern.
- Panzerpionierbataillon 701 in Gera, Thüringen. Dieser Verband hat für den VJTF-Auftrag 2022–2024 eine amphibische Kompanie zugeordnet bekommen.
- Versorgungsbataillon 131 in der Kyffhäuser-Kaserne Bad Frankenhausen, mit dislozierten Kompanien in Bad Salzungen, Gotha und einem abgesetzten Zug in Idar-Oberstein zur Versorgung des PzArtBtl 375. Laut Brigadechronik umfasst das Bataillon rund 1.350 Soldatinnen und Soldaten und ist damit das logistische Rückgrat der Brigade. Es stellt Nachschub, Instandsetzung und Transport sicher – „vom Kleinstteil bis zum Kampfpanzer Leopard 2A7″.
Als nicht-aktiver Verband kommt das Panzergrenadierbataillon 909 in Marienberg hinzu – ein Reservebataillon, das seit 2008 als Ergänzungstruppenteil der Brigade besteht.
Damit deckt die Brigade das volle Spektrum der verbundenen Waffen ab: Aufklärung, Infanterie, Panzer, Artillerie, Pioniere und Logistik.
Hauptwaffensysteme – Anspruch und Realität
Die materielle Ausstattung der Brigade 37 ist ein Querschnitt durch den aktuellen Zustand der Bundeswehr insgesamt: bewährtes, teils betagtes Material neben modernen Systemen, die schrittweise zulaufen – und ein deutlich sichtbarer Unterschied zwischen den west- und ostdeutschen Standorten der Brigade.
Beim Kampfpanzer steht das Panzerbataillon 393 in Bad Frankenhausen mit dem Leopard 2A6 in der Soll-Ausstattung von 44 Fahrzeugen pro Bataillon. Den Leopard 2A8, dessen Rollout am 19. November 2025 bei KNDS in München stattfand, erhält die Brigade 37 vorerst nicht. Laut InfoBrief Heer vom Dezember 2025 soll er ab 2027 vorrangig an die Panzerbrigade 45 in Litauen ausgeliefert werden. Der 2A6 bleibt damit auf absehbare Zeit die Hauptausstattung.
Noch deutlicher zeigt sich das Bild bei den Schützenpanzern, und hier offenbart sich der Ost-West-Unterschied innerhalb der Brigade unmittelbar. Das Panzergrenadierbataillon 212 im westfälischen Augustdorf fährt den Puma – den modernsten Schützenpanzer der Bundeswehr. Die beiden Bataillone in Marienberg und Bad Salzungen, das 371er und das 391er, fahren den Marder – ein System, das seit Mitte der 1970er Jahre im Dienst steht. Der Marder hat sich, wie Berichte aus der Ukraine zeigen, als robust und zuverlässig erwiesen. Bei Schutz, Feuerkraft, Sensorik und digitaler Vernetzung liegt er gegenüber dem Puma jedoch klar zurück. Dies ist keine Frage der Qualität des Personals, sondern eine Frage des Materials.
Der Zeitpunkt einer Änderung ist bekannt – aber nicht nah. Das Heer verfügt derzeit über 350 Puma des ersten Loses, von denen 297 bis 2029 auf den modernisierten Konstruktionsstand S1 nachgerüstet werden. Ein zweites Los von 50 Fahrzeugen wurde 2023 beauftragt. Im Dezember 2025 bewilligte der Haushaltsausschuss weitere 200 Puma für 4,2 Milliarden Euro – Auslieferung ab Mitte 2028. Der Gesamtbestand wächst damit perspektivisch auf rund 600 Fahrzeuge. Für die beiden Marder-Bataillone der Brigade 37 wären bei einer Soll-Ausstattung von je 44 Fahrzeugen rechnerisch 88 Puma nötig – zuzüglich einer Umlaufreserve für Instandsetzung und Ausbildung ergibt sich ein Bedarf von rund 111 Fahrzeugen. Vor 2028 ist eine Umrüstung nicht zu erwarten.
Ergänzend im Bestand: die Panzerhaubitze 2000 beim Panzerartilleriebataillon 375, Spähwagen Fennek und Drohne KZO beim Aufklärungsbataillon 13 sowie Brückenlegepanzer Leguan, Minenräumpanzer Keiler und Minenverlegesystem 85 bei den Pionieren.
