Heer plant massiven Aufwuchs: 151.000 aktive Soldaten und 150 Bataillone bis 2035

Heer plant massiven Aufwuchs: 151.000 aktive Soldaten und 150 Bataillone bis 2035
Foto: Bundeswehr/Marco Dorow

Das Heer möchte bis 2035 auf 151.000 aktive Soldatinnen und Soldaten sowie 150 Bataillone anwachsen. Dies geht aus der Zielvorstellung der Landstreitkräfte für das Feldheer (ohne Heimatschutz) bis 2035 hervor, die dem Magazin .loyal vorliegt. Der Aufwuchs soll in zwei Schritten erfolgen – bis 2029 und bis 2035.

1. Phase bis 2029

Bereits bis 2029 will das Heer von aktuell rund 61.000 aktiven Soldatinnen und Soldaten um 45.000 auf 106.000 anwachsen. Die Anzahl der Bataillone soll von derzeit 65 auf 107 steigen (+42). Auch im Bereich des Materials ist ein massiver Aufwuchs geplant. Im Bereich der Gefechtsfahrzeuge sollen – geht es nach dem Heer – bis 2029 700 zusätzliche Fahrzeuge zulaufen. Dabei handelt es sich um Kampf- und Schützenpanzer sowie um die schweren Waffenträger Infanterie. Insgesamt 1.700 solcher Gefechtsfahrzeuge benötigt das Heer bis 2029.

Im Bereich der Artillerie will man um 400 Systeme auf 550 Einheiten aufwachsen. Dabei handelt es sich um die PzH 2000 sowie um die zukünftigen Systeme Indirektes Feuer mittlerer Reichweite (RCH 155) und großer Reichweite (PULS). Im Bereich der Logistik ist ein Aufwuchs um 13.700 zusätzliche Lkw auf eine Zielgröße von 19.000 Fahrzeugen geplant. Angesichts dessen, dass ein Großteil des vom Heer geforderten Materials noch nicht oder zumindest nicht in der benötigten Stückzahl bestellt ist, ist dies ein sehr ambitionierter Aufwuchsplan.

2. Phase bis 2035

Bis 2035 soll das Feldheer um weitere 45.000 aktive Soldatinnen und Soldaten auf insgesamt 151.000 anwachsen. Die Anzahl der Bataillone soll nochmals um 43 auf 150 steigen. Auch im Bereich des Materials ist ein weitergehender Aufwuchs geplant. Für die Gefechtsfahrzeuge ist die Beschaffung weiterer 1.300 Fahrzeuge vorgesehen. Das entspricht einer Zielgröße von 3.000 Kampf- und Schützenpanzern sowie Waffenträgern. Die Artillerietruppe soll 800 weitere Rohr- und Raketenartilleriesysteme erhalten (Zielgröße: 1.350). Für die Logistik ist die Beschaffung zusätzlicher 41.000 Lkw geplant (Zielgröße: 60.000).

Zu den genannten Zahlen kommen die Bedarfe der Heimatschutzkräfte hinzu. Der Personalbedarf des Heeres liegt hier bei rund 145.000 Heimatschützern. Folglich dürfte aus der jüngst aufgestellten Heimatschutzdivision sehr bald ein neues Territorialheer werden. Zu den Materialbedarfen der Heimatschutzkräfte ist hingegen öffentlich noch nichts bekannt.

Militärische Notwendigkeit vs. politische Machbarkeit

Vergleicht man die Zahlen, die das Deutsche Heer für erforderlich hält, mit den offiziell kommunizierten Aufwuchszahlen des Verteidigungsministeriums, fällt die große Differenz zwischen dem, was militärisch notwendig ist, und dem, was politisch gewollt bzw. machbar ist, deutlich auf. Politisch gewollt ist ein Aufwuchs auf 460.000 Soldatinnen und Soldaten – bestehend aus 260.000 Aktiven und 200.000 Reservisten. Allein das Heer hat also einen Personalmehrbedarf, der größer ist als der geplante Aufwuchs der gesamten Bundeswehr.

Hinzu kommen die Mehrbedarfe der anderen Teilstreitkräfte und des Unterstützungsbereichs. Bei der Luftwaffe ist bekannt, dass man gerne 21.000 zusätzliche Soldatinnen und Soldaten hätte – insgesamt also rund 50.000. Das entspricht nahezu einer Verdopplung im Vergleich zum aktuellen Personalbestand. Ähnlich groß dürften die Bedarfe der Marine, des Cyber- und Informationsraums sowie des Unterstützungsbereichs sein.

Es bleibt also abzuwarten, um wie viele aktive Soldatinnen und Soldaten sowie Reservistinnen und Reservisten die Bundeswehr tatsächlich anwachsen wird und wie diese über die Teilstreitkräfte und Organisationsbereiche verteilt werden. Klar dürfte hingegen sein, dass insbesondere, wenn man den militärischen Personalbedarf erfüllen möchte, an einer Form der Wehrpflicht kein Weg vorbeiführt. Mit Freiwilligkeit allein wird der Aufwuchs der Bundeswehr leider nicht gelingen.

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