Die Bundeswehr beteiligt sich ein weiteres Jahr an der EU-geführten Marineoperation EUNAVFOR Aspides im Roten Meer. Der Bundestag stimmte am 15. Oktober 2026 der Fortsetzung des Mandats mit bis zu 350 Soldatinnen und Soldaten zu.
Beschluss des Bundestages
Der Bundestag nahm den Antrag der Bundesregierung (Drucksache 21/8294) am 15. Oktober 2026 nach halbstündiger Debatte in namentlicher Abstimmung an. 421 Abgeordnete stimmten dafür, 66 dagegen, 90 enthielten sich. Das Bundeskabinett hatte die Fortsetzung am 30. September 2026 beschlossen. Die personelle Obergrenze bleibt unverändert bei bis zu 350 Soldatinnen und Soldaten, das Mandat läuft bis zum 31. Oktober 2027.
Die einsatzbedingten Zusatzausgaben für den Zeitraum vom 1. November 2026 bis 31. Oktober 2027 veranschlagt die Bundesregierung auf rund 18,9 Millionen Euro. Davon entfallen etwa 3,1 Millionen Euro auf das Haushaltsjahr 2026 und rund 15,8 Millionen Euro auf 2027. Für den vorangegangenen Mandatszeitraum waren rund 23,9 Millionen Euro angesetzt.
Deutscher Beitrag
Deutschland stellt derzeit Stabspersonal im Hauptquartier im griechischen Larissa sowie auf dem Führungsschiff der Operation. Hinzu kommen regelmäßige Flüge zur luftgestützten Seeraumüberwachung. Zu Beginn der Operation war die Marine mit der Fregatte „Hessen“ beteiligt, seit Ende Oktober 2024 stellt Deutschland ein Flugzeug für das maritime Lagebild. Die Obergrenze von 350 Soldatinnen und Soldaten erlaubt weiterhin auch den Einsatz einer seegehenden Einheit.
Auftrag und Einsatzgebiet
Zu den Aufgaben der Bundeswehr gehören der Schutz von Schiffen gegen Angriffe aus der Luft, über und unter Wasser, die Begleitung von Schiffen, die Erstellung eines Lagebildes einschließlich luftgestützter Aufklärung sowie Informationsaustausch und logistische Unterstützung mit Partnern. Außerdem sollen Informationen über verdächtige Aktivitäten an kritischer Unterseeinfrastruktur gesammelt und geteilt werden. Diese Aufgabe geht auf einen Beschluss des EU-Rates vom 30. März 2026 zurück; bereits im Februar 2025 war der Auftrag um die Erfassung von Informationen zur sogenannten Schattenflotte erweitert worden. Die Operation verfügt über exekutive Befugnisse, die den Einsatz von Waffen einschließen.
Das Einsatzgebiet umfasst den Bab al-Mandab und die Straße von Hormus sowie die internationalen Gewässer im Roten Meer, im Golf von Aden, im Arabischen Meer, im Golf von Oman und im Persischen Golf. Nördlich des Breitengrades von Maskat, in der Straße von Hormus und im Persischen Golf ist der Schutz von Schiffen gegen Angriffe ausdrücklich ausgeschlossen. Für Aspides bestehen dort derzeit auch keine Befugnisse zum Minenräumen.
Lage im Roten Meer
Die jemenitische Huthi-Miliz greift seit November 2023 die internationale Schifffahrt an, vor allem im südlichen Roten Meer und am Bab al-Mandab. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums halten die Angriffe auch im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt an. Laut Bundesregierung hat die Miliz seit Juli 2026 wiederholt Schiffe mit Bezug zu Saudi-Arabien angegriffen und im September 2026 den zuvor von der Regierung kontrollierten Küstenabschnitt am Bab al-Mandab eingenommen. Der Schiffsverkehr durch das Einsatzgebiet liege bei etwa der Hälfte des Vorkrisenniveaus.
Daten von Lloyd’s List Intelligence zeigen eine Erholung: Die Transits durch den Suezkanal erreichten in den vier Wochen bis zum 23. August 2026 den höchsten Stand seit Februar 2024, lagen aber noch rund 40 Prozent unter dem Niveau vor den Angriffen. Viele Reedereien leiten ihre Schiffe weiterhin um das Kap der Guten Hoffnung um, was Verzögerungen von mehreren Wochen verursacht.
Einbettung in die EU-Operation
Die EU beschloss die Operation am 8. Februar 2024, der Bundestag stimmte der deutschen Beteiligung am 23. Februar 2024 zu. Im Februar 2026 verlängerte der Rat der EU das Mandat der Operation bis zum 28. Februar 2027 und stellte knapp 15 Millionen Euro für die gemeinsamen Kosten bereit. Aspides stimmt sich mit den US-geführten Combined Maritime Forces, der EU-Operation Atalanta und dem Maritime Security Centre Indian Ocean ab. Eine Koordinierung ist auch mit zwei 2026 gestarteten Initiativen vorgesehen: der französisch-britisch geführten Mission für die Straße von Hormus und der saudisch geführten Multinational Maritime Defense Coalition.