Refokussierung auf Landes- und Bündnisverteidigung
Die Refokussierung des Heeres auf Landes- und Bündnisverteidigung war kein plötzliches Resultat der russischen Vollinvasion im Februar 2022. Die Planungen für die VJTF-Führung begannen Jahre zuvor. Was die Zeitenwende-Rede vom 27. Februar 2022 und das anschließende Sondervermögen von 100 Milliarden Euro leisteten, war etwas anderes: Sie gaben diesem Prozess politischen Rückhalt, öffentliche Sichtbarkeit und vor allem die finanziellen Mittel, um den strukturellen Umbau im erforderlichen Tempo durchführen zu können.
Die 10. Panzerdivision wurde ab dem 1. April 2023 als „Division 2025″ neu strukturiert und in das NATO Force Model als Tier-2-Verband gemeldet, der innerhalb von 10 bis 30 Tagen verlegbar sein muss. Der InfoBrief Heer Ausgabe 1 vom Februar 2025 formuliert die Anforderung: Die Division muss bereits aus der Grundstruktur heraus „kaltstartfähig“, also „kriegstüchtig“ sein. Kaltstartfähigkeit bedeutet: aus dem Grundbetrieb heraus, ohne langen Aufwuchs, innerhalb kurzer Fristen in die vollständige Einsatzbereitschaft zu kommen.
Um das zu erreichen, wurden die Divisionstruppen verstärkt, die logistische Ebene 1 aller Verbände ausgebaut – damit die Truppe Material und Munition selbst aufnehmen und transportieren kann – und die logistische Ebene 2 für die Folgeversorgung neu aufgestellt.
Seit dem 1. Januar 2025 übernimmt die PzGrenBrig 37 von der Panzerbrigade 21 „Lipperland“ den Auftrag als Forward Land Forces-Brigade für Litauen. Die Übergabe erfolgte am 12. Dezember 2024 in Rukla. Generalleutnant Harald Gante erklärte anlässlich der Übergabe, mit der PzGrenBrig 37 komme eine erfahrene Truppe nach Litauen. Der Auftrag lautet: im Bündnisfall mit Brigadestärke innerhalb kürzester Zeit nach Litauen zu verlegen und die dortige Landesverteidigung im Ernstfall zu unterstützen. Die Truppe bleibt dabei in den Heimatstandorten stationiert.
Der Praxistest erfolgte im Rahmen der Übungsreihe Quadriga. Bei Grand Quadriga 2024 nahm die 10. Panzerdivision als Kernübungstruppe teil. Im August und September 2025 beübte die PzGrenBrig 37 im Rahmen der Übung Grand Eagle 2025 die Kernverfahren der FLF-Rolle. Der InfoBrief Heer Ausgabe 4 vom Dezember 2025 beschreibt den Ablauf: Alarmierung in den Heimatstandorten, Herstellen der Einsatzbereitschaft auf Standort- und Truppenübungsplätzen, Verlegung nach Litauen auf der Straße, der Schiene und über See. Im Rahmen dieser Übung führte die Brigade auch gemeinsame Gewässerübergänge mit der niederländischen 13. Lichten Brigade durch.
Die Übungsserie diente zugleich als NATO-Verifikation. Verifikation bedeutet: Die NATO überprüft und bestätigt, dass die eingemeldeten Kräfte die zugesagten Fähigkeits-, Bereitschafts- und Verlegeparameter tatsächlich erfüllen. Diese Prüfung hat die Brigade bestanden.
Parallel ist die 10. Panzerdivision in die US-amerikanische Übungsserie Warfighter eingebunden – 2025 und 2026 mit insgesamt sechs Gefechtsstandübungen, wie Oberst i.G. Lars Apfel, Chef des Stabes der 10. Panzerdivision, im InfoBrief Heer Ausgabe 4 beschreibt. Ziel ist der Nachweis der Kriegstüchtigkeit als erste deutsche Heeresdivision im Verbund mit einem US-Korps.
Fähigkeitslücken und strukturelle Probleme
Der zentrale materielle Befund betrifft den Schützenpanzer. Zwei der drei Panzergrenadierbataillone der Brigade fahren weiterhin Marder, obwohl die Brigade als Leitverband der höchsten Bereitschaftsstufe geführt wird. Der Zulauf der Puma des 2. Loses erfolgt erst ab Mitte 2028. Damit klafft eine Lücke zwischen dem politischen Bereitschaftsauftrag und dem tatsächlichen Ausstattungsstand.
