Das Bundeskartellamt hat das geplante Gemeinschaftsunternehmen des norwegischen Rüstungskonzerns Nammo Raufoss AS und der deutschen Diehl Defence GmbH & Co. KG für die Herstellung von Artilleriemunition genehmigt. Beide Unternehmen hatten gemeinsam einen milliardenschweren Bundeswehrauftrag gewonnen.
Kartellbehörde erteilt grünes Licht
Am 10. März 2026 teilte das Bundeskartellamt mit, dass es keine wettbewerbsrechtlichen Einwände gegen das Vorhaben erhebt. Die beiden Rüstungsunternehmen wollen eine gemeinsam gehaltene GmbH gründen, um einen Großauftrag der Bundeswehr zur Herstellung und Lieferung von Artilleriegeschossen des Kalibers 155 mm abzuwickeln.
Behördenpräsident Andreas Mundt begründete die Freigabe damit, dass Diehl den Auftrag ohne die Zusammenarbeit mit Nammo nicht hätte allein erfüllen können. Da Nammo die entwickelte Munition besitzt und über die entsprechenden Schutzrechte verfügt, beschränke die Kooperation den Wettbewerb nicht – sie fördere ihn sogar, weil die beiden Unternehmen gemeinsam überhaupt erst zu einem leistungsfähigen Anbieter auf dem Markt würden.

Aufgabenteilung im Joint Venture
Das Modell der Zusammenarbeit sieht eine klare Rollenteilung vor: Diehl Defence errichtet in Deutschland eine neue Produktionsanlage und übernimmt dort die Fertigung im Auftrag des Gemeinschaftsunternehmens. Nammo bringt als Entwicklerin der Munition die geistigen Eigentumsrechte ein und liefert bestimmte Bauteile zu.
Nammo ist in der Produktion von 155-mm-Artilleriemunition bereits in erheblichem Umfang tätig, unterhält aber bislang keine eigenen Produktionskapazitäten in Deutschland. Diehl wiederum ist als Rüstungsunternehmen zwar breit aufgestellt, war in der Herstellung von Artilleriemunition bisher aber nur in geringem Maße aktiv.
Hintergrund: Massiv gestiegener Munitionsbedarf
Das Joint Venture ist Ausdruck eines grundlegenden Wandels in der europäischen Rüstungspolitik. Durch den anhaltenden Krieg in der Ukraine ist der Bedarf an Artilleriemunition sprunghaft gestiegen. Die NATO hat als Zielmarke die Bevorratedung von Munition für mindestens 30 Tage ausgegeben.
Bereits 2023 hatten Diehl Defence und Nammo als Arbeitsgemeinschaft „DiNa 155mm“ einen ersten Rahmenvertrag mit der Bundeswehr geschlossen. Dieser wurde im Sommer 2025 auf ein Volumen von bis zu 15 Milliarden Euro und die Möglichkeit zur Beschaffung von bis zu 2,35 Millionen Artillerieschuss erweitert.
Markt mit mehreren Anbietern
Mit dem neuen Gemeinschaftsunternehmen entsteht neben dem bisherigen Marktführer Rheinmetall ein weiterer größerer Produzent für 155-mm-Artilleriemunition in Deutschland. Rheinmetall hatte seinerseits einen eigenen Rahmenvertrag mit der Bundeswehr über bis zu 8,5 Milliarden Euro für die Lieferung dieser Munition abgeschlossen und baut in Unterlüß eine Produktionsstätte mit einer geplanten Jahreskapazität von bis zu 350.000 Geschossen auf.
Die Lieferungen aus dem Nammo-Diehl-Verbund sind langfristig angelegt und richten sich neben der Bundeswehr auch an ausgewählte Partnerstaaten, die nach den Ausschreibungsbedingungen zur Bestellung der Munition berechtigt sind.
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