Die 69 mobilen Radarsysteme BARÜ sollten nach ursprünglicher Planung bis Mitte 2024 vollständig an die Bundeswehr übergeben sein. Nach Angaben des BAAINBw ist die Auslieferung nun für das erste Halbjahr 2027 vorgesehen – bis dahin bleiben vier ältere Radartypen im Einsatz.
Ursprünglicher Zeitplan nicht eingehalten
Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) konnte den Zeitplan für das Bodengebundene Aufklärungs- und Raum-Überwachungssystem (BARÜ) nicht einhalten. Das bestätigte ein Sprecher des Bundesamts auf Anfrage von Sicherheit & Verteidigung. Aktuell plant das BAAINBw die Auslieferung der Systeme für das erste Halbjahr 2027.
Den Vertrag über die Herstellung und Lieferung von 69 mobilen Radarsystemen hatte das BAAINBw am 8. Juni 2021 mit der ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH geschlossen. Die Auslieferung sollte damals Anfang 2022 beginnen und bis Mitte 2024 abgeschlossen sein. Der Auftrag mit einem Volumen von rund 36 Millionen Euro umfasst neben den Radargeräten auch Ausbildungslehrgänge, Ausbildungsmittel und einen Ersatzteilerstbedarf. Die Mittel hatte zuvor der Haushaltsausschuss des Bundestages freigegeben.
Änderungsvertrag nach Tests
Als Ursache der Verzögerung nennt das BAAINBw Änderungsbedarf an den Anforderungen an das Radarsystem. Dieser sei im Zuge der Projektrealisierung festgestellt worden und habe über einen Änderungsvertrag umgesetzt werden müssen.
Weitere Einzelheiten gehen aus einer Bekanntmachung auf der EU-Vergabeplattform TED vom 7. Mai 2026 hervor. Demnach schloss das BAAINBw am 30. April 2026 die zweite Änderung des BARÜ-Vertrags mit ESG. Sie erweitert den Liefer- und Leistungsumfang und ändert die Termine. Zur Begründung heißt es, bei Tests während der Vertragslaufzeit seien zwingend notwendige Anpassungen und Präzisierungen des vereinbarten Leistungsumfangs erkannt worden. Zudem habe der Auftraggeber seine Anforderungen geändert, unter anderem als Folge der geopolitischen Entwicklung.
Darüber hinaus führt die Bekanntmachung Anpassungen wegen Obsoleszenzen – also nicht mehr lieferbarer Komponenten – sowie die daraus resultierende Änderung des Terminplans an. An der Anpassung des Radarsystems ist auch der israelische Unterauftragnehmer ELTA Systems beteiligt; der Anteil der Unterauftragsleistungen ist mit 25 Prozent angegeben.
Bestandssysteme bleiben in Nutzung
BARÜ soll vier Radartypen ablösen: das Panzeraufklärungsradar (PARA), das Artilleriebeobachtungsradar (ABRA), das Leichte Gefechtsfeldaufklärungsradar (LEGAR 1) und das Bodenüberwachungsradargerät 550 (BOR-A 550). Diese Systeme sind laut BAAINBw weiterhin im Einsatz. Ein Datum für ihre Außerdienststellung nannte das Bundesamt nicht. Die Altgeräte sollen so lange betrieben werden, bis eine ausreichende Zahl an Ersatzsystemen zur Verfügung steht.
Bei Vertragsschluss 2021 hatte das BAAINBw die vier Systeme als am Ende ihrer Nutzungsdauer angekommen bezeichnet. Der zuständige Projektleiter erklärte damals, die Ablösung durch ein einziges, technisch aktuelles System vereinfache die Zusammenarbeit verschiedener Truppenteile ebenso wie die Ersatzteillogistik und die Kompatibilität der Systeme untereinander.
Ein System für Aufklärung und Artillerie
BARÜ ist für die Heeresaufklärungs- und die Artillerietruppe vorgesehen. Das System dient der Erfassung und Verfolgung beweglicher Ziele sowie der Unterstützung der Artillerie. Nach Herstellerangaben kombiniert es ein Puls-Doppler-Radar mit einer Phased-Array-Antenne; zur Zielklassifizierung nutzt es einen KI-gestützten Algorithmus.
Das BAAINBw beschreibt BARÜ als bei nahezu allen Wetterbedingungen sowie bei Tag und Nacht einsetzbar. Aufgrund des hohen Automatisierungsgrads ist für die permanente Überwachung großer Räume nur ein geringer Personalansatz erforderlich. Laut Bundesministerium der Verteidigung kann das Radar eigenständig betrieben werden und ist über eine Datenschnittstelle mit dem Führungs- und Waffeneinsatzsystem ADLER III der Artillerietruppe kompatibel.
Realisiert wird BARÜ von ESG in Kooperation mit ELTA Systems, einem Tochterunternehmen von Israel Aerospace Industries (IAI). ELTA ist dabei als Unterauftragnehmer von ESG tätig.
