HENSOLDT und Ukraine vereinbaren weitere Radarlieferungen

HENSOLDT und das ukrainische Verteidigungsministerium haben eine Absichtserklärung über weitere Radarlieferungen und die Weiterentwicklung der Luftraumüberwachung unterzeichnet. Geprüft wird auch, ob das Weitbereichsradar TRL-4D LR in der Ukraine eingesetzt werden kann.
Foto: HENSOLDT

HENSOLDT und das ukrainische Verteidigungsministerium haben eine Absichtserklärung über weitere Radarlieferungen und die Weiterentwicklung der Luftraumüberwachung unterzeichnet. Geprüft wird auch, ob das Weitbereichsradar TRL-4D LR in der Ukraine eingesetzt werden kann.

Inhalt der Absichtserklärung

Der Sensorhersteller HENSOLDT und das ukrainische Verteidigungsministerium wollen ihre Zusammenarbeit bei der Luftraumüberwachung ausbauen. Nach Angaben des Unternehmens vom 5. Oktober 2026 unterzeichnete Vorstandschef Oliver Dörre die Absichtserklärung am Rande des Besuchs von Bundeskanzler Friedrich Merz in der Ukraine.

Die Vereinbarung sieht weitere Lieferungen von Radarsystemen in größerem Umfang vor. Hinzu kommt die Weiterentwicklung der Radarfähigkeiten. Außerdem wollen beide Seiten prüfen, wie Weitbereichsradare des Typs TRL-4D LR in der Ukraine stationiert und gemeinsam betrieben werden können.

Stückzahlen, Auftragswert und Zeitplan nennt das Unternehmen nicht. Eine Absichtserklärung ist zudem noch kein Liefervertrag.

Begründung des Unternehmens

HENSOLDT ordnet die Vereinbarung als Erweiterung der bereits bestehenden Zusammenarbeit bei der Abwehr ballistischer Raketen ein. Ziel sei es, die Einsatzbereitschaft der ukrainischen Streitkräfte zu unterstützen und zum Schutz der Bevölkerung sowie der kritischen Infrastruktur beizutragen.

Dörre verweist auf den bevorstehenden Winter, der die Ukraine und vor allem ihre zivile Infrastruktur erneut stark belasten werde. Die ukrainische Luftverteidigung benötige die Radare dringend, unter anderem zum Schutz von Bauwerken wie Brücken. Die Vereinbarung solle dazu beitragen, die Unterstützung verlässlich und langfristig anzulegen.

Bisherige Lieferungen und Zusammenarbeit

Die ukrainische Luftverteidigung setzt seit 2022 Radare von HENSOLDT ein. Das TRML-4D ist ein Kernbestandteil des bodengebundenen Luftverteidigungssystems IRIS-T SLM. Es kann rund 1.500 Ziele in einem Umkreis von 250 Kilometern erfassen und verfolgen, darunter Marschflugkörper, Drohnen, Flugzeuge und Hubschrauber.

Im Juli 2025 hatte HENSOLDT einen Auftrag über mehr als 340 Millionen Euro für die Ukraine gemeldet. Er umfasst neben TRML-4D auch Nahbereichsradare des Typs SPEXER 2000 3D MkIII.

Welche frühere Vereinbarung zur Raketenabwehr gemeint ist, führt die aktuelle Mitteilung nicht aus. Im Juni 2026 hatte HENSOLDT auf der Messe Eurosatory in Paris eine Absichtserklärung mit dem ukrainischen Unternehmen Fire Point unterzeichnet. Sie betrifft das Raketenabwehrsystem FREYJA, das ballistische Raketen erfassen und abfangen soll. HENSOLDT ist dabei für Fertigung, Test und Lieferung der Radare zuständig, vorgesehen ist vor allem das TRML-4D.

Das Weitbereichsradar TRL-4D LR

Das TRL-4D LR ist die landgestützte Ausführung eines Weitbereichsradars, das HENSOLDT auch für die Deutsche Marine baut. Die Luftwaffe soll vier Anlagen für die Luftraumüberwachung erhalten. Die Marine rüstet mit der baugleichen Variante TRS-4D LR ihre drei Fregatten der Klasse F124 aus.

Für die Marinevariante nennt das Beschaffungsamt der Bundeswehr eine Reichweite von mehr als 400 Kilometern gegen Luftziele und bis zu 2.000 Kilometern bei Objekten im Erdorbit. Das Radar arbeitet mit AESA-Technik (Active Electronically Scanned Array), also einer elektronisch geschwenkten Antenne. Damit liegt die Reichweite deutlich über der des TRML-4D, das die Ukraine bereits nutzt.

Kanzlerbesuch in Kiew

Merz hielt sich am 4. Oktober 2026 in Kiew auf. Ihn begleitete eine Wirtschaftsdelegation, der unter anderem Vertreter von HENSOLDT, Diehl Defence und Quantum Systems angehörten. Der Besuch fand unter russischen Drohnenangriffen auf die ukrainische Hauptstadt statt. Der Kanzler kündigte weitere Militärhilfe in Höhe von einer Milliarde Euro an.

Nach Angaben deutscher Regierungsvertreter unterzeichneten die mitgereisten Unternehmen 14 Vereinbarungen mit der ukrainischen Regierung und ukrainischen Firmen. Das Gesamtvolumen liegt bei rund 6,6 Milliarden Euro. Dazu zählen neben der Radarvereinbarung mit HENSOLDT eine Vereinbarung mit Diehl Defence über Flugkörper für IRIS-T und eine mit Quantum Systems über Abfangdrohnen.

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