Vom 26. bis 30. Oktober 2026 reisen die Inspekteure des deutschen und des niederländischen Heeres gemeinsam mit allen Generalen beider Heere ins Baltikum. Im Rahmen des „Griffin Seminar“ verschaffen sie sich vor Ort ein Bild von möglichen Einsatzräumen in Estland, Lettland und Litauen.
Erkundung im Rahmen des Griffin Seminars
Der Inspekteur des Deutschen Heeres, Generalleutnant Christian Freuding, und sein niederländischer Amtskollege Generalleutnant Jan Swillens erkunden in dieser Woche mögliche Einsatzräume deutscher und niederländischer Kräfte in den drei baltischen Staaten. Begleitet werden sie von sämtlichen Generalen beider Heere. Das teilte das Presse- und Informationszentrum des Heeres (PIZ Heer) in Strausberg mit.
Anlass ist das sogenannte Griffin Seminar, ein gemeinsames Treffen der Heeresführungen auf höchster Ebene. Es findet alle zwei Jahre statt, die Ausrichtung wechselt zwischen beiden Ländern. Für die diesjährige Ausgabe hat das Kommando Heer die Verteidigung des Baltikums als Schwerpunkt festgelegt. Das Seminar trägt den Titel „NATO-Mission in the Baltics“.
Die Generale befassen sich mit den Anforderungen der gemeinsamen Verteidigung im Baltikum. Im Mittelpunkt stehen Gelände, Infrastruktur und operative Rahmenbedingungen. Ziel ist es, die Zusammenarbeit beider Heeresführungen in der Verteidigungsplanung weiter zu vertiefen.
Einschätzungen der Inspekteure
Freuding verweist darauf, dass Planübungen in nationalen Übungszentren die Erkundung im Gelände nicht ersetzen könnten. Gemeinsam mit den niederländischen Partnern sollen daher die Kenntnisse der Verteidigungspläne vor Ort vertieft und ein gemeinsames taktisches Verständnis entwickelt werden. Die Reise unterstreiche zudem die Bereitschaft, an der Ostflanke gemeinsam Verantwortung zu übernehmen.
Swillens hebt hervor, dass der gemeinsame Schutz der Kern des Auftrags beider Heere innerhalb der NATO sei. Dafür seien Geländekenntnis und ein fundiertes Verständnis der Lage im Baltikum erforderlich.
Geteilte Führungsverantwortung an der Ostflanke
Hintergrund der Reise ist eine neue Aufgabenteilung in der NATO-Kommandostruktur. Seit dem 1. Juli 2026 führt das 1. Deutsch-Niederländische Korps (1GNC) mögliche NATO-Landoperationen in Estland und Lettland. Die Übergabe der Verantwortung durch das Multinationale Korps Nordost erfolgte bei einer militärischen Zeremonie in der estnisch-lettischen Grenzstadt Valga/Valka. Bis dahin war allein das Multinationale Korps Nordost für das Baltikum sowie den Nordosten Polens zuständig.
Nach Angaben der Bundeswehr können künftig bis zu 50.000 Soldatinnen und Soldaten ihre Befehle vom 1. Deutsch-Niederländischen Korps erhalten. Das Hauptquartier bleibt in Münster, wird für Übungen, Planung und Führungsaufgaben aber häufiger in Estland und Lettland eingesetzt. Ab Herbst 2026 soll zudem ein Verbindungselement mit 16 Stabsoffizieren im Baltikum eingerichtet werden. Estland und Lettland behalten die nationale Verantwortung für ihre eigenen Streitkräfte. Die zusätzliche Rolle des Korps war auf dem NATO-Gipfel 2025 in Den Haag vereinbart worden.
Litauen bleibt beim Korps in Stettin
Für Litauen und Nordostpolen ist weiterhin das Multinationale Korps Nordost (MNC NE) mit Sitz in Stettin zuständig. Es konzentriert sich künftig stärker auf Polen, Litauen und den Suwałki-Korridor, einen schmalen Landstreifen zwischen Polen und Litauen, der für die Verstärkung der baltischen Staaten besondere Bedeutung hat.
Auch die in Litauen stationierte Panzerbrigade 45 der Bundeswehr bleibt dem Multinationalen Korps Nordost unterstellt. Seit Anfang Februar 2026 gehört die Multinational Battlegroup Lithuania mit weiteren 1.700 Soldatinnen und Soldaten zur Brigade. Damit stehen auch die dort eingesetzten niederländischen Kräfte unter dem Kommando der deutschen Brigade. In der finalen Ausbaustufe sollen rund 4.800 Soldatinnen und Soldaten sowie 200 zivile Beschäftigte dauerhaft in Litauen stationiert sein, die volle Einsatzbereitschaft ist nach aktueller Planung für 2027 vorgesehen.
