Beschaffungsplan 2026: 70 Vorhaben für 48 Milliarden Euro

Beschaffungsplan 2026: 70 Vorhaben für 48 Milliarden Euro
F127 | Foto: thyssenkrupp Marine Systems

Über 70 Vorhaben im Wert von mindestens 48 Milliarden Euro – so lässt sich der Beschaffungsplan der Bundeswehr für das Jahr 2026 kurz und knapp zusammenfassen. In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf die wichtigsten Projekte, ihre Finanzierung und die Schwerpunkte der Modernisierung – ein umfassender Einblick in die Einkaufsliste der Bundeswehr.

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Heer

Das größte geplante Beschaffungsvorhaben des Heeres für das Jahr 2026 dürfte die Beschaffung zusätzlicher Skyranger 30 Flugabwehrkanonenpanzer sein. Insgesamt ist die Beschaffung von 500 bis 600 Systemen für rund 9 Milliarden Euro geplant. Ob jedoch bereits in diesem Jahr tatsächlich alle benötigten Skyranger 30 bestellt werden, bleibt abzuwarten. Wahrscheinlicher dürfte der Abschluss eines Rahmenvertrags mit einer gewissen Anzahl fest beauftragter Flugabwehrkanonenpanzer sein.

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Skyranger 30 / Foto: Rheinmetall AG

Für 1,77 Milliarden Euro sollen weitere Berge- und Kranfahrzeuge beschafft werden. Dabei handelt es sich um die Teilprojekte 2, 3 und 4. Die Finanzierung soll über den regulären Verteidigungshaushalt, den sogenannten Einzelplan 14, erfolgen. Mehr konnte ich zu diesem Vorhaben leider nicht in Erfahrung bringen. Aufgrund des ungewöhnlich hohen Kostenvolumens für einen solchen Fahrzeugtyp könnte ich mir jedoch vorstellen, dass es sich hierbei um das Bergemittel für die Mittleren Kräfte des Heeres handelt.

Ebenfalls im Bereich der Pionierfähigkeiten zu verorten ist die geplante Beschaffung des Systems Faltstraßengerät. Dieses soll die ab 1988 eingeführten Faltstraßengeräte ersetzen. Dabei handelt es sich wohl um das Geländezugangssystem Trackway von Faun. Insgesamt 200 Millionen Euro, finanziert über den Einzelplan 14, sind für dieses Vorhaben vorgesehen.

Da die SPz-Puma-Flotte massiv aufgestockt werden soll, bedarf es auch weiterer Fahrschulpanzer. Für insgesamt 112,5 Millionen Euro sollen in diesem Jahr weitere Fahrschulvarianten des SPz Puma beschafft werden, finanziert über das Sondervermögen Bundeswehr.

Der Spähwagen Fennek soll für 125,1 Millionen Euro im Rahmen des Vorhabens „Digitalisierung landbasierter Operationen“ (D-LBO) mit modernen Informations- und Kommunikationsmitteln nachgerüstet werden. Die Finanzierung soll ebenfalls über das Sondervermögen erfolgen.

Die NH90-Flotte der Bundeswehr soll für rund 1,3 Milliarden Euro modernisiert werden. Dabei handelt es sich um das Vorhaben „Software Release 3“, mit dem die Varianten TTH des Heeres und MRFH der Marine ausgestattet werden sollen. Zu den Verbesserungen zählen unter anderem die Integration eines neuen Multifunctional Displays (MFD), das Fluglagen- und missionstaktische Informationen visualisiert, sowie die Aufwertung von Navigations- und Identifikationssystemen. Speziell für die Fregattenversion sind zusätzliche Optimierungen vorgesehen, da dieser Typ über eine umfassendere Ausstattung an Sensoren sowie Navigations- und Kommunikationsgeräten verfügt.

Neben der Beschaffung neuen Großgeräts und der Modernisierung des vorhandenen plant das Heer vor allem die Beschaffung großer Mengen an Munition. Für die neuen Raketenartilleriesysteme vom Typ EuroPULS soll für insgesamt 852 Millionen Euro Munition beschafft werden. Zunächst ist die Beschaffung von Artillerie- und Übungsraketen mit einer Reichweite von bis zu 150 Kilometern vorgesehen. Dabei dürfte es sich um die Accular- und EXTRA-Raketen von Elbit Systems handeln. Im darauffolgenden Jahr ist dann die Beschaffung weiterer Wirkmittel geplant. Dabei soll es sich um Sperrraketen und Artillerieraketen mit einer Reichweite von bis zu 300 Kilometern handeln. Darüber hinaus ist die Beschaffung von Raketen- oder Lenkflugkörpersystemen mit einer Reichweite von mehr als 300 Kilometern sowie von Loitering Munition vorgesehen.

