Rheinmetall und Destinus wollen gemeinsam Marschflugkörper und ballistische Raketenartillerie in Serienreife produzieren. Dafür planen sie ein neues Gemeinschaftsunternehmen mit Sitz in Niedersachsen.
Kooperation zweier Rüstungsunternehmen
Der Düsseldorfer Technologiekonzern Rheinmetall und Destinus, ein auf skalierbare Angriffs- und Abfangsysteme spezialisiertes Unternehmen mit Hauptsitz in den Niederlanden, haben am 13. April 2026 eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet. Das geplante Joint Venture trägt den Namen „Rheinmetall Destinus Strike Systems“ und soll in der zweiten Jahreshälfte 2026 offiziell gegründet werden – vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen. Rheinmetall wird mit 51 Prozent die Mehrheit der Anteile halten, Destinus kommt auf 49 Prozent.

Produktfokus: Marschflugkörper und Raketenartillerie
Das Gemeinschaftsunternehmen soll fortschrittliche Marschflugkörpersysteme fertigen, montieren, erproben und ausliefern. Hinzu kommt ballistische Raketenartillerie. Das neue Unternehmen wird seinen Sitz in Unterlüß, Niedersachsen, haben – einem Standort, in den Rheinmetall bereits erheblich investiert. Laut NDR fließen dort allein 35 Millionen Euro in den Aufbau neuer Produktionsanlagen, der Betrieb der Raketenanlagen soll spätestens 2027 starten.
Destinus behält seinen Hauptsitz in den Niederlanden und entwickelt weiterhin Kernsysteme und Triebwerke in seinen dortigen sowie weiteren europäischen Betrieben. Das Unternehmen produziert eigenen Angaben zufolge bereits über 2.000 Marschflugkörpersysteme pro Jahr und verfügt über Erfahrung aus konkreten Einsätzen, unter anderem in der Ukraine.
Hintergrund: Europas Rüstungsindustrie skaliert
Die Gründung des Joint Ventures fällt in eine Phase deutlich gestiegener Nachfrage nach europäischen Verteidigungssystemen. Rheinmetall-Chef Armin Papperger betont, dass der Aufbau einer leistungsfähigen industriellen Basis für moderne Verteidigungssysteme in Europa dringend notwendig sei. Der Konzern rechnet 2026 mit einem Umsatzwachstum von bis zu 45 Prozent auf rund 14,5 Milliarden Euro – getrieben durch steigende Nachfrage aus NATO-Staaten.
Destinus-Mitgründer und CEO Mikhail Kokorich verweist auf einen grundlegenden Wandel in der modernen Kriegsführung: Raketensysteme entwickelten sich von Spezialgerät mit begrenzten Stückzahlen zu industriell gefertigten Massenprodukten. Jüngste Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten hätten gezeigt, dass der Bedarf mittlerweile im Bereich von Tausenden Systemen pro Jahr liegt – perspektivisch möglicherweise sogar zehntausenden. Auch andere europäische Rüstungskonzerne wie BAE Systems, MBDA und Kongsberg haben ihre Produktionskapazitäten in den vergangenen Jahren erheblich ausgebaut.
Marktpotenzial und Zielregionen
Rheinmetall und Destinus schätzen das kurzfristige Marktpotenzial auf mehrere Hundert Millionen Euro, langfristig sehen sie ein Potenzial im niedrigen Milliardenbereich. Als Zielmärkte nennen die Partner Europa sowie ausgewählte NATO-Partnernationen. Für einzelne Schlüsselmärkte wird die Einbindung lokaler Industriepartner in Betracht gezogen.
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