Fregattenkapitän Ute Niklas hat in Wilhelmshaven das Kommando über die Fregatte „Rheinland-Pfalz“ übernommen. Damit führt erstmals in der Geschichte der Deutschen Marine eine Frau eine Fregatte.
Kommandowechsel beim 4.Fregattengeschwader
Die Übergabe fand am Dienstag, 15. September 2026, statt. Der Kommandeur des 4. Fregattengeschwaders, Kapitän zur See Volker Kübsch, übertrug das Kommando über die „Rheinland-Pfalz“ von Fregattenkapitän Benedikt Eichhorn an Fregattenkapitän Ute Niklas. Eichhorn bleibt im Geschwader und führt seit demselben Tag die Fregatte „Sachsen-Anhalt“. Seine Kommandozeit auf der „Rheinland-Pfalz“ stand vor allem im Zeichen von Werftaufenthalt und Instandsetzung.
Nach Angaben des Geschwaderkommandeurs erhielt Niklas das Kommando aufgrund ihrer Eignung und ihrer langjährigen Erfahrung, nicht wegen ihres Geschlechts.
Aufgabe: Rückkehr zur Einsatzbereitschaft
Die neue Kommandantin übernimmt das Schiff in einer Übergangsphase. Die „Rheinland-Pfalz“ liegt derzeit im Marinearsenal Wilhelmshaven und wird für den Einsatz vorbereitet, die Instandsetzung befindet sich in der Schlussphase, wieder auslaufen soll die Fregatte voraussichtlich erst im kommenden Jahr. Niklas beschreibt als zentrale Aufgabe, das Schiff nach der Werftzeit über die Einsatzausbildung wieder vollständig einsatzbereit zu machen. Dies werde die Besatzung stark fordern.
Werdegang
Niklas stammt aus Oldenburg und ist seit 2002 in der Marine. Sie begann als Unteroffizier zur See, wechselte später in die Offizierslaufbahn und schloss ein Studium der Sportwissenschaft ab. 2010 kehrte sie als Offizier auf Fregatten zurück. Als Erster Offizier der Besatzung F125 Delta sammelte sie Erfahrung auf Schiffen der Klasse, der auch die „Rheinland-Pfalz“ angehört. Zuletzt war sie Einsatzstabsoffizierin im Einsatzführungskommando. Zudem absolvierte sie das Joint Services Command and Staff College der Defence Academy of the United Kingdom in Shrivenham.
Einordnung: Kommandoebene ,,Schiff“
Frauen in Kommandofunktionen sind in der Marine nicht neu. Kommandantinnen gibt es seit einigen Jahren auf Minensuchbooten, Tendern, U-Booten und Korvetten. Diese Einheiten entsprechen jedoch der Kommandoebene „Boot“, vergleichbar einer Kompanie. Eine Fregatte ist der Ebene „Schiff“ zugeordnet, die einem Bataillon entspricht. Als erste Frau auf dieser Ebene gilt die derzeitige Kommandeurin des 3. Minensuchgeschwaders.
Rechtlich ist der Zugang von Frauen zu allen militärischen Verwendungen noch vergleichsweise jung. Erst ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs aus dem Jahr 2000 öffnete Frauen uneingeschränkt alle Laufbahnen der Bundeswehr. Heute dienen mehr als 25.000 Soldatinnen, was einem Anteil von über 13 Prozent an den mehr als 186.000 Soldatinnen und Soldaten entspricht. Die Bundeswehr strebt einen Frauenanteil von mindestens 20 Prozent an.
Die Fregattenklasse F125
Die „Rheinland-Pfalz“ ist das vierte und letzte Schiff der Baden-Württemberg-Klasse (F125). Alle Einheiten gehören zum 4. Fregattengeschwader in Wilhelmshaven. Das Typschiff „Baden-Württemberg“ wurde im Juni 2019 in Dienst gestellt, die „Rheinland-Pfalz“ folgte als letzte der vier Einheiten im Juli 2022. Die Klasse ist auf lange Einsatzzeiten ausgelegt. Die „Baden-Württemberg“ kehrte im April 2025 nach 540 Tagen auf See nach Wilhelmshaven zurück und belegte damit erstmals, dass das Konzept der Intensivnutzung trägt. Während dieser Zeit lösten sich drei Besatzungen an Bord ab. Dieses Modell wird derzeit nicht mehr angewendet: Das Mehrbesatzungsmodell für die F125 ist ausgesetzt, Niklas führt ihre Besatzung künftig ausschließlich auf der „Rheinland-Pfalz“.
