Boeing erhält Milliardenauftrag für PAC-3-MSE-Suchköpfe

Lockheed Martin hat Boeing mit dem Ausbau der Produktion und der Lieferung von Suchköpfen für den Patriot-Abfangflugkörper PAC-3 MSE beauftragt. Der vorläufige Vertrag hat ein Volumen von rund 14,7 Milliarden US-Dollar und eine Laufzeit von sieben Jahren.
Foto: U.S. Army

Lockheed Martin hat Boeing mit dem Ausbau der Produktion und der Lieferung von Suchköpfen für den Patriot-Abfangflugkörper PAC-3 MSE beauftragt. Der vorläufige Vertrag hat ein Volumen von rund 14,7 Milliarden US-Dollar und eine Laufzeit von sieben Jahren.

Boeing hat am 5. Oktober 2026 mitgeteilt, von Lockheed Martin einen Auftrag über rund 14,7 Milliarden US-Dollar erhalten zu haben. Gegenstand sind die Ausweitung der Fertigung und die Lieferung von Suchköpfen für den Abfangflugkörper PAC-3 Missile Segment Enhancement (MSE). Vergeben wurde eine sogenannte Undefinitized Contract Action, also ein Auftrag, dessen endgültige Konditionen noch ausgehandelt werden.

Mit dem Auftrag wird die zuvor angekündigte siebenjährige Rahmenvereinbarung mit dem US-Kriegsministerium (Department of War) umgesetzt. Ziel ist die Verdreifachung der Suchkopfproduktion.

Funktion des Suchkopfs

Hauptauftragnehmer für den PAC-3 MSE ist Lockheed Martin. Boeing liefert als Unterauftragnehmer den Suchkopf. Er ermöglicht es dem Flugkörper, Ziele zu identifizieren, zu verfolgen und zu bekämpfen. Das Bedrohungsspektrum reicht nach Unternehmensangaben von Flugzeugen bis zu Hyperschallwaffen, ballistischen Raketen und Marschflugkörpern. Der PAC-3 MSE ist ein Hit-to-kill-Abfangflugkörper des Flugabwehrsystems Patriot. Er zerstört sein Ziel also durch direkten Treffer.

Ausbau am Standort Huntsville

Boeing verweist auf Investitionen in die Erweiterung seines Suchkopfwerks. Zudem habe das Unternehmen die Zusammenarbeit mit Zulieferern ausgebaut, Anlagen modernisiert und Abläufe sowie Kontrollen angepasst, um die Fertigungsqualität zu erhöhen. Seit 2024 hat Boeing nach eigenen Angaben mehr als 200 Millionen US-Dollar in die Kapazitäten in Huntsville im Bundesstaat Alabama investiert, unter anderem in eine Erweiterung um 35.000 Quadratfuß (rund 3.250 Quadratmeter). 2025 stiegen die Auslieferungen um mehr als 30 Prozent.

Der Produktionshochlauf und die dafür nötigen Einstellungen begannen bereits Anfang des Jahres nach Bekanntgabe der Rahmenvereinbarung. Im Raum Huntsville sollen durch den Auftrag mehrere hundert direkte und indirekte Arbeitsplätze entstehen.

Steve Parker, Chef der Rüstungssparte Boeing Defense, Space & Security, führt die kurzfristig höheren Liefermengen auf frühzeitige Investitionen und den Fokus auf Qualität und Umsetzung zurück.

Teil eines größeren Produktionshochlaufs

Lockheed Martin hatte im Januar eine siebenjährige Rahmenvereinbarung bekannt gegeben, nach der die Jahresproduktion von etwa 600 auf 2.000 Abfangflugkörper steigen soll. Die Rahmenvereinbarung zu den Suchköpfen folgte am 1. April. Sie sah vor, den Hochlauf sofort zu beginnen und im Lauf des Jahres einen mehrjährigen Vertrag auszuhandeln.

Am 29. Juli erhielt Lockheed Martin von der US-Regierung eine vorläufige Vertragsänderung über bis zu 53,86 Milliarden US-Dollar für PAC-3-MSE-Abfangflugkörper. Zusammen mit einem ersten Auftrag über 4,7 Milliarden US-Dollar vom April beläuft sich der Gesamtwert des mehrjährigen Vertrags auf 58,62 Milliarden US-Dollar. Die Kapazität soll bis Ende 2030 verdreifacht werden.

Die Vereinbarungen folgen der Acquisition Transformation Strategy des Ministeriums, die auf eine direkte Zusammenarbeit mit Zulieferern in der gesamten rüstungsindustriellen Basis setzt. Eine vergleichbare Vereinbarung besteht mit BAE Systems und Lockheed Martin zur Vervierfachung der Suchkopfproduktion für das Abfangsystem THAAD.

Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters ist die Nachfrage nach dem Abfangflugkörper gestiegen, weil die Konflikte im Iran und in der Ukraine die US-Waffenbestände belasten. Branchenvertreter weisen laut Reuters zugleich darauf hin, dass der Kongress die Mittel für die Vereinbarungen noch nicht bewilligt hat. Größere Investitionen in Komponenten und Anlagen seien daher womöglich erst nach einer Entscheidung der Abgeordneten möglich.

Total
0
Shares
Related Posts
Total
0
Share