FCAS: Industrie und Gewerkschaft fordern zwei Kampfflugzeuge

FCAS: Industrie und Gewerkschaft fordern zwei Kampfflugzeuge
FCAS | Foto: Bundeswehr/Jane Schmidt

Der Bundesverband der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie und die IG Metall sprechen sich für eine Neuausrichtung des Future Combat Surface Systems (FCAS) aus. Statt eines gemeinsamen Flugzeugs sollen Deutschland und Frankreich künftig zwei unterschiedliche Kampfjets entwickeln.

Der Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) und die Industriegewerkschaft Metall haben sich am 6. Februar 2026 gemeinsam für eine grundlegende Neuausrichtung des europäischen FCAS-Projekts ausgesprochen. Die beiden Organisationen plädieren dafür, innerhalb des Luftkampfsystems künftig auf eine Zwei-Flugzeuge-Lösung zu setzen, bei der Deutschland und Frankreich jeweils eigene Kampfjets entwickeln würden.

Hintergrund des Rüstungsprojekts

Das Future Combat Air System ist ein deutsch-französisch-spanisches Programm zur Entwicklung eines Luftkampfsystems der sechsten Generation. Es umfasst neben einem bemannten Mehrzweckkampfflugzeug (New Generation Fighter) auch unbemannte Begleitdrohnen (Remote Carrier) sowie eine vernetzte Datenplattform, die sogenannte Combat Cloud. Das System soll ab 2040 den Eurofighter bei der Bundeswehr und die französische Rafale ersetzen. Die Gesamtkosten des Projekts werden auf einen dreistelligen Milliardenbetrag geschätzt, wobei allein die Entwicklungskosten rund 100 Milliarden Euro betragen sollen.

Das Vorhaben wird seit Jahren von Konflikten zwischen den beteiligten Unternehmen überschattet. Frankreich hatte zuletzt einen Arbeitsanteil von rund 80 Prozent für sich beansprucht, was die deutsche Seite als inakzeptabel zurückwies. Die Entscheidung über die Zukunft des Projekts wurde bereits mehrfach verschoben, zuletzt auf einen unbestimmten Zeitpunkt.

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Positionen von Industrie und Gewerkschaft

Marie-Christine von Hahn, Hauptgeschäftsführerin des BDLI, charakterisiert die vorgeschlagene Lösung als Weiterentwicklung des Projekts. Sie argumentiert, dass unterschiedliche nationale Schwerpunkte möglich würden und Reibungsverluste dort reduziert werden könnten, wo Kooperation wirtschaftlich und technologisch sinnvoll sei. Deutschland verfüge über eine breite industrielle Basis aus Großunternehmen sowie kleinen und mittleren Betrieben mit umfassender Expertise im Flugzeugbau.

Jürgen Kerner, Zweiter Vorsitzender der IG Metall, betont die Bedeutung nationaler Wertschöpfung bei länderübergreifenden Rüstungsprojekten. Wenn die Bundesregierung Steuergelder für internationale Projekte einsetze, müsse ein fairer Anteil der Wertschöpfung in Deutschland entstehen und Arbeitsplätze gesichert werden. Die Zwei-Flugzeuge-Lösung könne dies gewährleisten und die Beschäftigung entlang der gesamten Wertschöpfungskette stärken.

Industriepolitische Dimension

Die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie beschäftigt nach aktuellen Zahlen etwa 100.000 Menschen direkt in der Branche mit einem Wertschöpfungsvolumen von rund 40 Milliarden Euro. Die Luftfahrt insgesamt sichert in Deutschland direkt, indirekt und durch induzierte Effekte knapp 850.000 Arbeitsplätze. Ein Rüstungsprojekt der FCAS-Größenordnung hätte entsprechend erhebliche Auswirkungen auf Beschäftigung und Wertschöpfung.

Die vorgeschlagene Zwei-Flugzeuge-Lösung würde nach Einschätzung von BDLI und IG Metall nicht das Scheitern des Projekts bedeuten, sondern vielmehr klare Verhältnisse schaffen. Planungsunsicherheiten würden beseitigt und für Deutschland eröffneten sich neue industriepolitische Chancen. Andere Komponenten des FCAS wie die Combat Cloud und die Begleitdrohnen könnten weiterhin gemeinsam entwickelt werden.

Aktueller Stand der Verhandlungen

Berichten zufolge erwartet die Bundesregierung bis spätestens Ende Februar 2026 von der französischen Seite eine finale Klärung zur Zukunft des Projekts. Bundeskanzler Friedrich Merz soll bereits im Januar gegenüber Kabinettsmitgliedern nach einem Gespräch mit Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron mitgeteilt haben, dass es keinen gemeinsamen Kampfjet mehr geben werde. Stattdessen werde eine Zwei-Fighter-Lösung mit zwei verschiedenen Kampfjets verfolgt.

Das ursprünglich 2017 von Angela Merkel und Emmanuel Macron als deutsch-französisches Symbolprojekt gestartete Vorhaben steht damit vor einer grundlegenden Neuausrichtung. Ob die gemeinsame Position von Industrie und Gewerkschaft die politischen Entscheidungsträger beeinflusst, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.

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