Dänemark kauft bodengestützte Marschflugkörper bei Covenant

Dänemark beschafft den bodengestützten Marschflugkörper Anthem des US-Unternehmens Covenant Industries sowie die luftgestützte Joint Strike Missile für seine F-35. Die Anthem-Flugkörper für Dänemark sollen im neuen Covenant-Werk in Leipzig gebaut werden.
Foto: Covenant/Handout via Reuters

Dänemark beschafft den bodengestützten Marschflugkörper Anthem des US-Unternehmens Covenant Industries sowie die luftgestützte Joint Strike Missile für seine F-35. Die Anthem-Flugkörper für Dänemark sollen im neuen Covenant-Werk in Leipzig gebaut werden.

    Erstmals landgestützte Fähigkeit zum Deep Strike

    Das dänische Verteidigungsministerium hat am 22. Oktober 2026 bekanntgegeben, dass die Streitkräfte den Marschflugkörper Anthem von Covenant Industries erhalten. Damit verfügt Dänemark erstmals über ein landgestütztes Waffensystem, mit dem Ziele tief im gegnerischen Hinterland bekämpft werden können. Parallel beschafft das Land die Joint Strike Missile (JSM) für seine Kampfflugzeuge F-35.

    Nach Angaben des Ministeriums sollen beide Systeme die nationale und die kollektive Abschreckung stärken. Es handele sich um weitreichende Präzisionswaffen, deren Bereitstellung die NATO von ihren Mitgliedern fordert. Die Beschaffung geht auf eine Empfehlung des dänischen Verteidigungschefs zurück. Verteidigungsminister Jeppe Bruus erklärte, Dänemark werde damit besser in der Lage sein, sich zu verteidigen und seinen Anteil an den Lasten im Bündnis zu tragen. Zugleich zeige das Land, dass es zu Gegenschlägen fähig sei.

    Verträge unterzeichnet, Details unter Verschluss

    Die Verträge sind laut Ministerium bereits unterzeichnet. Stückzahlen, Kosten und Liefertermine wurden aus Sicherheitsgründen nicht genannt. Für Anthem sprachen den Angaben zufolge vor allem die vergleichsweise schnelle Verfügbarkeit und der Preis. Die Entscheidung weicht von der bisherigen dänischen Praxis ab, überwiegend erprobte und serienreife Systeme zu beschaffen. Anthem wurde bislang nicht im Gefecht eingesetzt.

    Anthem: Marschflugkörper für die Massenfertigung

    Anthem ist ein strahlgetriebener Marschflugkörper, der von Beginn an auf niedrige Kosten und hohe Stückzahlen ausgelegt wurde. Für den Start nutzt er einen Feststoffraketenmotor, im Marschflug ein unter dem Rumpf montiertes Strahltriebwerk für Schwerkraftstoff. Covenant gibt die Nutzlast mit einem Gefechtskopf von rund 200 Kilogramm an. Die Reichweite liegt Berichten zufolge bei über 1.000 Kilometern, einzelne Medien nennen bis zu 1.500 Kilometer. Der Stückpreis soll unter einer Million US-Dollar liegen, vergleichbare Marschflugkörper kosten in der Regel mehrere Millionen.

    Der Erstflug fand im August 2025 statt. Seither hat der Flugkörper nach Firmenangaben mehr als 200 Tests absolviert, darunter mehrere mit US-Streitkräften. Ein dokumentierter Einsatz erfolgte am 6. August 2026 im marokkanischen Tan-Tan im Rahmen einer Erprobung mit der US Army. Zudem hat Covenant einen Auftrag über rund 70 Millionen US-Dollar vom Rapid Capabilities Office der US Navy erhalten, um eine seegestützte Variante namens Maritime Anthem zu entwickeln.

    Produktion in Leipzig ab 2027

    Covenant ist ein US-israelisches, mit Risikokapital finanziertes Start-up. Das Unternehmen hat Anfang Oktober in Leipzig eine Fertigungsstätte mit 10.000 Quadratmetern eröffnet, die Flugkörper für europäische NATO-Staaten liefern soll. Die Produktion soll 2027 mit 1.000 Flugkörpern beginnen, für 2028 sind 5.000 geplant. In Leipzig erfolgt die Endmontage, die Gefechtsköpfe werden erst bei den Kunden integriert. Mehr als 95 Prozent der Komponenten der europäischen Version sollen aus Europa stammen. Covenant begründet den Aufbau der Hochratenfertigung in Deutschland damit, europäischen Streitkräften die für die Sicherung der Ostflanke nötige Masse und Einsatzbereitschaft zu verschaffen. Die ersten Anthem-Flugkörper für Dänemark sollen aus dem Leipziger Werk kommen.

    Gespräche mit Deutschland

    Auch das Bundesministerium der Verteidigung führt Gespräche mit Covenant, um die eigene Lücke bei weitreichenden Wirkmitteln zu schließen. Eine deutsche Bestellung ist bislang nicht bestätigt. Der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Christian Freuding, bestätigte, dass die Bundeswehr kostengünstige Marschflugkörper in großer Zahl beschaffen will und dafür zwei marktverfügbare Systeme prüft, ohne diese zu benennen. Medienberichten zufolge zählen Anthem und der Marschflugkörper Flamingo des ukrainischen Herstellers Fire Point zu den Kandidaten. Covenant hat den ehemaligen stellvertretenden Inspekteur des Heeres, Generalleutnant a.D. Andreas Marlow, als Berater gewonnen.

    Joint Strike Missile für die F-35

    Ergänzend erhält Dänemark die JSM von Kongsberg Defence & Aerospace, die gemeinsam mit Raytheon gefertigt wird. Der Flugkörper passt in die internen Waffenschächte der F-35, wiegt 416 Kilogramm, trägt einen Gefechtskopf von 120 Kilogramm und erreicht mehr als 350 Kilometer. Er basiert auf der Naval Strike Missile, die Dänemark bereits auf Fregatten und in der Küstenverteidigung einsetzt. Bereits im Juni 2026 hatte das US-Außenministerium einen möglichen Verkauf von JASSM-ER-Marschflugkörpern an Dänemark im Wert von 842 Millionen US-Dollar genehmigt, ebenfalls für die F-35 der dänischen Luftwaffe.

    Reaktion aus Russland

    Der russische Botschafter in Dänemark, Wladimir Barbin, kritisierte die Entscheidung. Er warf Kopenhagen vor, auf Konfrontation und die Vorbereitung eines möglichen Konflikts mit Russland zu setzen, und bezeichnete die Annahme, Präzisionswaffen könnten eine Atommacht militärisch bedrohen, als gefährliche Fehleinschätzung.

    Die dänische Militärplanung war bislang auf die Verteidigung des eigenen Territoriums ausgerichtet. Mit den neuen Systemen erhält das Land erstmals die Möglichkeit, Ziele im rückwärtigen Raum eines Gegners zu bekämpfen.

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