Der finnische Fahrzeughersteller Patria und die KNDS Deutschland Maintenance GmbH haben einen Rahmenvertrag über Montage und Endintegration des Radpanzers Patria 6×6 geschlossen. Die Vereinbarung ist Teil der beiden Beschaffungsverträge, die Patria im Dezember 2025 mit der Bundeswehr abgeschlossen hatte.
Montage und Endintegration in deutscher Verantwortung
Der Rahmenvertrag deckt nach Angaben von Patria die Montage und die Endintegration der 6×6-Radpanzer im Rahmen des multinationalen Programms Common Armoured Vehicle System (CAVS) ab. Serienauslieferungen an die Bundeswehr sollen nach Unternehmensangaben ab Anfang 2027 hochgefahren werden; parallel dazu soll die Fertigung in Deutschland ab 2027 schrittweise ausgeweitet werden. Grundlage dafür ist ein Technologietransfer, den Patria als festen Bestandteil des eigenen Geschäftsmodells beschreibt: Fertigungs-Know-how für gepanzerte Fahrzeuge wird an lokale Partner weitergegeben.
Jussi Järvinen, Executive Vice President des Geschäftsbereichs Protected Mobility bei Patria, führt an, die Partnerschaft schaffe Wertschöpfung und Arbeitsplätze bei KNDS sowie in dessen Zulieferbasis. Nach seiner Darstellung belegt der Vertrag, dass die deutsche Industrie die geforderte Qualität und zugleich die im CAVS-Programm vorgesehene kostengünstige lokale Fertigung liefern könne. Neben KNDS baut Patria die deutsche Industriebasis für das Programm mit weiteren Partnern auf; benannt wurden dafür bislang die Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft (FFG) und Jungenthal Wehrtechnik (JWT).

Hintergrund: Verträge über bis zu 876 Fahrzeuge
Grundlage der industriellen Vereinbarung sind zwei Rahmenverträge vom Dezember 2025. Sie ermöglichen die Beschaffung von bis zu 876 Fahrzeugen mit einem Gesamtwert von mehr als zwei Milliarden Euro, davon ein fester Auftragsanteil von über einer Milliarde Euro. Der Haushaltsausschuss des Bundestages hatte einen Tag vor Vertragsschluss vier Varianten gebilligt: Pioniergruppe, Panzeraufklärungsgruppe, schwerer Mörser und Feuerleitfahrzeug. Die Mörservariante basiert auf dem Turmmörsersystem Patria NEMO, weitere Fahrzeuge erhalten die ferngesteuerte Waffenstation Kongsberg RS4.
Mit dem Vorhaben Transportpanzer Neue Generation löst die Bundeswehr den seit den 1980er-Jahren genutzten Transportpanzer Fuchs ab, von dem mehr als 1.000 Exemplare das Ende der Nutzungsdauer erreichen. Der Generalinspekteur hat im Juli 2025 einen Gesamtbedarf von 4.000 Fahrzeugen bis nach 2035 gebilligt; die beiden Rahmenverträge decken davon nur einen Teil ab. Im Februar 2026 übernahm die Bundeswehr im Materiallager Zeithain die ersten fünf Vorserienfahrzeuge, die der integrierten Nachweisführung und der anschließenden Einsatzprüfung dienen. Der Patria 6×6 ist ein dreiachsiger, amphibischer Radpanzer mit rund 24 Tonnen Gefechtsgewicht und Platz für bis zu zehn Soldaten.
KNDS-Tochter mit Instandsetzungsschwerpunkt
Die KNDS Deutschland Maintenance GmbH mit Sitz im saarländischen Freisen ging 2016 aus der DSL Defence Service Logistics hervor und gehört zum KNDS-Konzern. Das Unternehmen ist bislang vor allem auf die Systeminstandsetzung von Rad- und Kettenfahrzeugen bis zur Instandhaltungsstufe IHS 4 spezialisiert und betreut unter anderem Puma, Boxer, Dingo, Fennek sowie die älteren Systeme Marder und Fuchs. Mit dem CAVS-Rahmenvertrag erweitert der Standort sein Aufgabenspektrum um Montageleistungen.
Programm mit sieben Beteiligten
Das CAVS-Programm entstand 2020 aus einer Kooperation zwischen Finnland und Lettland und zielt auf ein gemeinsames 6×6-Fahrzeugsystem auf Basis des Patria 6×6. Beteiligt sind derzeit Finnland, Lettland, Schweden, Dänemark, Norwegen, Deutschland und Großbritannien. Auslieferungen erfolgten bislang nach Finnland, Schweden, Lettland, Dänemark und Deutschland; nach Herstellerangaben sind Fahrzeuge zudem in der Ukraine im Einsatz.
Der gemeinsame Ansatz soll Beschaffung, Weiterentwicklung und Lebenswegkosten der beteiligten Staaten bündeln. Die Europäische Kommission unterstützte das Vorhaben über das Instrument EDIRPA mit 60 Millionen Euro. Nach Angaben von Patria bleibt das Programm für weitere europäische und NATO-Staaten mit vergleichbarem Bedarf offen.
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