Der erste außerhalb Schwedens gebaute Gripen E ist am 6. Oktober 2026 im brasilianischen Gavião Peixoto zu seinem Erstflug gestartet. Nach Abschluss der Abnahmeflüge soll das Flugzeug an die brasilianische Luftwaffe übergeben werden.
Erstflug als Auftakt der Produktionsabnahme
Das Kampfflugzeug hob nach Angaben von Saab um 10:21 Uhr Ortszeit vom Werksflugplatz des Herstellers Embraer im Bundesstaat São Paulo ab. Am Steuer saß Saab-Cheftestpilot Jakob Högberg. Ziel des Fluges war es, die grundlegenden Systemfunktionen zu überprüfen und erste Leistungsdaten zu erheben.
Der Flug gilt als erster Test der Produktionsabnahme und leitet damit die letzte Phase des Fertigungsprozesses bei Embraer ein. Planung und Durchführung lagen bei den Flugingenieuren von Embraer, Saab unterstützte. Beide Unternehmen werten dies als weiteren Schritt im Technologietransfer, der Teil des brasilianischen Gripen-Programms ist.
Einordnung durch die Hersteller
Marcus Wandt, Leiter des Saab-Geschäftsbereichs Aeronautics, sieht in dem Erstflug einen Beleg dafür, dass die Gripen-Fertigung in Brasilien einen höheren Reifegrad erreicht hat. Die Zusammenarbeit mit Embraer bilde die Grundlage für die weitere Entwicklung des Programms im Land.
Bosco da Costa Junior, Präsident und CEO von Embraer Defense & Security, bezeichnet den Flug als wichtigen Schritt für die brasilianische Luftfahrt- und Verteidigungsindustrie. Er führt ihn auf eine langfristig angelegte Strategie zurück, an der die Luftwaffe, Saab und Embraer gemeinsam beteiligt seien.
Übergabe an die Luftwaffe
Nach der Abnahmeflugkampagne wird das Flugzeug zertifiziert und an die Força Aérea Brasileira (FAB) ausgeliefert. Vorgesehen ist die Verlegung auf den Luftwaffenstützpunkt Anápolis im Bundesstaat Goiás. Dort betreibt die 1. Luftverteidigungsgruppe (1º GDA) derzeit zehn Gripen. Die Maschinen des Verbands werden unter anderem für Alarmrotten-Einsätze (Quick Reaction Alert) genutzt.
Embraer hatte das Flugzeug am 25. März 2026 offiziell vorgestellt. Es ist das erste von 15 Exemplaren, die im laufenden Programm in Brasilien entstehen.
Hintergrund: Vertrag von 2014
Grundlage ist ein Vertrag aus dem Jahr 2014. Brasilien bestellte damals 36 Gripen bei Saab, davon 28 einsitzige Gripen E und acht zweisitzige Gripen F. Die Vereinbarung umfasst einen Technologietransfer über mehr als zehn Jahre, der in die Montage von 15 Flugzeugen im Land mündet. Die übrigen Maschinen werden in Schweden gebaut. Die Auslieferungen an die FAB laufen seit 2020. In der brasilianischen Luftwaffe trägt das Muster die Bezeichnung F-39.
Die Fertigungslinie in Gavião Peixoto wurde 2023 eröffnet und ist die erste Gripen-E-Linie außerhalb Schwedens. Zugeliefert werden unter anderem Strukturbauteile aus dem Saab-Werk in São Bernardo do Campo. Nach Angaben von Saab ist Embraer damit Standort der einzigen Fertigungslinie für Überschallkampfflugzeuge in Südamerika.
Mögliche Ausweitung der Fertigung
Die Produktion in Brasilien könnte über den bisherigen Umfang hinausgehen. Auf der Farnborough International Airshow unterzeichneten Saab und Embraer am 21. Juli 2026 eine Grundsatzvereinbarung (Heads of Agreement). Sie bildet den Rahmen für die mögliche Fertigung von 20 weiteren Gripen in Gavião Peixoto, wobei Embraer die Montage übernehmen und die Endmontagelinie im schwedischen Linköping ergänzen würde. Den entsprechenden Vertrag wollen beide Unternehmen noch 2026 abschließen. Zuvor hatte die brasilianische Regierung eine mögliche Bestellung von 20 weiteren Gripen E und F in Aussicht gestellt.
