Die Luftwaffe hat das leichte Flugabwehrsystem (leFlaSys) mit dem Waffenträger Ozelot an das Heer übergeben. Das System soll den Nahbereichsschutz der Landstreitkräfte sichern, bis neue Flugabwehrsysteme verfügbar sind.
Übergabe während Spartan Arrow 2026
Am 14. Oktober 2026 hat die Luftwaffe das leichte Flugabwehrsystem an das Heer übergeben. Die offizielle Übergabe fand auf Kreta statt; symbolisch wurden der letzte Schuss der Luftwaffe und der erste Schuss des Heeres abgegeben. Bei der Übergabe waren Verteidigungsminister Boris Pistorius, der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Christian Freuding, und der Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Holger Neumann, anwesend. Freuding bezeichnete die Übernahme auf Kreta als Schritt hin zu einem kampfbereiten und durchsetzungsfähigen Heer.
Überbrückung bis zur Einführung neuer Systeme
Nach Angaben des Heeres soll das erprobte System die Zeit überbrücken, bis neue Flugabwehrfähigkeiten zur Verfügung stehen. Das Bundesministerium der Verteidigung nennt als künftige Systeme IRIS-T SLS und Skyranger 30. Zugleich ist der Aufbau einer gemeinsamen Ausbildungseinrichtung von Heer und Luftwaffe geplant. Das Heer verweist damit auf die Luftverteidigung als streitkräftegemeinsame Aufgabe. Zu Standort und Zeitplan der Einrichtung liegen bislang keine Angaben vor. Die lehrgangsgebundene Ausbildung in der Fliegerabwehr für alle militärischen Organisationsbereiche findet derzeit am Ausbildungszentrum Flugabwehrraketen der Luftwaffe statt, das unter anderem auch am leFlaSys ausbildet.
Aufbau und Leistungsdaten
Das leichte Flugabwehrsystem wurde 2001 in der Bundeswehr eingeführt. Beide Fahrzeuge des Systems, das Aufklärungs-, Führungs- und Feuerleitfahrzeug (AFF) und der Waffenträger Ozelot, basieren auf dem gepanzerten Kettenfahrzeug Wiesel 2. Das AFF überwacht den Luftraum per Radar bis zu einer Entfernung von 20 Kilometern und koordiniert die Feuerleitung von bis zu acht Waffenträgern. Ohne Anbindung an das AFF kann der Ozelot Flugziele eigenständig mit Wärmebildgerät, Tagsichtkamera und Laserentfernungsmesser aufklären. Er trägt vier Stinger-Lenkflugkörper in einem Multi Launch System. Ziele können bis zu einer Entfernung von 6.000 Metern bekämpft werden. Eingesetzt wird das System zum Schutz von Marschkolonnen und Gefechtsständen gegen Tiefflieger, Drohnen und Marschflugkörper.
Wiederaufbau der Heeresflugabwehr
Mit der Auflösung der Heeresflugabwehrtruppe war das Waffensystem 2012 an die Luftwaffe übergegangen. Seitdem setzte die Flugabwehrraketengruppe 61 in Todendorf als einziger Verband der Bundeswehr das System ein. Im Mai 2024 entschied der damalige Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Alfons Mais, die Heeresflugabwehrtruppe neu aufzustellen. Erster Standort ist Lüneburg; als Erstbefähigung sind 19 Flugabwehrsysteme Skyranger 30 auf dem GTK Boxer vorgesehen. Die Übergabe des Ozelot gilt als Startpunkt dieses Wiederaufbaus. Das Ministerium ordnet ihn in die bundeswehrgemeinsamen Anstrengungen ein, Truppen, militärische Einrichtungen und verteidigungswichtige Infrastruktur gegen Drohnen, Marschflugkörper und ballistische Raketen zu schützen.
Erster scharfer Schuss mit IRIS-T SLM
An der Übung auf der NATO Missile Firing Installation (NAMFI) nahmen rund 650 Soldatinnen und Soldaten mit etwa 300 Fahrzeugen teil, gemeinsam mit Kräften aus Schweden. Neben Patriot wurde erstmals das neu eingeführte System IRIS-T SLM im scharfen Schuss eingesetzt. Pistorius betonte, eine wirksame Luftabwehr sei für den Schutz der Streitkräfte, der kritischen Infrastruktur und der Zivilbevölkerung unerlässlich; der Krieg in der Ukraine habe dies gezeigt.