Raketenartillerie: Fünf PULS für die Bundeswehr bestellt
EuroPULS / Foto: Clemens Speer

Für die Panzerhaubitze 2000 sollen weitere SMArt-Geschosse für 663 Millionen Euro beschafft werden. SMArt 155 wurde im Oktober 2000 eingeführt, um gepanzerte Ziele auf größere Distanz effektiv bekämpfen und operative Schwerpunkte schnell verlagern zu können. Derzeit verfügt die Bundeswehr über rund 8.600 Geschosse dieses Typs.

Für die neuen Panzermörser vom Typ NEMO sollen 120-mm-Mörsergranaten im Wert von 533,75 Millionen Euro beschafft werden. Die Finanzierung erfolgt über den Einzelplan 14.

Für die Kampfhubschrauber Tiger sowie die neuen H145M LKH ist die Beschaffung zusätzlicher 70-mm-Raketen der Typen FZ209 und FZ204 geplant. Insgesamt sind hierfür 680 Millionen Euro vorgesehen, finanziert über das Sondervermögen und den Einzelplan 14.

Auch für die Granatmaschinenwaffen ist die Beschaffung weiterer Munition geplant. Vorgesehen sind 37,5 Millionen Euro für Sprengmunition sowie 99,4 Millionen Euro für Airburst-Munition.

Für die neuen Leichten Kampfhubschrauber vom Typ H145M LKH sollen zudem 20-mm-Gunpods beschafft werden. Insgesamt 110,5 Millionen Euro, finanziert über das Sondervermögen und den Einzelplan 14, sind hierfür vorgesehen.

Zu guter Letzt ist die Beschaffung neuer Fernmeldeausstattung für die Spezialkräfte der Bundeswehr über das Foreign-Military-Sales-Verfahren geplant. Insgesamt sind hierfür 207,4 Millionen Euro vorgesehen, finanziert über das Sondervermögen und den Einzelplan 14. Wahrscheinlich handelt es sich dabei um weitere Funkgeräte der AN/PRC-Familie.

Nicht auf besagter Liste aufgeführt, aber dennoch für das nächste Jahr geplant, sind folgende Vorhaben: Zum einen die Beschaffung von 75 weiteren Leopard 2 A8 Kampfpanzern. Dies kündigte Verteidigungsminister Boris Pistorius in München beim sogenannten Rollout des neuen Kampfpanzers der Bundeswehr an. Aktuell sind 123 Leopard 2 A8 für 3,45 Milliarden Euro bei KNDS Deutschland bestellt. Diese sollen bis Ende 2030 an die Truppe ausgeliefert werden. Als Erstes soll die in Litauen stationierte Panzerbrigade 45 mit den neuen Kampfpanzern ausgestattet werden. Die geplanten weiteren 75 Leopard 2 A8 sollen noch in diesem Jahr von den zuständigen Bundestagsausschüssen genehmigt werden und in den 2030er-Jahren der Truppe zulaufen. Bei einem geschätzten Systempreis von rund 20 Millionen Euro dürfte sich das Kostenvolumen auf mindestens 1,5 Milliarden Euro belaufen. Hinzu kommen voraussichtlich die Kosten für ein umfangreiches Logistikpaket mit Ersatzteilen und Wartungsverträgen.

