Finnland und Schweden haben erste gepanzerte Kettenfahrzeuge des Typs Patria TRACKX bestellt. Die Auslieferung beginnt 2027, anschließend sollen die Fahrzeuge in nationalen Truppenversuchen auf ihre Einsatztauglichkeit geprüft werden.
Der finnische Rüstungskonzern Patria hat am 30. September 2026 bekanntgegeben, dass Finnland und Schweden in die Beschaffung seines neuen Kettenfahrzeugs TRACKX eingetreten sind. Finnland erwirbt Fahrzeuge einschließlich zugehöriger Unterstützungsleistungen. Zusätzlich haben die finnischen Streitkräfte und Patria eine Absichtserklärung über mögliche spätere Serienlieferungen unterzeichnet. Schweden beschafft Fahrzeuge zu Test- und Evaluierungszwecken.
Zeitplan und Erprobung
Die Lieferungen sollen 2027 beginnen. Beide Staaten planen im Anschluss nationale Feldversuche, um die Eignung für den operativen Einsatz zu bewerten. Ein Teil der Tests soll gemeinsam durchgeführt werden.
Auf finnischer Seite hat das Logistikkommando der Streitkräfte den Vertrag über eine Vorserie für das Heer geschlossen. Die ersten Vorseriefahrzeuge sollen im Herbst 2027 übernommen werden; die Feldtests beginnen dann bei der Kainuu-Brigade. Nach Angaben finnischer Medien beläuft sich der Auftragswert ohne Mehrwertsteuer auf 13 Millionen Euro.
Die finnischen Anforderungen an das Fahrzeug betonen hohe taktische Beweglichkeit sowie Schutz gegen Splitter, Minen und Handwaffenbeschuss. Die transportierten Kräfte sollen typischerweise in der Lage sein, sich mitsamt Material innerhalb eines Tages über mehrere hundert Kilometer zu verlegen. Gefordert sind zudem Fahrten abseits befestigter Wege in Wald-, Moor- und Tiefschneegelände sowie die Überquerung flacher Flüsse und bei Bedarf größerer Gewässer.
Jussi Järvinen, Leiter des Geschäftsbereichs Protected Mobility bei Patria, bezeichnet den Übergang von der Entwicklung zur Beschaffung als wichtigen Schritt für das Programm. Er sieht Potenzial für eine breitere multinationale Zusammenarbeit auf Basis einer gemeinsamen Kettenplattform. Patria baue nach seinen Angaben Produktions- und Lieferkapazitäten aus, um ab 2027 auch weitere Nutzerstaaten beliefern zu können.
Vereinbarungen von Eurosatory und NATO-Gipfel
Die Bestellungen beruhen auf einer Durchführungsvereinbarung, die die finnischen Streitkräfte und die schwedische Beschaffungsbehörde FMV am 15. Juni auf der Eurosatory 2026 in Paris unterzeichnet haben. Sie regelt die Zusammenarbeit beider Länder in der anfänglichen Beschaffungs- und Testphase.
Hinzu kommt eine Absichtserklärung von Finnland, Norwegen und Lettland. Die Erklärung wurde am Rande des NATO-Gipfels 2026 in Ankara unterzeichnet und ermöglicht den drei Staaten, Ergebnisse aus Feldversuchen auszutauschen, die Weiterentwicklung abzustimmen und gemeinsame Beschaffungen zu prüfen.
Entwicklung im EU-Programm FAMOUS
Der TRACKX ist ein gepanzerter Mannschaftstransporter auf Kettenfahrwerk. Er wurde im multinationalen Programm FAMOUS (European Future Highly Mobile Augmented Armoured Systems) entwickelt, das vom Europäischen Verteidigungsfonds (EDF) und dessen Vorläufer, dem Europäischen Programm zur industriellen Entwicklung im Verteidigungsbereich (EDIDP), gefördert wird. Beteiligt sind knapp 20 Partner aus ganz Europa.
Laut Hersteller verbindet das Fahrzeug ballistischen Schutz mit hoher Straßenbeweglichkeit und ist für weiche Untergründe wie Tiefschnee, Moore oder Sanddünen ausgelegt. Konzeptionell soll es Eigenschaften von Rad- und herkömmlichen Kettenfahrzeugen kombinieren. Der TRACKX ist 7 Meter lang und wiegt 15 Tonnen. Ein Caterpillar-Dieselmotor mit 7,1 Litern Hubraum und rund 360 PS ermöglicht eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h bei einer Reichweite von 500 Kilometern.
Zum Hersteller
Patria ist ein finnisches Verteidigungs- und Technologieunternehmen mit Geschäftsbereichen für geschützte Mobilität, Waffensysteme und Instandhaltung. Eigentümer sind der finnische Staat mit 50,1 Prozent und die norwegische Kongsberg Defence & Aerospace mit 49,9 Prozent. Patria hält außerdem die Hälfte des Munitionsherstellers Nammo. Bekannt ist das Unternehmen vor allem für seine Radfahrzeuge, darunter die 6×6-Fahrzeuge des Programms CAVS (Common Armoured Vehicle System). Mit dem TRACKX erweitert Patria sein Portfolio um ein Kettenfahrzeug.
