BEAST: Entwicklung modularer Kurzstreckenflugkörper-Familie beginnt

BEAST: Entwicklung modularer Kurzstreckenflugkörper-Familie beginnt
BEAST | Foto: Diehl Defence

Der europäische Projektverbund BEAST hat in Brüssel offiziell seine Arbeit aufgenommen. Ziel ist die Entwicklung eines modularen Lenkflugkörpers kurzer Reichweite, der die Luftkampffähigkeiten und Luftverteidigung in Europa stärken soll.

Das von Diehl Defence koordinierte BEAST-Konsortium wurde 2025 im Rahmen des Europäischen Verteidigungsfonds (EDF) ausgewählt. In den kommenden drei Jahren sollen Anforderungen, Technologien und Konzepte für eine neue Generation Lenkflugkörpers kurzer Reichweite erarbeitet werden, die ab den 2030er Jahren einsatzreif sein sollen.

Projektstart in Brüssel

Die Auftaktveranstaltung für BEAST („Boosting European Advanced Missile System Technology“) fand am 25. November 2025 in der Vertretung des Landes Baden-Württemberg bei der EU in Brüssel statt. Neben den Partnerunternehmen und Vertretern der EU-Kommission aus der Generaldirektion Verteidigungsindustrie und Raumfahrt (DG DEFIS) nahmen Delegationen aus den Herkunftsländern der Projektpartner sowie der Koordinator des PESCO-Projekts „Future Short-Range Missile“ (FSRM) teil.

Der Teilnehmerkreis spiegelt die sicherheitspolitische Bedeutung des Vorhabens und die enge Verzahnung mit anderen EU-Verteidigungsinitiativen wider. BEAST gilt als industriepolitische Umsetzung von Arbeiten innerhalb des PESCO-Projekts FSRM, das operative Anforderungen und Konzepte für einen zukünftigen Luft-Luft-Lenkflugkörper kurzer Reichweite erarbeitet.

Jetzt Steady-Mitglied werden!

Zielsetzung: Modulare Kurzstreckenflugkörperfamilie

BEAST ist als Konzeptstudie für einen zukünftigen modularen Kurzstreckenflugkörper angelegt, der in verschiedenen Rollen eingesetzt werden kann. Vorgesehen ist eine Raketenfamilie für Luft-Luft-Einsätze, Luft-Boden-Missionen sowie bodengebundene Luftverteidigungssysteme. Die Projektpartner sehen Modularität als zentrale Anforderung, um Konfigurationen schneller an Bedrohungslagen anpassen und kosteneffizient Varianten entwickeln zu können.

Das Projekt zielt darauf ab, die Grundlage für eine gemeinsame europäische Entwicklung und Beschaffung eines künftigen Systems zu legen. Zugleich soll die Abhängigkeit von außereuropäischen Exportkontrollregimen reduziert werden: Im zugehörigen PESCO-Projekt FSRM wird explizit auf ITAR-Freiheit abgehoben, also auf Flugkörper ohne US-Exportkontrollbeschränkungen. Nach PESCO-Angaben sollen die künftigen Kurzstreckenraketen insbesondere moderne Kampfflugzeuge der fünften und später sechsten Generation bekämpfen können.

Aufbau und Finanzierung des Projekts

BEAST ist auf drei Phasen angelegt. Zunächst wird das zukünftige Luftkampfumfeld analysiert und es werden in Abstimmung mit Fachleuten aus EU-Mitgliedstaaten die operativen und technischen Anforderungen erfasst. In einem zweiten Schritt sollen Schlüsseltechnologien identifiziert und vorbereitet werden, um Leistungssteigerungen und neue Fähigkeiten zu ermöglichen, etwa bei Sensorik, Steuerung oder Gefechtsköpfen. In der dritten Phase werden modulare Flugkörperkonzepte entwickelt, mit den zuvor definierten Anforderungen abgeglichen und eine Vorauswahl für ein mögliches späteres Entwicklungsprogramm getroffen.

Der Europäische Verteidigungsfonds fördert BEAST im Arbeitsprogramm 2024 mit rund 35 Millionen Euro. Der Projektzeitraum ist auf 36 Monate angelegt und soll damit voraussichtlich bis Ende 2028 laufen. Die EU betont, dass die geäußerten Inhalte allein den Projektbeteiligten zuzurechnen sind und nicht zwingend die Position der Union wiedergeben.

Konsortium aus zwölf Ländern

Koordiniert wird BEAST von Diehl Defence mit Sitz in Überlingen, das seit Jahrzehnten im Lenkflugkörperbereich tätig ist und unter anderem am europäischen IRIS‑T-Programm beteiligt ist. Das Konsortium umfasst 21 Partner aus 12 europäischen Staaten, darunter große Rüstungsunternehmen, elf kleine und mittlere Unternehmen sowie drei Forschungseinrichtungen. Damit deckt der Verbund nach eigenen Angaben das gesamte Spektrum relevanter Fachdisziplinen für Flugkörpertechnik ab, von Sensorik und Antrieb über Gefechtsköpfe bis hin zu Steuerungs- und Missionssystemen.

Die Projektstruktur ist auf grenzüberschreitende Zusammenarbeit angelegt und soll die industrielle Basis der europäischen Verteidigungsindustrie stärken. Nach Angaben der EU-Kommission ist BEAST eines von mehreren groß angelegten EDF-Projekten, mit denen insbesondere Luft- und Raketenabwehrfähigkeiten der EU ausgebaut werden sollen.

Mit WhatsApp immer bestens informiert!

Abonniere unseren WhatsApp-Kanal, um Neuigkeiten direkt aufs Handy zu erhalten. Einfach unten auf den Button klicken und dem Kanal beitreten:

Total
0
Shares
Related Posts
Total
0
Share