Bundestag stimmt Vorvertrag für MEKO A-200 DEU zu – NVL will F126 weiterführen

Bundestag stimmt Vorvertrag für MEKO A-200 DEU zu - NVL will F126 weiterführen
MEKO-A200AN; Quelle: Merzoug Gharbaz

Die Saga um die Beschaffung neuer U-Jagd-Fregatten für die Deutsche Marine geht weiter. Gestern hat der Haushaltsausschuss dem „Vorvertrag zur Absicherung der Terminschiene MEKO A-200 DEU“ zugestimmt. Kurz zuvor vermeldete Naval Vessels Lürssen (NVL) einen Durchbruch bei der Übertragung der Konstruktionsdaten für die Fregatte F126 in das eigene System.

NVL will F126 weiterführen

Deutschland hat insgesamt sechs F126 für knapp 10 Milliarden Euro als Ersatz für die veralteten U-Jagd-Fregatten der Klasse F123 bestellt. Die ursprünglich für 2028 geplante Auslieferung der ersten Fregatte verzögerte sich um rund 48 Monate – hauptsächlich wegen massiver Softwareprobleme bei der Erstellung und Übertragung der Konstruktionszeichnungen. Diese und weitere Schwierigkeiten veranlassten das Verteidigungsministerium, einen möglichen Wechsel des Generalunternehmers zu prüfen. Mit dieser Untersuchung wurde das Unternehmen NVL beauftragt, das gestern verkündete, das Projekt fortführen zu können.

Das Timing dieser Meldung ist jedoch zweifelsohne sehr auffällig. Denn gestern sollte der Haushaltsausschuss des Bundestages auch über die 25-Millionen-Euro-Vorlage für einen „Vorvertrag zur Absicherung der Terminschiene MEKO A-200 DEU“ entscheiden – was er dann auch tat. Sollte das F126-Vorhaben scheitern, will das Verteidigungsministerium wohl bis zu acht MEKO A-200 DEU Fregatten bei TKMS bestellen. NVL will dem offenbar zuvorkommen und signalisieren, dass das F-126-Vorhaben weitergehen kann. Allerdings dürfte selbst unter NVL-Führung die erste F126 frühestens 2031 an die Marine ausgeliefert werden.

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Vorvertrag MEKO A-200 DEU

Der gestern genehmigte Vorvertrag soll es TKMS ermöglichen, alle Maßnahmen zur Sicherstellung der Fertigung einzuleiten. Laut Informationen des Fachmagazins Hartpunkt sollen dafür in einem ersten Schritt rund 50 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden. Die Laufzeit des Vorvertrages ist zunächst bis zum 31. März ausgelegt. Sollte es bis dahin keine finale Beauftragung geben, soll der Vertrag bis zum 30. April verlängert werden. Dafür wären weitere 100 Millionen Euro erforderlich. Bis dahin soll auch über die Zukunft des F126-Vorhabens final entschieden werden.

Sollte das Vorhaben „Fregatte F126″ tatsächlich scheitern, könnten möglicherweise bis zu acht MEKO A-200 DEU für rund 7,8 Milliarden Euro beschafft werden. Der nun genehmigte Vorvertrag soll sicherstellen, dass die erste MEKO-Fregatte bereits im Dezember 2029 an die Marine ausgeliefert werden kann. Das Kürzel „DEU“ lässt allerdings umfangreiche Anpassungen der MEKO A-200 an die Anforderungen der Marine erahnen, was in der Vergangenheit in der Regel zu massiven Verzögerungen und Kostenexplosionen geführt hat. Ob die erste MEKO A-200 DEU also wirklich bis Ende 2029 zulaufen würde, bleibt abzuwarten.

Mischlösung

Für welchen Weg sich das Verteidigungsministerium entscheidet, ist aktuell noch nicht bekannt. Möglicherweise kommt es aber auch zu einer Mischlösung: die Beschaffung von vier MEKO A-200 DEU als Brückenlösung UND das Festhalten am Vorhaben „Fregatte F126″ (dafür eventuell in reduzierter Stückzahl – vier Einheiten).

Eine solche Lösung hätte zwar den Vorteil, dass die Marine voraussichtlich nicht allzu lange auf die dringend benötigten neuen Fregatten warten muss, zumindest solange sich die Befürchtungen um das Kürzel „DEU“ nicht bewahrheiten. Auf der anderen Seite würde diese Lösung die Klassenvielfalt in der Marine noch weiter erhöhen – vier statt drei Fregattenklassen: vier F125, vier MEKO A-200 DEU, vier bis sechs F126 und sechs bis acht F127. Hinsichtlich Ausbildung und Logistik sicherlich nicht die ideale Lösung.

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