Ballistische Raketen für die Bundeswehr?

Ballistische Raketen für die Bundeswehr?
Missile Balistique Theatre (MBT) | Foto: ArianeGroup

Der europäische Raketenbauer ArianeGroup hat Vorgespräche mit der Bundesregierung über die mögliche Entwicklung ballistischer Raketen bestätigt. Das Unternehmen bietet Reichweiten von mindestens 1.000 bis über 3.000 Kilometern an.

Münchener Sicherheitskonferenz als Kulisse

Im Vorfeld der Münchener Sicherheitskonferenz 2024 erläuterte Vincent Pery, Direktor der Militärprogramme bei ArianeGroup, gegenüber Journalisten, dass sein Unternehmen mit mehreren europäischen Regierungen Sondierungsgespräche führe – darunter auch mit der Bundesregierung. Die ArianeGroup ist zu gleichen Teilen im Besitz von Airbus und Safran und produziert unter anderem die U-Boot-gestützte französische Atomrakete M51.

Bereits im Juni 2023 hatte das Unternehmen auf der Paris Air Show zwei Konzeptentwürfe unter der Bezeichnung Missile Balistique Theatre (MBT) vorgestellt – eine einstufige und eine mehrstufige Variante. Nach Experteneinschätzungen liegt die Reichweite der einstufigen Version bei mindestens 1.000 Kilometern, die mehrstufige Variante soll realistischerweise rund 2.500 Kilometer erreichen können. Die Raketen sollen ausschließlich konventionelle Sprengköpfe tragen.

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Bundeswehr setzt bislang auf Marschflugkörper

Die Bundeswehr prüft beim Thema Weitreichende Präzisionswaffen (sogenannte Deep Precision Strikes) bislang vorrangig den Einsatz von Marschflugkörpern. So hatte das Verteidigungsministerium bereits im Sommer 2025 beim US-Verteidigungsministerium die Beschaffung US-amerikanischer Tomahawk-Marschflugkörper angefragt – eine Antwort steht nach wie vor aus.

Parallel dazu beteiligt sich Deutschland an der multilateralen Initiative ELSA (European Long-Range Strike Approach), die im Juli 2024 vereinbart wurde. Neben Deutschland gehören Frankreich, Italien, Polen, Schweden und das Vereinigte Königreich zu den Unterzeichnern. Ziel ist die gemeinsame Entwicklung konventioneller Präzisionswaffen mit mehr als 2.000 Kilometern Reichweite. Im Rahmen von ELSA haben Deutschland und Großbritannien zudem bilateral die Entwicklung einer Abstandswaffe vereinbart; technische Details blieben dabei öffentlich nicht genannt.

Hyperschallwaffen als strategische Option

Als ergänzende Perspektive gelten sogenannte Hyperschallwaffen (über Mach 5), die innerhalb der Atmosphäre komplexe Ausweichmanöver fliegen und damit für gegnerische Abwehrsysteme deutlich schwerer abzufangen sind als klassische ballistische Raketen. Eine Option ist ein Hypersonic Glide Vehicle (HGV): Ein solcher Gleiter wird von einer Trägerrakete in die obere Atmosphäre oder den Weltraum gebracht und nähert sich dann mit Hyperschallgeschwindigkeit seinem Ziel.

Beobachter gehen davon aus, dass Deutschland in diesem Bereich eine eigene nationale Fähigkeit anstrebt. In Deutschland verfügt bislang lediglich Bayern-Chemie, eine Tochterfirma von MBDA Deutschland, über nennenswerte Expertise im Bau von Feststoffraketen; das dort entwickelte Triebwerk „RED KITE“ könnte prinzipiell für Hyperschallanwendungen genutzt werden, dürfte aber für ein vollwertiges HGV-System noch nicht ausreichen.

ArianeGroup als potenzieller Industriepartner

Die ArianeGroup verfügt über Produktionsstätten in Deutschland und blickt auf jahrzehntelange Erfahrung im Raketenbau zurück. So hat ArianeGroup zuletzt mit der zivilen Trägerrakete Ariane 6 – in ihrer leistungsstärksten Konfiguration – erfolgreich 32 Satelliten in die Umlaufbahn gebracht.

Nach Informationen aus Unternehmenskreisen prüft ArianeGroup derzeit, an einem deutschen Standort eine eigene Raketentreibstoffproduktion aufzubauen. Dieser Schritt würde potenziell sowohl ballistische Langstreckenraketen als auch HGV-Trägersysteme versorgen können. Eine militärische Nutzung von ArianeGroup-Technologie durch Deutschland würde jedoch die Zustimmung der französischen Regierung voraussetzen, da es sich um ein binational kontrolliertes Unternehmen handelt.

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