Die US-Regierung plant, ihre Personalpräsenz in mehreren zentralen NATO-Kommandostrukturen deutlich zu verringern. Nach Angaben mehrerer mit dem Vorgang vertrauter Quellen sollen rund 200 Dienstposten in Einrichtungen gestrichen werden, die für militärische und nachrichtendienstliche Aufgaben des Bündnisses zuständig sind. Betroffen sind demnach unter anderem das NATO Intelligence Fusion Centre in Großbritannien, das Allied Special Operations Forces Command in Brüssel sowie STRIKFORNATO in Portugal und weitere ähnliche Einrichtungen.
Geplante Kürzungen bei NATO-Kommandos
In den betroffenen Strukturen sind derzeit etwa 400 US-Angehörige eingesetzt; ihre Zahl soll etwa halbiert werden, überwiegend dadurch, dass frei werdende Posten nicht nachbesetzt werden. Angesichts von rund 80.000 US-Militärangehörigen in Europa – knapp die Hälfte davon in Deutschland – gilt der Schritt militärisch als begrenzt, hat aber eine deutliche symbolische Wirkung. Hintergrund ist die strategische Linie der US-Regierung, mehr militärische Ressourcen auf die westliche Hemisphäre zu verlagern.

Wachsende Zweifel am US-Engagement
Der Schritt fällt in eine Phase großer Nervosität in Europa über die künftige Rolle der USA im Bündnis. Präsident Donald Trump hatte die NATO bereits in der Vergangenheit scharf kritisiert und zeitweise sogar mit einem Austritt der USA gedroht. Zuletzt sorgten Äußerungen, er würde Russland ermutigen, unzureichend zahlende Bündnispartner anzugreifen, für erhebliche Irritationen. Zwar hatte Trump im Sommer 2025 nach Zusagen höherer Verteidigungsausgaben europäischer Staaten eine Phase der Annäherung an die NATO erkennen lassen, doch jüngste Entwicklungen nähren erneut Zweifel.
Konfliktpotenzial um Grönland und Handel
Zusätzlichen politischen Sprengstoff bringt Trumps wiederaufgenommene Forderung nach einem Erwerb Grönlands, eines zu Dänemark gehörenden Territoriums, in das Verhältnis zu den europäischen Partnern. In sozialen Medien teilte der Präsident zudem einen Beitrag, der die NATO als Bedrohung für die USA bezeichnet, während Russland und China darin lediglich als „Schreckgespenster“ dargestellt werden. Parallel dazu kündigte Trump Zölle gegen mehrere NATO-Staaten an, die die dänische Souveränität über Grönland unterstützen, woraufhin die EU mit möglichen Gegenzöllen droht.
Unklare Folgen für die NATO-Strukturen
Unklar ist, welche praktischen Auswirkungen die US-Personalkürzungen für die Arbeit der betroffenen NATO-Kommandos konkret haben werden. Ein NATO-Sprecher betonte, Personalumstellungen der USA seien grundsätzlich nicht ungewöhnlich und die US-Präsenz in Europa insgesamt so hoch wie seit Jahren nicht mehr. Gleichzeitig steht das Bündnis vor der Herausforderung, seine Abschreckungs- und Verteidigungsfähigkeit aufrechtzuerhalten, während Washington von den europäischen Verbündeten erwartet, bis 2027 einen Großteil der konventionellen Verteidigungsfähigkeiten der NATO zu übernehmen.
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