Bundeswehr stellt 2027 ihr erstes Drohnenregiment auf

Bundeswehr stellt 2027 ihr erstes Drohnenregiment auf
Start einer Drohne mittels einer Startrampe aus einem Gebäude I Foto: Bundeswehr

Die Bundeswehr baut im kommenden Jahr einen eigenständigen Verband für unbemannte Systeme auf. Verteidigungsminister Boris Pistorius und Heeresinspekteur Generalleutnant Dr. Christian Freuding stellten die Pläne am 1. Oktober bei der Experimentalserie Land auf dem Truppenübungsplatz Bergen vor.

Das Heer erhält ein eigenes Regiment für unbemannte Systeme. Der Verband soll im Laufe des Jahres 2027 aufgestellt werden und Aufklärung, Wirkung sowie die Abwehr gegnerischer Drohnen bündeln. Neben fliegenden Systemen sind auch unbemannte Landsysteme vorgesehen. Pistorius begründete den Schritt mit den Erfahrungen aus dem Krieg in der Ukraine: Wer sich im Landkampf durchsetzen wolle, müsse den Einsatz unbemannter Systeme beherrschen. Datenhoheit, Vernetzung und kurze Innovationszyklen seien dabei maßgeblich.

Bis zu 500 Kilometer Reichweite

Nach Angaben des Ministers soll das Regiment Distanzen vom Nahbereich bis zu 500 Kilometern abdecken. Zudem ist eine eigene Kompanie für den elektromagnetischen Kampf vorgesehen. Der Verband wird Teil der Divisionstruppen der 10. Panzerdivision, die als „Division 2025“ der NATO zur Verfügung steht, und soll eng mit Panzer-, Panzergrenadier-, Artillerie- und Jägerverbänden zusammenarbeiten. Dem Divisionskommandeur soll er als Mittel zur Schwerpunktbildung dienen.

Freuding nannte als Ziel eine Anfangsbefähigung im Jahr 2027 mit rund 300 Soldatinnen und Soldaten; die Sollstärke liegt bei 600. Der Stationierungsort steht noch nicht fest und hängt nach seinen Worten von der Infrastruktur ab, insbesondere von Möglichkeiten für Übungs- und Flugbetrieb. Bewährt sich das Modell, will das Heer vergleichbare Regimenter auch in den übrigen Divisionen aufstellen.

Auf die Frage nach den vorgesehenen Drohnenkategorien und der Abgrenzung zur Luftwaffe erklärte Freuding, die 500 Kilometer entsprächen der Tiefe, in der eine Division künftig im sogenannten Deep Fight wirken müsse. Die Zahl sei ein Ausgangswert und weder taktisch noch technologisch endgültig. Welche Systeme für welche Reichweiten beschafft werden, solle im Vergabeverfahren ermittelt werden. Beschaffungsentscheidungen strebt das Heer für das Frühjahr an, um die Anfangsbefähigung 2027 zu erreichen.

Zwei Wege der Integration

Das Regiment ergänzt einen bereits eingeschlagenen Ansatz. Ab dem Jahreswechsel 2026/27 beginnt das Heer laut Freuding damit, unbemannte Systeme in drei bestehenden Verbänden einzuführen – je einem der Jäger-, der Aufklärungs- und der Panzertruppe. Beide Wege, das eigenständige Regiment und die Integration in die Truppengattungen, sollen parallel verfolgt werden.

Im Regiment sollen neue Systeme unmittelbar durch die Truppe erprobt werden. Die Rückmeldungen sollen nach Darstellung von Pistorius zeitgleich an die Industrie sowie in Einsatzverfahren und Ausbildung fließen.

Experimentalserie als Testfeld

Die Experimentalserie Land wird vom Amt für Heeresentwicklung ausgerichtet. Laut Verteidigungsministerium werden in diesem Jahr in Bergen mehr als 40 Rüstungsgüter in taktischen Szenarien geprüft. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob sich die Systeme an die vorhandene IT-Infrastruktur anbinden lassen und die Kampfkraft erhöhen. Viele von ihnen befinden sich nach Ministeriumsangaben noch in keinem Beschaffungsprozess und dienen als Demonstratoren. Bereitgestellt wurden sie sowohl von etablierten Unternehmen als auch von Start-ups.

Pistorius betonte, entscheidend sei nicht das einzelne System, sondern dessen Integrationsfähigkeit in das Gesamtnetzwerk. Freuding hob Fortschritte beim elektromagnetischen Kampf hervor – einem von fünf Handlungsfeldern, in denen das Heer nach eigener Einschätzung Fähigkeitslücken rasch schließen muss.

Beschaffung und Litauen-Brigade

Auf die Frage, ob Tests mit noch nicht marktreifen Systemen spätere Vergabeverfahren vorwegnehmen könnten, verwies Pistorius auf die Notwendigkeit, Produkte vor dem Kauf auf Funktion, Zuverlässigkeit, Lieferfähigkeit und Integrierbarkeit zu prüfen. Dies geschehe im Rahmen des Vergaberechts. Als Beispiel für veränderte Verfahren nannte er die Loitering Munition: Die Bundeswehr hatte im Februar 2026 Rahmenverträge mit Helsing und Stark geschlossen, später kam Rheinmetall als dritter Hersteller hinzu. Freuding ergänzte, bei den in Bergen erprobten Systemen handle es sich ausdrücklich um Fähigkeitsdemonstratoren.

Für die Panzerbrigade 45 in Litauen, die bis Ende 2027 voll einsatzbereit sein soll, kündigte Freuding an, Fähigkeiten zur Drohnenabwehr noch vor der Verlegung zu integrieren; Gespräche mit der Industrie liefen. Andere Systeme müssten vor einem Einsatz an vorderster Linie zunächst ausreichend ausgereift sein.

Total
0
Shares
Related Posts
Total
0
Share