Deutschland und Italien vertiefen ihre Zusammenarbeit in Sicherheits- und Verteidigungsfragen. Im Rahmen der deutsch-italienischen Regierungskonsultationen in Rom wurde ein umfassendes Abkommen zur Stärkung von Sicherheit, Verteidigung und Resilienz unterzeichnet.
Die Regierungskonsultationen fanden am 23. Januar 2026 in Rom statt und brachten Vertreterinnen und Vertreter beider Regierungen zusammen. Zu Beginn traf sich der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius mit seinem italienischen Amtskollegen Guido Crosetto, um die sicherheits- und verteidigungspolitische Zusammenarbeit beider Länder zu vertiefen.
Im Anschluss an die Fachberatungen unterzeichneten Bundeskanzler Friedrich Merz und die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni ein neues bilaterales Sicherheits- und Verteidigungsabkommen, das offiziell als „Agreement on Enhanced Co-operation on Security, Defence and Resilience“ bezeichnet wird. Ziel der Vereinbarung ist es, bestehende Kooperationen auszubauen und neue, regelmäßige Gesprächsformate zu etablieren.
Inhalte des Abkommens
Die Vereinbarung sieht unter anderem jährliche „2+2“-Gespräche zwischen den Außen- und Verteidigungsministern beider Staaten vor. Diese Treffen sollen die strategische Abstimmung in außen- und sicherheitspolitischen Fragen verbessern und die politische Koordination vertiefen.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Intensivierung der militärischen Zusammenarbeit in den Bereichen Einsätze, Ausbildung, Übungen, militärisches Nachrichtenwesen und Fähigkeitsentwicklung. Zudem soll die Rüstungskooperation ausgebaut werden, etwa durch zusätzliche gemeinsame Projekte und eine engere Abstimmung der Verteidigungsindustrien beider Länder.

Darüber hinaus umfasst das Abkommen eine verstärkte Zusammenarbeit bei hybriden Bedrohungen, in der Cyberabwehr und im Weltraum. Vorgesehen sind unter anderem der Austausch von Verbindungsoffizieren in den zuständigen Kommandostrukturen sowie die Einrichtung eines deutsch-italienischen Weltraumdialogs. Diese Maßnahmen orientieren sich an der wachsenden Bedeutung kritischer Infrastruktur und hybrider Angriffe, die von physischen Sabotageakten bis zu Cyberangriffen reichen.
Auch die koordinierte und langfristig angelegte Unterstützung der Ukraine ist expliziter Bestandteil der Vereinbarung. Beide Länder wollen ihre Beiträge enger aufeinander abstimmen, um militärische Hilfe, Ausbildung und finanzielle Unterstützung effektiver zu gestalten. Ergänzend sind gemeinsame Projekte in afrikanischen Staaten geplant, die zur Stabilisierung von Regionen sowie zur Bekämpfung von Terrorismus und Fluchtursachen beitragen sollen.
Hintergrund: Sicherheitspolitische Partnerschaft
Deutschland und Italien kooperieren seit vielen Jahren eng in der Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Die Zusammenarbeit reicht von gemeinsamen Übungen über Einsätze in Afrika, auf dem Balkan, im Irak und in Afghanistan bis hin zu multinationalen Rüstungsprojekten. Dazu gehören unter anderem der Kampfjet Eurofighter, die geplante Eurodrohne und der Militärhubschrauber NH90.
Beide Staaten sind Mitglieder von NATO und EU und verstehen sich als verlässliche Partner innerhalb der europäischen Sicherheitsarchitektur. Sie beteiligen sich aktiv an Initiativen zur Stärkung der Resilienz gegen hybride Bedrohungen, etwa im Bereich des Schutzes kritischer Infrastruktur oder der Abwehr von Desinformation.
Mit dem neuen bilateralen Abkommen wollen Berlin und Rom ihre Rolle als treibende Kräfte in der europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik weiter ausbauen. Ergänzend zu bestehenden Formaten, etwa der Zusammenarbeit im Rahmen von EU und NATO oder der sogenannten Group of Five, sollen im Jahr 2026 und darüber hinaus zusätzliche konkrete Projekte folgen.
Einordnung der sicherheitspolitischen Lage
Vertreter der deutschen Seite verweisen im Zusammenhang mit der Vereinbarung auf die angespannte sicherheitspolitische Lage in Europa. Dazu zählen der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, zunehmende hybride Angriffe auf kritische Infrastruktur und anhaltende Desinformationskampagnen. Nach Einschätzung der Regierungen beider Länder erfordern diese Entwicklungen abgestimmtes Handeln auf NATO-, EU- und bilateraler Ebene.
Die Stärkung der Resilienz gilt dabei als zentraler Ansatz. Darunter wird die Fähigkeit verstanden, auf Krisen und Angriffe vorbereitet zu sein, Schäden zu begrenzen und Funktionsfähigkeit schnell wiederherzustellen. Ein gemeinsames Verständnis von Bedrohungen und geeigneten Gegenmaßnahmen wird in diesem Kontext als Voraussetzung für eine wirksame Zusammenarbeit genannt.
Mit dem nun abgeschlossenen Abkommen schaffen Deutschland und Italien einen strukturierten Rahmen, um ihre bisherigen Aktivitäten in diesen Bereichen zu bündeln und zu vertiefen. Die Vereinbarung soll zugleich als Signal verstanden werden, die europäische Handlungsfähigkeit in Sicherheits- und Verteidigungsfragen weiter zu stärken.
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