Deutschland und Norwegen unterzeichnen Verteidigungsabkommen

Deutschland und Norwegen unterzeichnen Verteidigungsabkommen
U212CD | Foto: TKMS

Norwegen und Deutschland haben am 14. Februar 2026 während der Münchner Sicherheitskonferenz ein umfassendes bilaterales Verteidigungsabkommen unterzeichnet. Das sogenannte „Hansa Arrangement“ soll die militärische Zusammenarbeit beider Länder in fünf Schwerpunktbereichen deutlich ausbauen und die europäische Sicherheitsarchitektur stärken.

Fünf Säulen der Kooperation

Das Abkommen wurde von Norwegens Verteidigungsminister Tore O. Sandvik und seinem deutschen Amtskollegen Boris Pistorius unterzeichnet. Die Vereinbarung umfasst die Bereiche weltraumgestützte Überwachung und Kommunikation, maritime Sicherheit und gemeinsame Marineoperationen im Nordatlantik und in der Nordsee, Landkriegsführung mit kombinierten Waffen, schnelle Truppenverlegungen sowie die Rüstungsindustrie.

Sandvik betonte die Bedeutung des Abkommens angesichts der veränderten Sicherheitslage in Europa. Beide Länder teilten gemeinsame Sicherheitsinteressen und trügen eine gemeinschaftliche Verantwortung für die Stärkung der NATO und der europäischen Sicherheit. Die Initiative für das Abkommen hatten Norwegens Premierminister Jonas Gahr Støre und Bundeskanzler Friedrich Merz bereits im Sommer 2025 angekündigt.

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Ausbau der maritimen Zusammenarbeit

Ein zentraler Bestandteil der Kooperation ist die gemeinsame Beschaffung und der Betrieb von U-Booten. Das norwegische Parlament Storting genehmigte kürzlich die Anschaffung von zwei zusätzlichen U-Booten, sodass beide Länder künftig jeweils sechs identische U-Boote betreiben werden. Darüber hinaus entwickeln Norwegen und Deutschland gemeinsam die nächste Generation weitreichender Seezielflugkörper vom Typ 3SM.

An der norwegischen Marinebasis Haakonsvern in Bergen errichten beide Nationen neue Wartungseinrichtungen für ihre U-Boot-Flotten. Sandvik hob die strategische Bedeutung von U-Booten für die Verteidigung des Nordatlantiks und der Hocharktis hervor, wo die NATO ihre Kontrollfähigkeit aufrechterhalten müsse. Deutschland plant, künftig eine stärkere Präsenz im Nordatlantik zu zeigen und mehr Verantwortung in der Region zu übernehmen.

Die strategische Bedeutung des Nordatlantiks hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Der Seeraum gilt als zentrale Verbindungslinie zwischen Nordamerika und Europa und ist entscheidend für die Verstärkung europäischer Truppen durch amerikanische Streitkräfte im Krisenfall. Der Greenland-Iceland-United Kingdom Gap (GIUK-Lücke) ist dabei ein kritischer maritimer Engpass, dessen Kontrolle für die NATO von hoher strategischer Bedeutung ist.

Landstreitkräfte und Übungen

Im Bereich der Landstreitkräfte ergibt sich die Zusammenarbeit unter anderem aus Norwegens Beschaffung deutscher Kampfpanzer vom Typ Leopard 2A8. Norwegen hat 54 dieser Panzer bestellt, von denen 37 Stück vom norwegischen Unternehmen RITEK in der Region Trøndelag montiert werden. Der Austausch von Erkenntnissen zu Ausbildung, Übungen, Taktik und Technologie soll die Zusammenarbeit der Landstreitkräfte beider Länder vertiefen.

Deutsche Truppen trainieren regelmäßig in Norwegen, insbesondere bei Winterübungen wie der anstehenden Cold Response 26. Sandvik unterstrich die Bedeutung solcher Übungen, damit verbündete Kräfte unter arktischen Bedingungen einsatzfähig bleiben. Norwegen wird seine Infrastruktur weiter ausbauen, um die Aufnahme verbündeter Verstärkungskräfte zu erleichtern. Derzeit wird geprüft, ob Deutschland militärisches Gerät in Norwegen vorpositionieren wird.

Rüstungsindustrie und Weltraumaktivitäten

Im Jahr 2025 war Norwegen nach der Ukraine der zweitgrößte Importeur von deutschen Rüstungsgütern weltweit und beschaffte Material im Wert von bis zu 1,4 Milliarden Euro. Diese Investitionen fördern die industrielle Zusammenarbeit und schaffen Arbeitsplätze in beiden Ländern.

Im Weltraumbereich arbeiten norwegische und deutsche Unternehmen an gemeinsamen Technologieprojekten. Der Weltraumbahnhof Andøya in Nordnorwegen spielt eine zentrale Rolle in Norwegens Weltraumstrategie und bietet Potenzial für deutsche Startaktivitäten. Sandvik betonte, dass weltraumgestützte Fähigkeiten für militärische Operationen zunehmend an Bedeutung gewinnen.

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