Die Vereinigten Staaten haben am 23. Januar 2026 eine überarbeitete Nationale Verteidigungsstrategie veröffentlicht, die eine deutliche Neuausrichtung ihrer Sicherheitspolitik signalisiert. Das Dokument des Verteidigungsministeriums legt vier strategische Schwerpunkte fest: Heimatschutz, Abschreckung Chinas im Indo-Pazifik, verstärkte Lastenteilung mit Verbündeten und Modernisierung der Rüstungsindustrie.
Heimatschutz und westliche Hemisphäre im Fokus
Erstmals seit dem Kalten Krieg wird der Schutz des eigenen Territoriums zur obersten Priorität erklärt. Die Strategie betont die Sicherung der US-Grenzen, die Bekämpfung von Drogenkartellen sowie den Schutz vor Luft- und Cyberangriffen. Ein neuer Schwerpunkt liegt auf der westlichen Hemisphäre, insbesondere auf drei Bereichen: dem Panamakanal, Grönland und dem Golf von Mexiko (in der Strategie als „Golf von Amerika“ bezeichnet).
Die Strategie orientiert sich dabei an einer Neuinterpretation der historischen Monroe-Doktrin. Diese Doktrin, die 1823 formuliert wurde, postulierte die US-amerikanische Abwehr außerregionaler Einflussnahmen in Amerika. Die neue Fassung wird als „Trump-Korollar zur Monroe-Doktrin“ bezeichnet und markiert eine offensive Neupositionierung der USA in ihrem Interessengebiet.

Indo-Pazifik: Abschreckung ohne direkte Konfrontation
Ein zweiter Kern der Strategie ist die Abschreckung Chinas im Indo-Pazifik – allerdings ohne direkte Konfrontation zu suchen. Das Dokument charakterisiert China als die zweitmächtigste Nation der Welt und würdigt dessen wachsende militärische Kapazitäten. Gleichzeitig definiert es das strategische Ziel als Aufrechterhaltung eines Machtgleichgewichts in der Region.
Die USA werden sich bemühen, militärisch-diplomatische Kanäle mit China zu verstärken, um strategische Stabilität und De-Eskalation zu fördern. Der Indo-Pazifik wird als wirtschaftlich und strategisch relevant dargestellt, da die Region laut Strategie etwa die Hälfte der Weltwirtschaft ausmacht.
Europäische Verbündete unter Druck
Ein dritter Schwerpunkt ist die Forderung an Europas NATO-Mitglieder, ihre Verteidigungsanstrengungen erheblich zu verstärken. Auf dem NATO-Gipfel in Den Haag im Juni 2025 hatten sich die Mitgliedstaaten auf ein neues Ausgabenziel von fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Sicherheit und Verteidigung verpflichtet – davon mindestens 3,5 Prozent für reine Verteidigungsausgaben und bis zu 1,5 Prozent für verteidigungs- und sicherheitsrelevante Infrastruktur.
Das Dokument unterstreicht, dass europäische NATO-Staaten wirtschaftlich deutlich stärker sind als Russland und die Kapazität haben, ihre Verteidigung weitgehend selbst zu übernehmen. Die USA wollen hier kritische, aber begrenzte Unterstützung leisten. Dies rahmt auch die Lage in der Ukraine stärker als europäische Verantwortung ein.
Russland als beherrschbare Bedrohung
Russland wird in der neuen Strategie als „persistente, aber beherrschbare Bedrohung“ für Osteuropas NATO-Mitglieder charakterisiert. Zwar verfügt Moskau über das weltgrößte Atomwaffenarsenal, doch ist es wirtschaftlich und demografisch schwächer als die EU-Staaten zusammen.
Rüstungsindustrialisierung als zentral
Ein vierter strategischer Pfeiler ist die Mobilisierung und Modernisierung der US-amerikanischen Rüstungsindustrie. Das Dokument betont, dass die USA wieder zum „Waffenmeister“ der Welt werden sollen – mit der Fähigkeit, nicht nur für sich selbst, sondern auch für Verbündete und Partner in großem Maßstab zu produzieren. Dabei sollen künstliche Intelligenz, schnellere Produktionsprozesse und der Abbau regulatorischer Hemmnisse eine Rolle spielen.
Regionale Schwerpunkte
Die Strategie behandelt weitere Krisenregionen. Im Nahen Osten sollen Israel und regionale Partner primär die Verantwortung für die Abwehr des iranischen Einflusses tragen, mit Hilfe der USA. Südkorea wird aufgefordert, mehr Verantwortung bei der Abschreckung Nordkoreas zu übernehmen. In Afrika konzentriert sich die US-Verteidigungsstrategie auf die Bekämpfung islamistischer Terrorgruppen, die die USA unmittelbar bedrohen können.
Mit WhatsApp immer bestens informiert!
Abonniere unseren WhatsApp-Kanal, um Neuigkeiten direkt aufs Handy zu erhalten. Einfach unten auf den Button klicken und dem Kanal beitreten:
