Beim Abschluss seiner Indo-Pazifik-Reise hat Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius in Brisbane das Rheinmetall-Werk besichtigt und ist im ersten australisch gefertigten Schweren Waffenträger für die Bundeswehr mitgefahren. Neben dem Fahrzeugprogramm stehen auch Drohnen und Laserwaffen auf der deutsch-australischen Kooperationsagenda.
Premiere in Queensland
Im Rheinmetall-Werk im Großraum Brisbane präsentierte der Rüstungskonzern erstmals ein fertig montiertes Exemplar des Schweren Waffenträgers Infanterie – ein auf dem Boxer-Radpanzer basierendes Gefechtsfahrzeug, das für die neuen Mittleren Kräfte des deutschen Heeres vorgesehen ist. Pistorius und sein australischer Amtskollege für Verteidigungsindustrie, Pat Conroy, besichtigten gemeinsam die Produktionsstraße und nahmen an einer Probefahrt über das Werksgelände teil.
Der Auftrag an Rheinmetall Defence Australia umfasst insgesamt 123 Fahrzeuge – über 100 davon werden in Queensland gefertigt und nach Deutschland exportiert, rund 20 weitere kommen aus deutscher Produktion hinzu. Es handelt sich um den bislang größten Militärexport Australiens an Deutschland, mit einem Gesamtvolumen inklusive Wartung von rund 2,7 Milliarden Euro. Die ersten Fahrzeuge sollen noch 2026 geliefert werden, sodass die Bundeswehr ab Juli mit der Ausbildung beginnen kann.

Warum Australien produziert
Pistorius begründet die Auftragsvergabe ins Ausland mit fehlenden Produktionskapazitäten in Deutschland. Da die australische Armee den Boxer bereits nutzt, sind die notwendigen Fertigungslinien und das entsprechende Fachwissen vor Ort vorhanden – was die Lieferzeiten verkürzt. Rheinmetall betreibt sein Kompetenzzentrum für militärische Fahrzeuge in Redbank, Südost-Queensland, wo bereits seit 2020 Boxervarianten und andere Militärfahrzeuge gebaut werden.
Die Kooperation geht über die reine Fahrzeugproduktion hinaus: Vereinbart wurden auch Technologietransfer, industrielle Zusammenarbeit, Ausbildungsunterstützung sowie gemeinsame Wartungs- und Logistiklösungen. Pistorius betonte, die Partnerschaft stehe für eine Kombination aus deutschem Ingenieur-Know-how und australischer Produktionskapazität, die beiden Nationen zugutekäme.
Neue Absichtserklärung für Gefechtskopfprogramm
Neben dem laufenden Boxer-Projekt wurde in Brisbane eine weitere Absichtserklärung unterzeichnet: Ein deutsches Rüstungsunternehmen und das australische Verteidigungsministerium vereinbarten die Option zur gemeinsamen Entwicklung, Produktion und Wartung von Gefechtsköpfen, die vorrangig für den maritimen Bereich gedacht sind.
Ghostbat und Laserwaffen im Fokus
Auf einem australischen Luftwaffenstützpunkt informierte sich Pistorius über die Boeing MQ-28 „Ghost Bat“ – eine KI-gestützte Kampfdrohne, die als sogenannter „Loyal Wingman“ unbemannte Missionen in Ergänzung zu bemannten Kampfflugzeugen durchführen kann. Deutschland prüft derzeit verschiedene Modelle für die Beschaffung von Jagdbomberdrohnen zur Ergänzung der Luftwaffenfähigkeiten; die Ghost Bat ist eine der evaluierten Optionen. Die MQ-28 wurde von Boeing Australia gemeinsam mit der Royal Australian Air Force entwickelt und gilt als erstes in Australien entworfenes Militärflugzeug seit über 50 Jahren.
Bereits in Canberra hatte Pistorius das auf Lasertechnologie spezialisierte Unternehmen Electro Optic Systems (EOS) besucht. Vorgestellt wurden zwei Systeme: eines zur Bekämpfung und Zerstörung von Satelliten sowie ein weiteres zur Drohnenabwehr, das mehrere Ziele pro Minute ausschalten soll. EOS unterbreitete Pistorius ein konkretes Angebot über zehn Systeme mit je 100 Kilowatt Laserleistung für insgesamt 380 Millionen Euro – ein Preis, der deutlich unter bisherigen deutschen Planungsansätzen liegt.
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