Deep Precision Strike: Heer plant Mix aus Low-End- und High-End-Systemen

Deep Precision Strike: Heer plant Mix aus Low und High End Systemen
Typhon-Raketensystem | Foto: DVIDS

Das Heer soll künftig Low Cost Cruise Missiles mit einer Reichweite von rund 1.500 Kilometern nutzen. Heeresinspekteur Generalleutnant Dr. Christian Freuding sprach sich zudem dafür aus, auch das US-Raketensystem Typhon mit Tomahawk-Marschflugkörpern beim Heer anzusiedeln.

Freuding hat beim Parlamentarischen Abend des Förderkreises Deutsches Heer in der vergangenen Woche in Berlin die Pläne des Heeres für die indirekte Wirkung dargelegt. Im Mittelpunkt standen Loitering Munition, kostengünstige Marschflugkörper und die Frage, welche Teilstreitkraft die in den USA angefragten Systeme Typhon und Tomahawk betreiben soll.

Loitering Munition: Erste Übung im November

Bei Loitering Munition stand das Heer nach Freudings Darstellung vor einem Jahr noch am Beginn der Erprobung. Inzwischen seien die Verträge geschlossen, im November werde in Litauen erstmals mit den Systemen geübt. Ziel sei es, praktische Erfahrung mit präziser Wirkung auf Distanz zu sammeln und die Zeit zwischen Aufklärung und Wirkung zu verkürzen.

Das BAAINBw hatte am 26. Februar 2026 Rahmenverträge mit Helsing (HX-2) und Stark (Virtus) geschlossen, am 22. April folgte Rheinmetall mit dem FV-014. Die ersten Abrufe umfassen 4.300 HX-2 und 2.200 Virtus für jeweils rund 270 Millionen Euro. Als erster Verband soll die Panzerbrigade 45 in Litauen ab 2027 ausgestattet werden.

Freuding bezeichnete den Projektansatz als Modell für weitere Vorhaben: mehrere Anbieter, Entwicklung und Erprobung gemeinsam mit der Truppe, Abbruchmeilensteine, eine Innovationsklausel sowie der parallele Aufbau von Strukturen und Infrastruktur. Nach Angaben der Bundeswehr kann sie Verträge beenden, wenn Hersteller festgelegte Leistungen zu definierten Zeitpunkten nicht nachweisen. Die Innovationsklauseln verpflichten die Unternehmen, ihre Systeme fortlaufend weiterzuentwickeln.

Low Cost Cruise Missiles ab 2027 angestrebt

Für den Kampf in der Tiefe ist nach Freudings Worten die Entscheidung gefallen, dass das Heer künftig über Low Cost Cruise Missiles verfügen soll. Derzeit stünden zwei marktverfügbare Systeme im Fokus, die beide noch für die Bundeswehr qualifiziert werden müssten. Ein erster Zulauf ab 2027 sei grundsätzlich möglich und werde angestrebt.

Als operativen Mehrwert nannte der Inspekteur Reichweite und Masse. Das Heer solle Ziele in einer Tiefe von etwa 1.500 Kilometern massiert bekämpfen und gegnerische Flugabwehrsysteme übersättigen können. Welche Systeme geprüft werden, geht aus seiner Rede nicht hervor. Das Verteidigungsministerium hatte im September Gespräche mit dem US-Unternehmen Covenant über dessen Marschflugkörper Anthem bestätigt, für den das Unternehmen eine Fertigung bei Leipzig aufbaut.

Typhon und Tomahawk: Heer sieht sich zuständig

Darüber hinaus hält Freuding aus Sicht der Landstreitkräfte auch Typhon und Tomahawk beim Heer für richtig verortet. Kostengünstige Marschflugkörper zur Sättigung der Flugabwehr und hochwertige Wirkmittel für Ziele von strategischer Bedeutung könnten sich im Verbund ergänzen. Den höchsten Einsatzwert entfalte Typhon im abgestimmten Einsatz mit Low Cost Cruise Missiles. Zudem sei es im Ringen um Geschwindigkeit sinnvoll, Führung und Wirkung in einer Hand zu bündeln.

Die USA hatten im Juli am Rande des NATO-Gipfels einer deutschen Beschaffung von Tomahawk-Marschflugkörpern samt Typhon-Startgeräten zugestimmt. Typhon basiert auf dem Startsystem Mk41, das auch auf Fregatten der Deutschen Marine eingesetzt wird. Welche Teilstreitkraft das System betreiben soll, ist offiziell noch nicht bekannt. Die Beschaffung muss zudem vom Bundestag gebilligt werden.

Überbrückung bis zu europäischen Lösungen

Weitreichende Präzisionswirkung liegt in der Bundeswehr bislang vor allem bei der Luftwaffe, etwa mit dem Marschflugkörper Taurus. Die Artillerie des Heeres wirkt auf deutlich kürzere Entfernungen. Europäische Vorhaben wie die European Long-range Strike Approach (ELSA) und die deutsch-britische Entwicklung im Rahmen des Trinity-House-Abkommens werden nach Einschätzung der Bundeswehr noch sieben bis zehn Jahre benötigen. Typhon könnte diese Lücke überbrücken.

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