KNDS und TATRA DEFENCE vereinbaren Kooperation für Leopard 2 A8 Produktion
Leopard 2 A8 | Foto: Bundeswehr/Jana Neumann

Das zweite Vorhaben, von dem wir ebenfalls wissen, dass es in diesem Jahr genehmigt werden soll, ist das Projekt „Arminius“. Im Rahmen des Programms „Arminius“ könnten mehr als 3.000 weitere GTK Boxer beschafft werden. Das potenzielle Gesamtvolumen des Vorhabens beläuft sich laut Rheinmetall-CEO Armin Papperger auf bis zu 40 Milliarden Euro. Die von Papperger genannte Summe würde allerdings nur dann erreicht, wenn der vollständige Bedarf der Streitkräfte gedeckt wird. Dieser liegt laut übereinstimmenden Medienberichten bei über 3.000 zusätzlichen Systemen. Mit dieser Menge ließen sich nicht nur die Vollausstattung der Truppe, sondern auch ein signifikanter Aufwuchs sowie eine großzügige Umlaufreserve realisieren. Die Auslieferung einer derart großen Anzahl an Fahrzeugen würde jedoch deutlich über das Jahr 2035 hinaus andauern.

Obwohl Insider gegenüber Hartpunkt bestätigt haben, dass „Arminius“ tatsächlich das Potenzial für mehrere tausend Fahrzeuge besitzt, plant die Bundeswehr im ersten Schritt „nur“ die Festbeauftragung von rund 1.800 Boxer-Fahrzeugen. Hierfür soll eine Rahmenvereinbarung mit der ARTEC GmbH geschlossen werden, die den Abruf verschiedener Fahrzeugvarianten ermöglicht. Statt für jede Variante einen separaten Vertrag abzuschließen, soll ein umfassender Rahmenvertrag mit einer Festabnahmemenge von etwa 1.800 Fahrzeugen sowie zusätzlichen Optionen vereinbart werden. Papperger erklärte in einem Analystengespräch, dass der Vertragsabschluss im ersten oder zweiten Quartal 2026 erfolgen könnte.

Luftwaffe

Die Luftwaffe plant – wie auch im letzten Jahr – weiterhin massiv in die Modernisierung des Eurofighters zu investieren. Insgesamt sind fünf 25-Millionen-Euro-Vorlagen im Gesamtwert von über 870 Millionen Euro vorgesehen. Dabei handelt es sich unter anderem um die Modernisierung der Flugfunkgeräte XT6929L sowie die Beschaffung neuer Helmsysteme für die Piloten.

Deutschland stationiert erneut Eurofighter in Polen
Eurofighter | Foto: Bundeswehr/Christian Timmig

Für die sich in Entwicklung befindliche Eurodrohne sollen 196 Millionen Euro für die Entwicklung des Detect-and-Avoid-Systems freigegeben werden. Die Finanzierung erfolgt über das Sondervermögen und den Einzelplan 14.

Wie auch in den Jahren zuvor sind weiterhin massive Investitionen in die bodengebundene Luftverteidigung geplant. So will die Luftwaffe in diesem Jahr das IRIS-T-SLX-System beschaffen. Bei IRIS-T SLX handelt es sich um eine weiterentwickelte Version des IRIS-T-SLM-Lenkflugkörpers, der die Infrastruktur der IRIS-T-SLM-Feuereinheiten nutzen soll. Dazu zählen insbesondere das bereits vorhandene Feuerleitsystem sowie die Radargeräte. Nach Angaben des Herstellers Diehl Defence soll die IRIS-T SLX eine Reichweite von bis zu 80 Kilometern und eine maximale Einsatzhöhe von rund 30 Kilometern erreichen. Damit liegt ihre Leistungsfähigkeit voraussichtlich etwas unter der der im Patriot-System verwendeten Lenkflugkörper.

Neben der Beschaffung der SLX-Version sollen auch weitere SLM-Lenkflugkörper beschafft werden. Für insgesamt 300 Millionen Euro sollen weitere dieser Abfangflugkörper aus dem bestehenden Rahmenvertrag abgerufen werden.

Auch für das PATRIOT-Flugabwehrsystem sollen zusätzliche Lenkflugkörper beschafft werden. Insgesamt sind 1,5 Milliarden Euro für die Beschaffung weiterer PAC-2 GEM-T-Lenkflugkörper vorgesehen. Angesichts vorangegangener Bestellungen dürfte es sich hierbei um rund 300 Lenkflugkörper handeln.

PAC-2 GEM-T | Foto: RTX

Als Bewaffnung für die neuen Mehrzweckkampfflugzeuge des Typs F-35A ist die Beschaffung von AIM-120D-3 AMRAAM geplant. Deutschland hat den Erwerb von 400 AIM-120D-3 Advanced Medium Range Air-to-Air Missiles (AMRAAM), also Luft-Luft-Lenkflugkörpern mittlerer Reichweite, in den USA beantragt. Diese Anfrage wurde vom US-Außenministerium bereits genehmigt. Das Kostenvolumen beläuft sich auf bis zu 1,23 Milliarden Euro. In einem ersten Schritt sollen jedoch zunächst nur Lenkflugkörper im Wert von 207,9 Millionen Euro beschafft werden.

Zu guter Letzt sollen weitere 110 Millionen Euro in die Transportmaschinen des Typs A400M investiert werden. Die Vorlage trägt den Titel „A400M EUA DOB“. Leider konnte ich nicht recherchieren, worum es sich dabei im Detail handelt.

Marine

Mit Abstand die meisten Vorhaben auf der Liste sind für die Marine geplant. Darunter befindet sich auch das wohl teuerste Rüstungsprojekt in der Geschichte der Bundeswehr – zumindest aber der Deutschen Marine: die Beschaffung von acht neuen Flugabwehrfregatten der Klasse F127. Insgesamt sind 26,18 Milliarden Euro für dieses Beschaffungsvorhaben vorgesehen, finanziert über den Einzelplan 14. In dieser Summe sind jedoch nicht nur die Schiffe selbst, sondern auch die erforderliche Munition, Ersatzteile usw. enthalten. So sollen allein für rund 3 Milliarden Euro insgesamt 750 Flugabwehrraketen der Typen Standard Missile 2 und 6 beschafft werden. Die F127 soll ab 2034 die Fregatten der Sachsen-Klasse ersetzen.

Beschaffungsplan 2026: 70 Vorhaben für 48 Milliarden Euro
F127 | Foto: thyssenkrupp Marine Systems

Bis es jedoch so weit ist, sollen die Einheiten der Sachsen-Klasse modernisiert werden, um ihren Kampfwert zu erhalten. Für 73 Millionen Euro ist die Modernisierung des Führungs- und Waffeneinsatzsystems geplant. Dabei dürfte es sich sehr wahrscheinlich um die Einrüstung des CMS 330 von Lockheed Martin Canada handeln, welches das neue Standard-Führungs- und Waffeneinsatzsystem der Deutschen Marine werden soll. Weitere 72,1 Millionen Euro sind für die Integration des neuen Bordhubschraubers NH90 MRFH Sea Tiger vorgesehen.

Angesichts dessen, dass auch die neuen U-Jagd-Fregatten der Klasse F126 noch auf sich warten lassen, sollen zudem die vier Fregatten der Brandenburg-Klasse modernisiert werden. Das Vorhaben trägt den Titel „Fregatte 123 – Sicherstellen der Einsatzverfügbarkeit“ (F123 SdEV) und hat ein Volumen von rund 1,2 Milliarden Euro. In diesem Jahr sollen 187 Millionen Euro für die Beschaffung des Anti-Submarine-Warfare-Pakets freigegeben werden. Dieses Paket umfasst den Ersatz der Bugsonaranlage, die Einrüstung eines Soft-Kill-Torpedoabwehrsystems, die Einrüstung eines Schleppsonars sowie die Einrüstung eines Sonarbojen-Systems. Nach abgeschlossener Modernisierung werden die Fregatten als F123B bezeichnet.

Auch die U-Boote der Klasse 212 A sollen weiter modernisiert werden. Bereits im letzten Jahr wurden knapp eine Milliarde Euro für deren Mid-Life-Update freigegeben. Nun sollen weitere 70 Millionen Euro in die Modernisierung der Kommunikationsmittel fließen. Dabei handelt es sich um Satellitenkommunikation sowie um die Wiederaufnahme des Vorhabens CALLISTO.

Da sich auch die neuen Minenjagdboote aufgrund von Kostenexplosionen verzögern, soll die Nutzungsdauer der zehn Boote der Klasse MJ332 bis 2040 verlängert werden. Insgesamt sind 1,288 Milliarden Euro für diese Modernisierung vorgesehen.

Als Ersatz für die veralteten Betriebsstofftransporter der Rhön-Klasse erhält die Marine bereits zwei neue Flottentanker der Klasse 707. Der Bedarf der Marine liegt jedoch bei drei Einheiten, weshalb in diesem Jahr für 406 Millionen Euro ein dritter Tanker beschafft werden soll.

Klasse 707
Klasse 707 | Foto: NVL Group

Zur Verbesserung der Ausbildung der Deutschen Marine sollen zwei Boote im Rahmen des Vorhabens „Seebasierte Ausbildung Marine und Seeversuche See“ beschafft werden. Ursprünglich waren dafür 134,35 Millionen Euro veranschlagt. Mittlerweile belaufen sich die Kosten jedoch wohl auf 270 Millionen Euro.

Für das Seebataillon sollen mindestens 40 Mehrzweck-Kampfboote (MZKB) beschafft werden, deren Hauptaufgaben der Marineinfanterie-Einsatz und der maritime Jagdkampf sein werden. Zukünftig soll ein Teil dieser Mehrzweck-Kampfboote unbemannt betrieben werden. In einem ersten Schritt werden vermutlich nur 15 Mehrzweck-Kampfboote beschafft; hierfür sind 161,2 Millionen Euro vorgesehen.

Neben dem Seebataillon soll auch das Kommando Spezialkräfte der Marine neue Kampfboote erhalten. Insgesamt sind 100 Millionen Euro für dieses Vorhaben vorgesehen. Ziel ist es, die Fähigkeit der Kampfschwimmer, sich schnell und flexibel auf dem Wasser fortzubewegen, deutlich zu verbessern. Welcher Bootstyp konkret ausgewählt werden soll, wurde bislang nicht offiziell bekanntgegeben. Experten vermuten jedoch, dass die deutschen Spezialkräfte ein ähnliches Modell wie die US-amerikanischen Navy SEALs anstreben könnten – ein vielseitig einsetzbares Kampfboot mittlerer Größe, das seit etwa 2015 bei den US-Streitkräften im Einsatz ist. Auch die britischen Spezialkräfte sollen ein vergleichbares Boot über ein Abkommen mit den USA erworben haben.

Des Weiteren sollen im Rahmen des Projekts „Taktische Mobilität auf dem Wasser – Binnengewässer“ insgesamt zwölf Boote für das KSM beschafft werden, mit denen Einsätze in Binnengewässern ermöglicht werden. Insgesamt sind 33,8 Millionen Euro für dieses Vorhaben vorgesehen.

Weitere 81,42 Millionen Euro sollen in die Sonaranlage des NH90 MRFH Sea Tiger investiert werden. Worum es dabei genau geht, konnte ich leider nicht recherchieren.

Zur Verbesserung der Aufklärungsfähigkeiten der Marineinfanterie ist die Beschaffung zusätzlicher Aufklärungsdrohnen des Typs LARUS geplant. Die Marine verfügt bereits über sechs LARUS-Aufklärungsdrohnen. Nun soll der Haushaltsausschuss einer Ergänzungsbeschaffung im Wert von 98 Millionen Euro zustimmen.

Zur Abwehr von Drohnen und Raketen will die Marine künftig auch Laserwaffen einsetzen. Dazu sollen zunächst drei Demonstrationsgeräte für 502,9 Millionen Euro im Rahmen des Vorhabens „Hochpräzise und skalierbare Wirkung gegen agile/signaturarme Ziele im Nah- und Nächstbereich schwimmender Systemträger der Marine“, kurz HoWisM, beschafft werden. Wem das für drei Demonstrationsgeräte etwas teuer erscheint, hat recht. Trotz vorhandener Konkurrenz, die bereits leistungsfähigere Systeme am Markt anbietet, will die Bundesregierung nach Informationen von WELT AM SONNTAG ohne öffentliche Ausschreibung einen sogenannten Direktvertrag an Rheinmetall vergeben. Ob die Haushälter dieser Vorlage zustimmen werden, bleibt abzuwarten. Ihre Behandlung war ursprünglich bereits für den 17. Dezember 2025 geplant, wurde jedoch auf dieses Jahr verschoben.

