Das von der OCCAR geführte deutsch-britische Programm Wide Wet Gap Crossing (WWGC) hat seine vorläufige Designprüfung abgeschlossen. Damit beginnt die Detailkonstruktion des neuen amphibischen Brücken- und Fährsystems, das ab Anfang der 2030er-Jahre die bisherigen M3-Fahrzeuge ersetzen soll.
Vorläufige Designprüfung abgeschlossen
Die Gemeinsame Organisation für Rüstungskooperation (OCCAR) hat am 29. September 2026 in Bonn mitgeteilt, dass im Programm Wide Wet Gap Crossing (WWGC) das Preliminary Design Review (PDR) stattgefunden hat und die Beteiligten der Aufnahme der Detailkonstruktion zugestimmt haben. Teilnehmerstaaten des Programms sind Deutschland und das Vereinigte Königreich.
Bei der Prüfung kamen Vertreter beider Staaten und der Industrie zusammen, um den Reifegrad des Systementwurfs zu bewerten und das weitere Vorgehen festzulegen. Die nun beginnenden Arbeiten sollen auf das Critical Design Review (CDR) hinführen, den nächsten formalen Meilenstein. Nach Angaben der OCCAR hat die Prüfung die technische Ausrichtung des Programms bestätigt.
Vertrag seit Oktober 2025
Der Vertrag für das Programm wurde am 30. Oktober 2025 am Sitz der OCCAR-Exekutivagentur in Bonn vergeben. Er baut auf den Zusagen beider Staaten aus dem Trinity-House-Abkommen von 2024 auf. Der Hersteller General Dynamics European Land Systems (GDELS) beziffert den Auftragswert auf über 450 Millionen Euro. Der britische Anteil beläuft sich nach Angaben der Regierung in London auf 200 Millionen Pfund für 36 amphibische Brückenfahrzeuge.
Entwickelt und gefertigt wird das System M3 EVO von GDELS-Bridge Systems in Kaiserslautern. Die WWGC-Programmabteilung der OCCAR in Bonn betreut Entwicklung, Produktion, Erprobung, Auslieferung und die anfängliche Nutzungsunterstützung. In einer separaten, aber verbundenen Vereinbarung beschafft Deutschland zudem das in Stockport gefertigte britische General Support Bridge System.
Ersatz für die Amphibie M3
Das neue System soll auch die schwersten heutigen und künftigen Kampfpanzer zügig über breite Gewässer transportieren können. Als Weiterentwicklung der M3 bleibt es mit den Fahrzeugen anderer NATO- und Partnerstaaten interoperabel. Zu den Neuerungen zählen eine überarbeitete Mensch-Maschine-Schnittstelle, höhere Zuverlässigkeit und Systemsicherheit sowie geringere Kosten über den Lebenszyklus. Auf britischer Seite soll das System unter anderem die künftigen Panzerbrigaden mit dem Kampfpanzer Challenger 3 unterstützen.
Die neuen Fahrzeuge lösen die seit rund 30 Jahren genutzten M3-Amphibien ab und sollen Anfang der 2030er-Jahre in Dienst gestellt werden. Die Basis bildet die schwedische Variante M3S.
Binationaler Betrieb in Minden
Auf britischer Seite werden die Fahrzeuge von den Royal Engineers im gemeinsamen deutsch-britischen Amphibienpionierverband in Minden betrieben. Das Pionierbrückenbataillon 130, international als „The Minden Engineers“ bekannt, ist der einzige binationale Verband in Deutschland und der NATO, der mit der Schwimmschnellbrücke Amphibie M3 breite Gewässer überwinden kann. Beide Staaten hatten ihre letzten M3-Fahrzeuge nach dem Ende des Kalten Krieges im Jahr 1999 erhalten.
