Der Militärische Abschirmdienst hat 2025 insgesamt 1.350 Extremismusverdachtsfälle im Geschäftsbereich des Verteidigungsministeriums bearbeitet, mehr als im Vorjahr. Rund drei Viertel davon entfallen nach dem Jahresbericht der Koordinierungsstelle für Extremismusverdachtsfälle auf den Rechtsextremismus.
Die Koordinierungsstelle für Extremismusverdachtsfälle (KfE) im Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) hat ihren siebten Jahresbericht veröffentlicht. Er deckt den Zeitraum vom 1. Januar bis 31. Dezember 2025 ab und beruht auf den Fallzahlen der Extremismusabwehr des Militärischen Abschirmdienstes (MAD). Die Verdachtsfälle werden darin nach Phänomenbereichen und weiteren Kriterien aufgeschlüsselt, um Schwerpunkte und Entwicklungen erkennbar zu machen. Der MAD ist als Nachrichtendienst mit Verfassungsschutzaufgaben für den Geschäftsbereich des Verteidigungsministeriums zuständig.
Mehr Fallbearbeitungen, weniger erkannte Extremisten
Zum Stichtag 31. Dezember 2025 weist der Bericht 1.350 bearbeitete Verdachtsfälle aus. Addiert man die Vorjahreswerte der einzelnen Phänomenbereiche, ergeben sich für 2024 insgesamt 1.159 Fälle. Die Zahl der neu aufgenommenen Verdachtsfallbearbeitungen stieg von 302 auf 443. Rückläufig ist dagegen die Zahl der neu erkannten Extremistinnen und Extremisten: Sie sank von 18 im Jahr 2024 auf 13.
Bezogen auf die Gesamtstärke bleibt der Anteil gering. Die Bundeswehr umfasst laut Bericht rund 186.000 aktive Soldatinnen und Soldaten sowie rund 81.000 zivile Beschäftigte. Im Vorjahresbericht war noch von rund 183.000 aktiven Soldatinnen und Soldaten die Rede.
Rechtsextremismus mit deutlichem Abstand vorn
Rund 78 Prozent aller bearbeiteten Fälle betreffen den Rechtsextremismus. Hier bearbeitete der MAD 1.059 Fälle (2024: 875), davon 367 neue (2024: 216). Die Neuaufnahmen in diesem Bereich sind damit um rund 70 Prozent gestiegen.
Die übrigen Phänomenbereiche fallen zahlenmäßig deutlich kleiner aus. Auf auslandsbezogenen Extremismus entfielen 90 Fälle (2024: 66) mit 34 Neuaufnahmen (31), auf Islamismus 77 Fälle (73) mit 26 Neuaufnahmen (33). Im Bereich der verfassungsschutzrelevanten Delegitimierung des Staates blieb die Zahl mit 59 Fällen (57) und vier Neuaufnahmen (fünf) nahezu konstant. Rückläufig waren die Fälle im Bereich Reichsbürger und Selbstverwalter mit 43 (58) bei vier Neuaufnahmen (fünf) sowie im Linksextremismus mit 21 (28) bei acht Neuaufnahmen (elf). Hinzu kommt ein Fall mit Bezug zur Scientology-Organisation.
Gründe für den Anstieg
Der Bericht führt die Entwicklung auf mehrere Ursachen zurück. Genannt werden politische Faktoren, Kriege, globale Krisen und eine zunehmende politische Spaltung der Gesellschaft. Daneben spielten interne Faktoren eine Rolle, darunter ein sensibleres Meldeverhalten in der Truppe und die Verdachtsfallbearbeitung durch den MAD. Das Ministerium wertet die gestiegenen Zahlen deshalb auch als Hinweis darauf, dass seine Maßnahmen zur Extremismusabwehr greifen.
Zur Einordnung verweist der Bericht auf die Studie „Armee in der Demokratie“ des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw). Darin verorteten sich mehr als 90 Prozent der befragten Soldatinnen und Soldaten in der politischen Mitte, 2,6 Prozent eher links und 2,1 Prozent eher rechts.
Ergänzende Angaben der Bundesregierung
Weitere Zahlen zum Rechtsextremismus enthält eine Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke vom Juni 2026. Danach waren zum Stichtag 31. Dezember 2025 im Phänomenbereich Rechtsextremismus 238 Personen der Kategorie „Grün“, 42 der Kategorie „Orange“ und elf der Kategorie „Rot“ zugeordnet. In der Systematik des MAD steht Rot für erkannte Extremisten und Orange für fehlende Verfassungstreue. Gegen die betroffenen Personen würden umgehend arbeitsrechtliche und disziplinare Schritte eingeleitet, insbesondere Entlassungsverfahren nach dem neuen Tatbestand des § 46 Absatz 2a Soldatengesetz.
Bereits im Bewerbungsverfahren wurden 2025 insgesamt 149 Personen wegen Zweifeln an ihrer Verfassungstreue abgelehnt, nach 131 im Jahr 2024. Die meisten Verdachtsmeldungen mit möglichem extremistischem Hintergrund stammten aus Stetten am kalten Markt, Munster, Zweibrücken, Neubiberg und Augustdorf. Auch der Wehrbeauftragte des Bundestages, Henning Otte, hatte in seinem Jahresbericht 2025 einen erneuten deutlichen Anstieg bei rechtsextremistischen Vorgängen in der Truppe festgestellt.
Maßnahmen und Null-Toleranz-Linie
Das BMVg bekräftigt seine Null-Toleranz-Linie. Erkannte Extremistinnen und Extremisten sollen von der Bundeswehr ferngehalten oder möglichst schnell aus dem Dienst entfernt werden. Dazu dienen personelle und disziplinare Maßnahmen sowie organisatorische Verbesserungen, etwa die weitere Stärkung des MAD und der Truppendienstgerichte. Der Bericht verzeichnet zudem eine wachsende Sensibilität in der Truppe, eine konsequentere Meldepraxis und eine Wirkung der präventiven Maßnahmen.
