CA-1 Europa: Neues Flugkörperwarnsystem und Escort Support Jammer sollen integriert werden

CA-1 Europa: Neues Flugkörperwarnsystem und Escort Support Jammer sollen integriert werden
Foto: Helsing

Der Sensorikanbieter HENSOLDT stattet das autonome Kampfflugzeug CA-1 Europa von Helsing mit seinem neuen passiven Flugkörperwarnsystem CAIRAS aus. Es ist der erste konkrete Auftrag im Bereich Selbstschutz seit dem Beginn der strategischen Partnerschaft beider Unternehmen im Februar 2026.

HENSOLDT hat am 27. Juli 2026 in Oberkochen bekanntgegeben, sein Flugkörperwarnsystem CAIRAS (Compact Infrared Reconnaissance and Alert System) erstmals auszuliefern. Die ersten drei Systeme sollen an Bord der CA-1 Europa zum Einsatz kommen, des KI-gestützten unbemannten Kampfflugzeugs des Münchner Verteidigungstechnologieunternehmens Helsing. Angaben zum Auftragswert machte HENSOLDT nicht.

Der Auftrag ist die erste konkrete Beschaffungsentscheidung in den Feldern Selbstschutz und passive optronische Aufklärung seit der im Februar 2026 vereinbarten strategischen Partnerschaft der beiden Unternehmen. Diese sieht vor, dass HENSOLDT für die CA-1 Europa unter anderem Sensorik aus den Bereichen Radar, Optronik, Selbstschutz und elektromagnetischer Kampf beisteuert.

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Selbstschutzsuite erstmals auf einem unbemannten System

Auf der CA-1 Europa wird CAIRAS in die Selbstschutzsuite AMPS-MR (Airborne Missile Protection System) eingebettet. Diese kombiniert das Flugkörperwarnsystem CAIRAS („M“) mit dem Radarwarner Kalætron („R“) sowie einem Werfersystem für Täuschkörper. Nach Unternehmensangaben ist es der erste Einsatz der AMPS-Familie auf einem unbemannten Luftfahrzeug. AMPS ist bislang vor allem auf bemannten Plattformen im Einsatz – unter anderem rüstet HENSOLDT damit 82 Transporthubschrauber NH90 TTH des Heeres aus; auch ukrainische Hubschrauber erhielten die Sensorlösung.

Christina Canitz, Leiterin der Division Optronics bei HENSOLDT, bezeichnet die Integration in ein unbemanntes System als Zäsur: Selbstschutz sei lange eine Frage bemannter Plattformen gewesen und werde nun zur Grundanforderung für autonome Systeme, die eigenständig überleben und entscheiden müssten. Man rüste die neue Flugzeuggeneration von Beginn an aus, statt Schutz nachträglich zu ergänzen.

Passive Detektion und 360-Grad-Abdeckung

CAIRAS arbeitet mit Zweifarben-Infrarottechnologie und soll anfliegende Flugkörper früh und passiv erkennen, also ohne eigene detektierbare Aussendungen. Das System besteht aus einer zentralen Recheneinheit und bis zu sieben Infrarotsensoren, die laut Hersteller eine hohe Detektionswahrscheinlichkeit bei reduzierter Fehlalarmrate ermöglichen. Zu den Fähigkeiten zählen die Erkennung und Lokalisierung von Beschuss sowie eine vollständige, sphärische 360-Grad-Abdeckung.

Darüber hinaus trägt CAIRAS zur Lagebilderstellung der CA-1 Europa bei, indem die gewonnenen Infrarotbilddaten zu einer Echtzeit-Panoramaansicht verarbeitet werden. Die Daten können in die von HENSOLDT bereitgestellte Software-Suite MDOcore zur Datenfusion einfließen.

Für ein unbemanntes System ist die passive Arbeitsweise nach Darstellung des Unternehmens von besonderer Bedeutung: Da kein Pilot an Bord die Bedrohungslage bewerten kann, ist die Plattform auf maschinell auswertbare Sensordaten mit niedriger Fehlalarmrate angewiesen, um autonom reagieren zu können – ohne die eigene Position durch aktive Emissionen preiszugeben.

Programm im Zeitplan, Erstflug für Anfang 2027 geplant

Nach Angaben von Helsing befindet sich die CA-1 Europa weiterhin in der Entwicklung. Die Erstflüge der kinetischen Angriffsversion CA-1KA sind für Anfang 2027 vorgesehen. Der Bau der Plattform liege im Plan: Die Fertigung des V-Tail-Leitwerks – eine Konfiguration, bei der zwei schräg angeordnete Flächen zugleich die Funktionen von Höhen- und Seitenruder übernehmen – ist demnach abgeschlossen. Bei den Flügeln seien alle Hauptkomponenten einschließlich Ober- und Unterschale gefertigt und würden im nächsten Schritt zusammengesetzt. Die Rumpfformen sind laut Unternehmen fertiggestellt, die Laminierung soll in Kürze beginnen. Zudem wurde der Preliminary Design Review für das Fly-by-Wire-System abgeschlossen, der den Übergang von der konzeptionellen in die detaillierte Konstruktionsphase markiert.

Die CA-1 Europa war im September 2025 am Standort der Helsing-Tochter Grob Aircraft in Tussenhausen als Designstudie im Maßstab 1:1 vorgestellt worden. Der Jet der Vier-Tonnen-Klasse ist rund elf Meter lang, hat zehn Meter Spannweite und wird von Helsings KI-Software Centaur gesteuert.

Kooperation soll auf Escort Jammer ausgeweitet werden

Verteidigungsminister Boris Pistorius informierte sich vor einem 1:1-Designmodell des Flugzeugs bei HENSOLDT-Chef Oliver Dörre und Stephanie Lingemann, Vice President Air Domain bei Helsing, über die Zusammenarbeit und den Baufortschritt.

Die Kooperation soll weiter ausgebaut werden: Die auf der ILA Berlin im Juni 2026 vorgestellte Variante CA-1 Electronic Attack (CA-1EA), die für die elektronische Kampfführung ausgelegt ist, soll einen Escort Support Jammer von HENSOLDT erhalten. Das bestehende Memorandum of Understanding beider Unternehmen wird dafür erweitert. Die Einsatzbereitschaft der CA-1EA ist nach Angaben von Helsing für 2031 vorgesehen, jene der CA-1KA für 2029.

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