Paris hat im Rahmen einer aktualisierten Militärplanungsgesetzgebung zwei zentrale Drohnenprogramme beendet – mit Folgen für die europäische Rüstungskooperation.
Am 8. April 2026 hat die französische Regierung dem Ministerrat eine überarbeitete Version des Militärplanungsgesetzes für den Zeitraum 2024–2030 vorgelegt. Darin enthalten: die Streichung sowohl des taktischen Drohnenprogramms Patroller von Safran als auch des multinationalen MALE-Drohnenprojekts Eurodrone. Das Gesetz sieht zusätzliche 36 Milliarden Euro vor und erhöht das Gesamtbudget von 413 auf 449 Milliarden Euro.
Eurodrone: Abkehr vom Gemeinschaftsprojekt
Die Eurodrone war als europäisches Gemeinschaftsprojekt unter Federführung von Airbus Defence and Space konzipiert, an dem auch Dassault Aviation und Leonardo beteiligt waren. Deutschland, Italien und Spanien wollen das Programm fortführen, doch der Ausstieg Frankreichs dürfte die Kosten für die verbleibenden Partner um mehr als 700 Millionen Euro erhöhen.
Das französische Verteidigungsministerium begründet die Entscheidung mit einer veränderten Bedrohungslage. Die Erfahrungen aus den Kriegen in der Ukraine und im Nahen Osten hätten gezeigt, dass große, nicht-tarnkappenfähige MALE-Drohnen in Konflikten hoher Intensität zu verwundbar seien. Der Stabschef der französischen Luft- und Weltraumstreitkräfte hatte das System öffentlich als veraltet bezeichnet, das zudem einen enormen Infrastrukturaufwand erfordere.
Die kritische Designprüfung der Eurodrone war im Oktober 2025 abgeschlossen worden. Der Erstflug war für Januar 2027 geplant, die erste Auslieferung für 2030. Bereits seit Mitte 2025 hatte Frankreich Ausstiegsoptionen geprüft; im Februar 2026 wurden Verhandlungen mit den Partnernationen bekannt.

Patroller: Jahre der Verzögerung
Die Streichung des Patroller-Programms beendet ein Projekt, das zum Sinnbild für Beschaffungsprobleme im französischen Verteidigungswesen geworden war. Safran Electronics & Defense hatte den Auftrag 2016 für rund 330 Millionen Euro erhalten, mit einer geplanten Auslieferung ab 2018. Nach einem Absturz 2019, verursacht durch einen fehlerhaften Flugsteuerungscomputer aus US-Produktion, verzögerte sich die Zertifizierung um Jahre. Erst im Mai 2024 wurde das erste Exemplar an das 61. Artillerieregiment übergeben.
Im Verteidigungshaushalt 2026 war die Bestellung bereits von 28 auf 14 Flugzeuge halbiert worden. Bis Ende 2025 hatte lediglich ein einziges Exemplar die Testflüge absolviert. Militärplaner hielten die 1,5 Tonnen schwere Drohne für zu langsam, zu groß und für die elektronische Kriegsführung moderner Gefechtsfelder zu leicht detektierbar.
Nationale Alternativen in der Entwicklung
Frankreich gibt die MALE-Kategorie nicht auf, sondern setzt auf eine neue Generation kostengünstigerer, national entwickelter Systeme. Fünf konkurrierende Programme werden derzeit mit Unterstützung des Verteidigungsministeriums vorangetrieben.
Die Aarok von Turgis & Gaillard absolvierte im September 2025 ihren Erstflug. Mit einem maximalen Startgewicht von 5,5 Tonnen und 1,5 Tonnen Nutzlast ist sie als bewaffnungsfähige Plattform vergleichbar mit der MQ-9 Reaper. Die Enbata des Toulouse-ansässigen Unternehmens Aura Aéro wurde auf Anforderung der Beschaffungsbehörde DGA entwickelt und soll die halbe Leistung einer Reaper zu einem Fünftel der Kosten bieten. Am 8. April 2026 gab das Unternehmen eine Finanzierungsrunde über 50 Millionen Euro bekannt, angeführt von Safran Corporate Ventures. Dahers EyePulse, basierend auf der TBM-Turboprop-Plattform und gemeinsam mit Thales entwickelt, absolvierte im Dezember 2025 ihren ersten automatisierten Flug.
Auf taktischer Ebene war bereits Ende 2024 ein Wettbewerb für leichte taktische Drohnensysteme (Système de drones tactiques légers) angelaufen. Für 2026 wird die Bestellung von 40 Systemen erwartet, die einen Teil der Lücke nach dem Patroller-Aus schließen sollen.
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