Als Ersatz für die Marineleichtgeschütze MLG 27 ist die Beschaffung eines neuen 30-mm-Waffensystems im Rahmen des Vorhabens „querschnittliche Nachfolgelösung für das Marineleichtgeschütz“ (qNFMLG) geplant. Hintergrund ist dabei weniger die Befähigung zum Kampf gegen Überwasserziele als vielmehr die wirksame Abwehr von Drohnen. Geplant ist der Abschluss eines Rahmenvertrags mit einer Laufzeit vom 1. September 2026 bis zum 31. August 2041. Der Vertrag soll die Herstellung und Lieferung von bis zu 175 Maschinenkanonen im Kaliber 30 × 173 mm sowie Zubehör wie Sonderwerkzeugsätze, Ersatzteilpakete und Ausbildungsleistungen umfassen. Davon sollen zunächst 75 Systeme verbindlich beschafft werden, weitere 100 optional. Insgesamt sind 333 Millionen Euro für dieses Projekt vorgesehen.

Weitere 57 Millionen Euro sollen in die Weiterentwicklung des ESSM Block 2 Lenkflugkörpers investiert werden. Worum es dabei konkret geht, konnte ich leider nicht recherchieren.

Für rund 60 Millionen Euro ist die Beschaffung neuer oder die Modernisierung bestehender Bordanlagen für den Seezielflugkörper RBS15 geplant.

Von diesem sollen auch weitere Flugkörper beschafft werden. Hierfür sollen 755 Millionen Euro freigegeben werden. Der RBS15 kommt derzeit auf den Korvetten der Braunschweig-Klasse zum Einsatz. Künftig soll der Lenkflugkörper auch auf den Fregatten der Klasse F123 sowie möglicherweise auf den geplanten Küstenflugkörperbatterien eingesetzt werden. Abzuwarten bleibt, ob weitere Lenkflugkörper der bereits eingeführten Mk3-Variante oder die neue Mk4-Version beschafft werden.

Auch für die neuen Bordhubschrauber vom Typ NH90 MRFH Sea Tiger sollen See- und Landziellenkflugkörper beschafft werden. Die Marine favorisiert hier offenbar die MARTE ER von MBDA. Dieser Lenkflugkörper verfügt über eine Reichweite von über 100 Kilometern und die Fähigkeit, sowohl See- als auch Landziele zu bekämpfen. Insgesamt sind 250 Millionen Euro für dieses Projekt vorgesehen.

Zur Verbesserung der U-Jagd-Fähigkeiten ist die Beschaffung einer ganzen Reihe zusätzlicher leichter und schwerer Torpedos geplant. Für die U-Boote der Klasse 212 A sollen weitere DM2A4 Seehecht Schwergewichtstorpedos im Wert von 52,2 Millionen Euro beschafft werden.

Für die neuen Bordhubschrauber sowie die Fregatten der Sachsen-Klasse ist die Beschaffung zusätzlicher MU90 Torpedos vorgesehen. Insgesamt sind hierfür 78,2 Millionen Euro eingeplant.

Für die Seefernaufklärer vom Typ P-8A Poseidon sollen weitere Mk54 Torpedos im Wert von 150 Millionen Euro beschafft werden. Bislang wurden bereits 48 Mk54-Torpedos – davon 36 Gefechts- und 12 Übungstorpedos – für 121,78 Millionen Euro bestellt. Bei der geplanten Ergänzungsbeschaffung dürfte es sich daher vermutlich um eine vergleichbare Stückzahl handeln.

Zum besseren Schutz von Überwassereinheiten vor feindlichen U-Booten und deren Torpedos ist die Entwicklung eines Anti-Torpedo-Torpedos geplant. Insgesamt sind hierfür 70 Millionen Euro vorgesehen. Dabei dürfte es sich um das SeaSpider System von TKMS handeln.

Für die 127-mm-Schiffsgeschütze der Baden-Württemberg-Klasse ist die Beschaffung von VULCANO 127 mm GLR Munition geplant. Dabei handelt es sich um gelenkte Munition mit einer Reichweite von bis zu 80 Kilometern. Insgesamt sind 571 Millionen Euro für dieses Vorhaben vorgesehen.

Für die 76-mm-Schiffsgeschütze, die auf den Fregatten der Klassen F124 und F123 sowie auf den Korvetten der Klasse K130 zum Einsatz kommen, ist die Beschaffung von Übungsmunition im Wert von 243,4 Millionen Euro geplant.

Zusammen mit Dänemark, Finnland, Litauen und Norwegen plant Deutschland die Beschaffung neuer Seeminen. Das Vorhaben trägt den Titel „Naval Mines Cooperation“ (NMC) und wird von Finnland geleitet. Insgesamt sind 114,14 Millionen Euro für dieses Projekt eingeplant.

