Bei der multinationalen Übung Coronat Mask 2026 haben ABC-Abwehrkräfte der Bundeswehr in Rumänien gemeinsam mit NATO-Partnern den Schutz von Marineeinrichtungen nach ABC-Vorfällen trainiert. Erstmals wurde dabei die Probe eines realen Gefahrstoffs über drei Länder hinweg zur Analyse in ein mobiles Labor transportiert.
Verlegung an die Schwarzmeerküste
Vor Beginn der eigentlichen Übung stand die Verlegung: Mehr als 30 Fahrzeuge der deutschen ABC-Abwehr fuhren von Husum über Österreich und Ungarn bis nach Mangalia an der rumänischen Schwarzmeerküste. Die Kolonnen legten dabei täglich zwischen 400 und 500 Kilometer zurück und wurden teilweise von der Militärpolizei begleitet. Nach Angaben der Bundeswehr fiel auf der gesamten Strecke kein Fahrzeug aus.
Nach der Ankunft wurden Material und Fahrzeuge geprüft, Zelte errichtet und ein Gefechtsstand eingerichtet. Parallel begann die Abstimmung mit den rumänischen Partnern. Die Bundeswehr wertet bereits die Verlegung als erstes erreichtes Teilziel, da sie die Fähigkeit belege, Kräfte schnell über große Entfernungen zu verlegen und vor Ort mit Verbündeten zusammenzuarbeiten.
Bündnisfallszenario in Mangalia und Constanța
Der Übung lag ein Szenario nach Artikel 5 des Nordatlantikvertrags zugrunde, also ein bewaffneter Angriff auf einen NATO-Mitgliedstaat. Die deutschen Kräfte waren Teil eines multinationalen Verbands und kamen dort zum Einsatz, wo ihre Spezialfähigkeiten benötigt wurden.
In den Häfen von Mangalia und Constanța ging es um den Schutz landgestützter Einrichtungen der rumänischen Marine. Nach einem simulierten ABC-Vorfall errichteten die deutschen Soldatinnen und Soldaten Dekontaminationsstraßen, um kontaminiertes Personal und Fahrzeuge zu reinigen. Die Arbeit in vollständiger Schutzausrüstung erfolgte bei Temperaturen von über 30 Grad.
In einem zweiten Szenario übten militärische Brandschutzkräfte die Rettung Eingeschlossener nach einem Brand im Hafen von Mangalia. In Constanța mussten sie eine eingeklemmte Person von einer kontaminierten Fregatte der rumänischen Streitkräfte befreien, bergen und versorgen. Die Dekontamination von Personal und Material erfolgte direkt am Kai vor dem Schiff.
Pilotprojekt für den Hafenschutz
Die Bundeswehr bezeichnet die Übung als Pilotprojekt: Mit dem sogenannten Harbour Protection Module wurde der Schutz maritimer Einrichtungen durch ABC-Abwehrkräfte innerhalb der NATO erstmals in dieser Form erprobt. Die Erfahrungen zu bewährten und anzupassenden Verfahren sollen in die weitere Konzeptentwicklung einfließen.
Probe aus Rumänien, Analyse in der Slowakei
Parallel rückte ein spezialisierter Probenahmetrupp des ABC-Abwehrregiments 750 „Baden“ nach einem simulierten Vorfall in den Raum Cincu in Zentralrumänien aus. Dort wurde die Probe eines realen Gefahrstoffs genommen, vor Ort erstuntersucht und sicher verpackt. Anschließend wurde sie über Ungarn in die Slowakei zur zeitgleich laufenden Übung Toxic Valley gebracht. Dort übernahm ein mobiles Containerlabor der Schule für ABC-Abwehr und Gesetzliche Schutzaufgaben der Bundeswehr die genaue Analyse. Erst diese erlaubt eine exakte Bestimmung des Stoffes, deren Ergebnis an die übergeordnete Führung geht und als Grundlage für weitere Maßnahmen dient.
Toxic Valley ist eine multinationale Übung zur Sammlung und Bewertung chemischer Kampfstoffe unter freiem Himmel für ABC-Einsatzteams und mobile Labore. Austragungsort ist Zemianske Kostoľany in der Slowakei, die Ausgabe 2025 war bereits die 13.
Einordnung
Coronat Mask ist eine wiederkehrende Übung von ABC-Abwehrkräften der NATO. An der Ausgabe 2024 in Tschechien nahmen mehr als 800 Soldatinnen und Soldaten aus 13 Armeen mit fast 100 Spezialfahrzeugen teil. Vorbereitet wurde sie vom tschechischen 31. ABC-Abwehrregiment zusammen mit dem CBRN Protection Cluster der Framework Nations Concept Initiative, das die Übung künftig alle zwei Jahre ausrichten will.
Das in Bruchsal stationierte ABC-Abwehrregiment 750 „Baden“ untersteht dem ABC-Abwehrkommando und unterstützt die Streitkräfte unter anderem durch atomare und chemische Aufklärung, biologische Probenahme und Dekontamination. Im Oktober 2025 wurde die ABC-Abwehr neu gegliedert, aus den bisherigen aktiven und nicht aktiven Bataillonen entstanden die Regimenter 7 und 750 „Baden“.
Nach Angaben der Bundeswehr deckten Coronat Mask und Toxic Valley zusammen ein breites Spektrum der ABC-Abwehr ab, von der Verlegung über die Dekontamination bis zum Brandschutz. Erstmals sei dabei die gesamte Kette von der Probenahme über den grenzüberschreitenden Transport bis zur Laboranalyse mit einem realen Gefahrstoff durchlaufen worden.
