Beim 10. KSK Symposium Rüstung in Altensteig-Wart haben das Kommando Spezialkräfte und Flensburg Technology Systems das erste Nachweismuster des leichten Luftlande-Einsatz- und Gefechtsfahrzeugs TAHR präsentiert. Die Bundeswehr will bis zu 200 dieser Fahrzeuge beschaffen.
Das Kommando Spezialkräfte (KSK) und die Flensburg Technology Systems GmbH (FTS) haben am 15. September 2026 das erste Nachweismuster des leichten Luftlande-Einsatz- und Gefechtsfahrzeugs für Spezialkräfte (le LL EGF SpezKr) „TAHR“ vorgestellt. Die Präsentation fand zum Auftakt des 10. KSK Symposiums Rüstung in Altensteig-Wart im Landkreis Calw statt. Das Fahrzeug wurde von der FTS-Geschäftsführung gemeinsam mit KSK-Kommandeur Brigadegeneral Andreas Kühne gezeigt.
Zwei Varianten auf einer Basisplattform
Der TAHR wird in zwei Ausführungen beschafft: als leichtes Luftlande-Einsatz- und Gefechtsfahrzeug (le LL EGF) und als leichtes Luftlande-Unterstützungsfahrzeug (le LL UstgFzg). Beide beruhen laut FTS auf einer bereits im Einsatz genutzten, geländegängigen Plattform, die für die Anforderungen des KSK weiterentwickelt wurde. Dabei handelt es sich um die Variante ZD aus der Z-Familie von Geländefahrzeugen des israelischen Herstellers IAI/ELTA. Die deutsche Version unterscheidet sich unter anderem beim Antrieb – sie erhält einen Dieselmotor statt eines Benzinmotors – sowie beim Überrollschutz.
Beide Varianten bilden in der Bundeswehr eine neue Fahrzeugklasse mit rund 3,2 Tonnen Gesamtmasse. Das Gefechtsfahrzeug verfügt über drei Sitzplätze und eine Hauptlafette, auf der ein schweres 12,7-mm-Maschinengewehr, das MG6 oder eine Granatmaschinenwaffe montiert werden kann. Das Unterstützungsfahrzeug hat zwei Sitze und keine Hauptlafette; es ist für den Materialtransport vorgesehen.

Offenes Konzept für den Lufttransport
FTS beschreibt den TAHR als offenes Fahrzeugkonzept. Es soll der Besatzung eine gute Wahrnehmung des unmittelbaren Umfelds ermöglichen und die Integration unterschiedlicher Waffensysteme erlauben. Einen Schutz für die Besatzung bietet das Fahrzeug nicht. Nach Herstellerangaben können zwei Fahrzeuge gleichzeitig im Laderaum eines Transporthubschraubers CH-47 Chinook verlastet werden. Nach der Landung und dem Verlassen des Hubschraubers soll die volle Gefechtsbereitschaft in kurzer Zeit hergestellt werden können – laut FTS eine Kernforderung des KSK.
Kühne verweist darauf, dass das KSK für weltweite Spezialkräfteoperationen unter allen Bedingungen neben hoher Beweglichkeit auch verschiedene Möglichkeiten benötige, Kräfte je nach Lage, Auftrag und Gelände ins Einsatzgebiet zu bringen. Mit dem TAHR erhalte das Kommando ein luftverladbares Fahrzeug, das in jedem Gelände einsetzbar sei. Zudem hebt er hervor, dass das erste Nachweismuster innerhalb eines Jahres präsentiert werden konnte.
Rahmenvertrag über bis zu 200 Fahrzeuge
Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) hatte den Rahmenvertrag über bis zu 200 Fahrzeuge im Oktober 2025 mit FTS geschlossen. Der Haushaltsausschuss des Bundestages hatte das Vorhaben am 8. Oktober 2025 gebilligt. Fest beauftragt wurden zunächst 40 Einsatz- und Gefechtsfahrzeuge sowie 14 Unterstützungsfahrzeuge einschließlich Sonderwerkzeug, Ersatzteilerstbedarf, Ausbildung und Dokumentation. Das Volumen dieses ersten Abrufs liegt bei 32 Millionen Euro, die Finanzierung erfolgt aus dem Sondervermögen Bundeswehr. Insgesamt sieht der Rahmenvertrag bis zu 150 Gefechts- und bis zu 50 Unterstützungsfahrzeuge vor. Der Zulauf an die Truppe soll bis Ende 2028 erfolgen.
Nach Darstellung von FTS erfolgt die Vorstellung des ersten Vorserienfahrzeugs früher als vertraglich vereinbart. FTS-Geschäftsführer Jörg Kamper sieht darin einen Beitrag zur künftigen Einsatzbereitschaft von Bundeswehr und KSK. Den erreichten Projektstand führt er auf die Zusammenarbeit mit dem KSK und dem BAAINBw in der ersten Projektphase zurück.
Lücke zwischen UTV und AGF
Mit dem TAHR soll eine Fähigkeitslücke bei der taktischen Mobilität nach Luftlandungen geschlossen werden. Die Fahrzeuge sind für Kommandooperationen in ungesichertem Gelände vorgesehen und ergänzen die bisherige Ausstattung der Spezialkräfte von Heer, Luftwaffe und Marine. Diese besteht aus leichten luftlandefähigen Utility Terrain Vehicles (LL UTV) der Zwei-Tonnen-Klasse sowie dem deutlich schwereren Aufklärungs- und Gefechtsfahrzeug (AGF).
FTS ist ein Joint Venture der FFG Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft mbH und der israelischen IAI/ELTA Systems Ltd. mit Sitz in Flensburg. Dort werden die Fahrzeuge gefertigt; FTS übernimmt von dort auch die langfristige logistische Betreuung.