Zu guter Letzt ist die Beschaffung von Schutzausrüstung für Häfen im Wert von 35,25 Millionen Euro vorgesehen.

Cyber- und Informationsraum

Im Bereich Cyber- und Informationsraum liegt der Fokus auf der weiteren Digitalisierung der Truppe sowie der Verbesserung der eigenen Fähigkeiten im elektronischen Kampf. Für Letzteres sollen in diesem Jahr zwei wichtige Vorhaben angestoßen werden.

Zum einen ist die Beschaffung des Mobilen Aufklärungsunterstützungssystems (MAUS) als Ersatz für die TPz FUCHS PEILER und DINGO EloKa-Tr EMU geplant. Dieses Vorhaben soll die Fähigkeiten zur Peilung und Ortung von Gegnern verbessern. Insgesamt sind 663 Millionen Euro für das Vorhaben vorgesehen.

Als Ersatz für die TPz Fuchs EloKa ist zudem die Beschaffung des „Geschützten Systems zum Stören gegnerischer Kommunikation“ (Gesch Sys SgK) geplant. Hierbei handelt es sich um einen Störpanzer auf Basis des GTK Boxer. Es sind zwei Varianten vorgesehen: eine Variante für das Jamming im UHF/VHF-Frequenzband sowie eine Variante für Störmaßnahmen im HF-Frequenzband. Insgesamt sind 500 Millionen Euro für dieses Vorhaben eingeplant.

Im Rahmen des Vorhabens „Digitalisierung landbasierter Operationen“ (D-LBO) ist die Beschaffung weiterer Führungsfunkgeräte für 387 Millionen Euro geplant.

Ebenfalls zur Verbesserung der Kommunikations- und Führungsfähigkeiten der Truppe ist die Beschaffung von Troposcatter-Systemen im Wert von 110 Millionen Euro im Rahmen des Vorhabens „Taktisches Wide Area Network Landbasierte Operationen“ (TaWAN LBO) vorgesehen. Bei Troposcatter, auch Troposphärenfunk genannt, handelt es sich um eine besondere Variante der Richtfunktechnologie. Dabei werden die gesendeten Funkwellen in circa 13 Kilometern Höhe von der Troposphäre reflektiert. Ein wesentlicher Vorteil gegenüber herkömmlichen Richtfunkverbindungen besteht darin, dass größere Distanzen überbrückt werden können, ohne dass eine freie Sichtverbindung zwischen Sender und Empfänger bestehen muss.

Weitere 485,6 Millionen Euro sind für das Vorhaben „European Secure Software Defined Radio“ (ESSOR) vorgesehen. Das Projekt zielt darauf ab, die Kommunikationsfähigkeit europäischer Streitkräfte zu Land, zu Wasser und in der Luft durch die Entwicklung softwaredefinierter Militärfunkgeräte zu verbessern. Dabei werden verschiedene Wellenformen entwickelt, deren langfristige Kompatibilität durch ein zentrales Verwaltungszentrum sichergestellt wird.

Für 95 Millionen Euro sollen weitere Multimedia-Fahrzeugsysteme vom Typ SOTAS der zweiten Generation beschafft werden. Bei SOTAS handelt es sich um ein modernes Kommunikationssystem, das speziell für militärische und sicherheitsrelevante Einsatzfahrzeuge entwickelt wurde. Das System kombiniert hochwertige Sprachkommunikation mit digitalen Audioübertragungen und integrierten Filterverfahren, wodurch ein beschleunigter Informationsaustausch ermöglicht wird.

Zu guter Letzt ist die Beschaffung digitaler Fernerkundungsdaten im Wert von 71,25 Millionen Euro geplant.

Unterstützungsbereich

Für den Unterstützungsbereich stehen lediglich zwei Vorhaben auf der Liste. Zum einen die Beschaffung neuer geschützter Transportfahrzeuge der Zuladungsklasse 5 Tonnen. Die Bundeswehr hat einen Bedarf von 3.500 solcher Fahrzeuge in zwei Varianten – mit und ohne Selbstbergewinde. Zunächst sollen allerdings nur wenige Lkw im Wert von 61,5 Millionen Euro beschafft werden.

