Deutschland strebt Beteiligung am Panzerhersteller KNDS an

Deutschland strebt Beteiligung am Panzerhersteller KNDS an
RCH 155 | Foto: KNDS

Berlin prüft den Einstieg beim deutsch-französischen Rüstungskonzern KNDS – und will damit vor dem geplanten Börsengang des Unternehmens den eigenen Einfluss sichern.

Hintergrund: Beteiligung von mindestens 25,1 Prozent geplant

Die Bundesregierung bereitet nach Informationen von Reuters den Kauf eines Minderheitsanteils am Panzerhersteller KNDS vor. Vier mit den Vorgängen vertraute Personen bestätigten entsprechende Überlegungen; demnach werden Optionen für eine Beteiligung von mindestens 25,1 Prozent geprüft. Eine solche sogenannte Sperrminorität würde Deutschland in die Lage versetzen, bestimmte Unternehmensentscheidungen zu blockieren. Die Koalitionsparteien haben sich bislang noch nicht auf ein konkretes Modell geeinigt.

Offen ist auch der genaue Zeitpunkt: Unklar ist, ob ein Einstieg vor dem Börsengang oder im Rahmen des IPO selbst erfolgen soll. Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums bestätigte laufende Gespräche; Minister Boris Pistorius hatte sich zuvor öffentlich für Staatsbeteiligungen an strategisch wichtigen Rüstungsunternehmen ausgesprochen und dabei ausdrücklich KNDS sowie den U-Boot-Hersteller TKMS genannt.

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KNDS: Struktur und geplanter Börsengang

KNDS entstand aus der Fusion des deutschen Panzerbauers Krauss-Maffei Wegmann (KMW) mit dem französischen Unternehmen Nexter und wird bislang zu gleichen Teilen von der französischen Regierung und der Eigentümerfamilie von KMW gehalten. Die KMW-Eigentümer planen, ihren Anteil zu verkaufen – ein Auslöser für die aktuellen Überlegungen Berlins. KNDS produziert unter anderem den Leopard-2-Kampfpanzer und bezeichnet sich selbst als führendes europäisches Unternehmen für Landsysteme.

Der Konzern hat im Dezember 2025 offiziell angekündigt, 2026 – vorbehaltlich der Marktlage – gleichzeitig in Paris und Frankfurt an die Börse zu gehen. Die angestrebte Bewertung liegt bei rund 20 Milliarden Euro; der Börsengang würde KNDS damit zu einem der zehn größten europäischen Rüstungsunternehmen machen. 2024 verzeichnete KNDS einen Auftragseingang von 11,2 Milliarden Euro und einen Umsatz von 3,8 Milliarden Euro – jeweils neue Rekordwerte. Als möglicher Termin für den IPO gilt Juni oder Juli 2026.

Einordnung: Europas Rüstungssektor im Aufwind

Der Einstiegsplan fügt sich in einen deutlich breiteren Trend: Seit dem russischen Überfall auf die Ukraine im Jahr 2022 sind die Rüstungsausgaben in Europa stark gestiegen, und staatliche Beteiligungen an Verteidigungsunternehmen gewinnen politisch an Rückhalt. In Deutschland sieht der Bundeshaushalt für 2026 Verteidigungsausgaben von insgesamt rund 108 Milliarden Euro vor – ein neuer Höchststand seit Ende des Kalten Krieges. Der Bundestag hatte zudem eine Grundgesetzänderung beschlossen, die Verteidigungsausgaben von den Beschränkungen der Schuldenbremse freistellt.

Staatliche Beteiligungen an Rüstungskonzernen sind in Europa weit verbreitet: In Frankreich hält der Staat Anteile an Thales und Naval Group, in Italien an Leonardo und Fincantieri, in Deutschland etwa an Hensoldt – dort sicherte sich der Bund 2020 ebenfalls eine Sperrminorität von 25,1 Prozent. Ein Einstieg bei KNDS würde diesem Muster folgen und zugleich das deutsch-französische Gemeinschaftsprojekt politisch absichern.

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