Bei den Kampfpanzern kommt hinzu, dass der Leopard 2A8 vorrangig an die Panzerbrigade 45 in Litauen geliefert wird. Für das Panzerbataillon 393 in Bad Frankenhausen ist eine flächendeckende Modernisierung auf die neueste Baureihe auf absehbare Zeit nicht vorgesehen.
Ein strukturelles Problem beschreibt der InfoBrief Heer Ausgabe 4 vom Dezember 2025 selbst: Das Dynamische Verfügbarkeitsmanagement wurde zwar abgeschafft – also das Verfahren, bei dem Material zwischen Verbänden rotiert, um den jeweils bereitstehenden Leitverband vollständig auszurüsten. In der Praxis müssten jedoch weiterhin „Fähigkeitspakete“ zwischen den Großverbänden verschoben werden. Der Weg zur Vollausstattung sei nun eingeschlagen, aber – so die Einschätzung im InfoBrief – gemessen am Zielhorizont 2029 nicht schnell genug und gemessen am Bedarf auch quantitativ nicht ausreichend.
Der InfoBrief Heer Ausgabe 1 vom Februar 2025, verfasst durch Oberstleutnant André Buthmann aus der G4-Abteilung der 10. Panzerdivision, benennt das Problem für die Munitionsversorgung explizit: Die Bundeswehr stehe in diesem Bereich „noch vor großen Herausforderungen“; die 10. Panzerdivision müsse „als NATO-Speerspitze aus sich selbst heraus und ohne größere Personal- und Materialverschiebungen ins Gefecht ziehen können“ – genau das Gegenteil dessen, was die aktuelle Praxis mit verschobenen Fähigkeitspaketen beschreibt.
Hinzu kommt die Doppelbelastung durch Parallelität: Die Brigade muss die höchste Bereitschaft aufrechterhalten und gleichzeitig die Umstrukturierung der Division 2025, die multinationale Integration mit Niederländern und Litauern sowie die Teilnahme an Warfighter-Übungen umsetzen. Diese Belastung wirkt auf Personal und Material gleichermaßen.
Ausblick
Die Panzergrenadierbrigade 37 ist einer der einsatzerfahrensten mechanisierten Großverbände der Bundeswehr. Sie hat die VJTF 2023 als Leitverband geführt, ist seit dem 1. Januar 2025 Forward Land Forces-Brigade für Litauen und hat die NATO-Verifikation im Rahmen von Grand Eagle 2025 bestanden. Sie ist zugleich der Großverband mit der größten gelebten Erfahrung aus der Integration zweier deutscher Armeen – die Brigadechronik bezeichnet sie in ihrer Schlussbetrachtung als „beredtes Beispiel für die Armee der Einheit“.
Gleichzeitig steht sie exemplarisch für die Lücke zwischen Auftrag und Ausstattung, die das deutsche Heer als Ganzes prägt: Eine Brigade auf höchster Bereitschaftsstufe fährt in zwei von drei Panzergrenadierbataillonen einen Schützenpanzer aus den 1970er Jahren, während die Nachfolgesysteme entweder noch nachgerüstet werden oder erst ab 2028 zulaufen. Das neueste Kampfpanzermodell geht zuerst an die Schwesterbrigade 45 in Litauen.
Die Brigade erfüllt ihren Auftrag – die Frage ist, mit welchem Aufwand und zu welchem Preis an Verschleiß bei Personal und Material. Die strukturellen Entscheidungen sind getroffen, die Verträge gezeichnet, die Mittel bereitgestellt. Ob die Umsetzung bis zum Zielhorizont 2029 gelingt, entscheidet sich in den kommenden drei Jahren – an der Schnelligkeit der Industrie, der Disziplin der Beschaffung und der Bereitschaft, Prioritäten im Heer klar zu setzen.
Die Brigade selbst formuliert den Anspruch in ihrer Chronik mit einem Satz, der an den Wahlspruch anknüpft: „Was immer auch die Zukunft bringen mag, eines ist gewiss: Die Panzergrenadierbrigade 37 ‚Freistaat Sachsen‘ wird ihre Aufträge auch weiterhin erfüllen.“