Beim zweiten Vorhaben für den Unterstützungsbereich geht es um die Beschaffung weiterer Werkstattausstattung für die mobile Instandhaltung bzw. Behelfs- und Gefechtsschadeninstandsetzung sowie Wartung. Insgesamt sind 56,12 Millionen Euro dafür vorgesehen.

Bekleidung und persönliche Ausrüstung

Im Bereich der Bekleidung und persönlichen Ausrüstung liegt der Fokus auf dem Soldatensystem „Infanterist der Zukunft – Erweitertes System“ (IdZ-ES). Für insgesamt 1,72 Milliarden Euro sollen weitere Systeme aus dem am 6. Februar 2025 geschlossenen Rahmenvertrag abgerufen werden. Der Rahmenvertrag hat ein Volumen von 3,1 Milliarden Euro und ermöglicht die Beschaffung von bis zu 368 IdZ-ES-Zugsystemen. Bisher wurden bereits 24 neue Zugsysteme sowie die Modernisierung von 68 Bestandssystemen für 417,7 Millionen Euro beauftragt. Für weitere 116 Millionen Euro sollen entweder zusätzliche Batterielager- und Ladecontainer für das IdZ-ES beschafft oder vorhandene modernisiert werden.

IdZ-ES: Bundeswehr erhält weitere 24 Zugsysteme
IdZ-ES | Foto: Rheinmetall AG / Marcus Jacobs

Zur Verbesserung der Streitkräftegemeinsamen Taktischen Feuerunterstützung (STF) ist die Beschaffung von Joint Fire Support Teams abgesessen geplant. Für insgesamt 88,7 Millionen Euro soll eine ungenannte Anzahl an Systemen beschafft werden. Der Gesamtbedarf der Bundeswehr bis 2031 lag gemäß altem Fähigkeitsprofil bei 109 Systemen.

Zur Verbesserung des Schutzes der Soldaten sowie der Kommunikation untereinander in Gefechtssituationen ist die Beschaffung weiterer Sprechsätze mit Gehörschutzfunktion (SMG) vorgesehen. Aus dem Rahmenvertrag über 191.000 SMG im Wert von 400 Millionen Euro wurden bereits 110.000 Sätze für 288 Millionen Euro bestellt. Davon wurden bereits 60.000 Sätze an die Truppe ausgeliefert. Dieses Jahr sollen nun weitere SMG im Wert von 118,3 Millionen Euro bestellt werden.

Zur Verbesserung der Ausbildung und Übung ist die Beschaffung des Ausbildungsgeräts Duellsimulator Handwaffen 2. Generation für 110 Millionen Euro geplant.

Zu guter Letzt ist die Beschaffung von Munition vorgesehen: Für 155,3 Millionen Euro sollen weitere 12,7-mm-Weichkernmunition für die schweren Maschinengewehre beschafft werden. Für 214,7 Millionen Euro ist die Beschaffung von 5,56 mm × 45-Weichkernmunition geplant, und für weitere 7,7 Millionen Euro soll zusätzliche Manövermunition im Kaliber 5,56 mm × 45 beschafft werden.

Fazit

Insgesamt handelt es sich um über 70 Vorhaben mit einem Gesamtvolumen von mindestens 48 Milliarden Euro – ein äußerst ambitionierter Beschaffungsplan. Wie viel davon am Ende tatsächlich umgesetzt wird, werden wir uns zum Jahresende anschauen. Wenn ihr das also nicht verpassen wollt, abonniert gerne den Kanal. Das kostet nichts und hilft uns enorm weiter.

An dieser Stelle möchte ich noch betonen, dass es sich hierbei um eine vorläufige Planung handelt. Es ist gut möglich, dass einzelne Vorhaben vorgezogen oder nach hinten verschoben werden. Ebenso kann es sein, dass bestimmte Projekte gar nicht behandelt werden oder im Laufe der Zeit neue Vorhaben hinzukommen.

Geht man die Liste im Detail durch, wird schnell deutlich, dass es dem Verteidigungsministerium zunächst darum geht, die Truppe möglichst schnell – spätestens jedoch bis 2029 – kriegstüchtig zu machen. Entsprechend wird stark in die Modernisierung vorhandenen Materials, die Schließung besonders drängender materieller Fähigkeitslücken sowie in die Beschaffung von Munition investiert. Der geplante Aufwuchs der Bundeswehr soll im Anschluss bis 2035 realisiert werden.

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