Kanada treibt GlobalEye-Beschaffung voran

Saab hat mit der kanadischen Defence Investment Agency eine unverbindliche Absichtsvereinbarung zur Beschaffung von sechs GlobalEye-Frühwarnflugzeugen unterzeichnet. Ein Vertrag ist damit noch nicht geschlossen, das Dokument steckt aber den Rahmen für die anstehenden Verhandlungen ab.
GlobalEye | Foto: Saab

Saab hat mit der kanadischen Defence Investment Agency eine unverbindliche Absichtsvereinbarung zur Beschaffung von sechs GlobalEye-Frühwarnflugzeugen unterzeichnet. Ein Vertrag ist damit noch nicht geschlossen, das Dokument steckt aber den Rahmen für die anstehenden Verhandlungen ab.

Der schwedische Rüstungskonzern Saab und die kanadische Defence Investment Agency (DIA) haben ein sogenanntes Term Sheet unterzeichnet. Die nicht bindende Vereinbarung legt Umfang und Grundlagen für detaillierte Verhandlungen über die Beschaffung des luftgestützten Frühwarn- und Führungssystems (Airborne Early Warning and Control, AEW&C) GlobalEye für die Royal Canadian Air Force (RCAF) fest. Eine Verpflichtung zum Kauf der Flugzeuge ist mit dem Dokument ausdrücklich nicht verbunden.

Sechs Flugzeuge samt Ausbildung und Unterstützung

Nach den Planungen will Kanada sechs GlobalEye-Maschinen einschließlich der zugehörigen Systeme, Ausbildung und logistischen Unterstützung erwerben. Gegenstand der Gespräche sind eine auf die operativen Anforderungen Kanadas zugeschnittene Systemkonfiguration, die Beteiligung der kanadischen Industrie, die Fähigkeitsentwicklung sowie die Durchführung des Programms.

Saab-Präsident und CEO Micael Johansson verweist auf die enge Zusammenarbeit zwischen dem Unternehmen, der DIA und der RCAF. Mit dem nun definierten Umfang sieht er eine klare Grundlage für die nächste Phase der Gespräche, in der Saab darlegen will, wie das System die kanadischen Anforderungen erfüllen kann.

Entscheidung für Saab im Mai

Die Vereinbarung folgt auf eine Entscheidung aus dem Frühjahr. Am 27. Mai 2026 gab Premierminister Mark Carney auf der CANSEC, Kanadas größter Fachmesse für Verteidigung und Sicherheit, bekannt, dass Kanada das GlobalEye beschaffen werde. Saab wurde dabei als bevorzugter Anbieter benannt. Das schwedische System setzte sich damit gegen Angebote von Boeing und L3Harris durch. Boeing war mit dem E-7A Wedgetail angetreten. Saab hatte bereits im Mai klargestellt, dass zu diesem Zeitpunkt weder ein Vertrag unterzeichnet noch ein Auftrag erteilt worden war.

Industriepolitische Komponente

Die Beschaffung ist eng mit industriepolitischen Zielen verknüpft. Das GlobalEye basiert auf dem Geschäftsreiseflugzeug Global 6500 von Bombardier, das in Toronto gefertigt wird. Carney kündigte an, dass mindestens ein Drittel der erwarteten GlobalEye-Bestellungen verbündeter Staaten in Kanada gebaut werden soll. Saab strebt nach eigenen Angaben einen Wissens- und Technologietransfer nach Kanada an, um die heimische Verteidigungsindustrie zu stärken, und plant zudem Investitionen in Forschung und Entwicklung im Land. Für das Programm hat Saab außerdem eine Teaming-Vereinbarung mit dem kanadischen Unternehmen CAE geschlossen.

Saab hat Kanada darüber hinaus den Kampfjet Gripen angeboten, verbunden mit der Möglichkeit einer Produktion im Land. Ob die GlobalEye-Beschaffung Teil eines größeren Pakets werden könnte, ließ die kanadische Regierung im Mai offen.

Das System

GlobalEye verfügt über aktive und passive Sensoren zur weitreichenden Entdeckung und Identifizierung von Bedrohungen in mehreren Dimensionen. Die gewonnenen Daten stehen militärischen Führungskräften in Echtzeit zur Verfügung und sollen ein umfassendes Lagebild ermöglichen. Kernstück ist das Radar Erieye Extended Range, das mit weiteren Sensoren und einem domänenübergreifenden Führungssystem kombiniert wird. Nach Herstellerangaben ist das System darauf ausgelegt, Ziele auch in stark gestörter Umgebung auf große Entfernung zu erfassen, darunter schwer erkennbare Luftfahrzeuge, Drohnen sowie ballistische und Hyperschall-Flugkörper.

Bestellungen für das GlobalEye liegen bislang aus Frankreich, Schweden und den Vereinigten Arabischen Emiraten vor. Kanada würde nach Frankreich und den VAE der dritte internationale Kunde.

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