Die Bundeswehr hat ihre militärische Präsenz im Irak zum 30. September 2026 beendet. Die letzten 28 Soldatinnen und Soldaten haben das Feldlager in Erbil an irakische Stellen übergeben und sind nach Deutschland zurückgekehrt.
Empfang auf dem Fliegerhorst Wunstorf
Das letzte deutsche Kontingent ist am 1. Oktober auf dem Fliegerhorst Wunstorf bei Hannover eingetroffen. Dort empfingen Staatssekretär Nils Hilmer, Generalleutnant Günter Katz, Abgeordnete des Deutschen Bundestages und Angehörige die Rückkehrer. Nach Angaben des Bundesministeriums der Verteidigung (BMVg) wurde dabei die Arbeit aller 25 Kontingente gewürdigt, die seit Beginn des Einsatzes im Irak Dienst getan haben.
Im Land verbleibt lediglich das Personal des Militärattachéstabes an der deutschen Botschaft in Bagdad. Das Feldlager in Erbil, der Hauptstadt der Autonomen Region Kurdistan, wurde in den vergangenen Wochen zurückgebaut und an die irakische Seite übergeben.
Mehr als elf Jahre Einsatz
Das erste deutsche Kontingent nahm seinen Auftrag im Februar 2015 auf. Anlass war der Kampf gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS). Der deutsche Beitrag lief unter der Bezeichnung Counter Daesh/Capacity Building Iraq (CD/CBI) und bestand überwiegend aus Beratungs-, Sanitäts-, IT- und Stabspersonal.
Das Mandat ruhte nach Angaben der Bundesregierung auf zwei Säulen: der Beteiligung an der Anti-IS-Koalition Operation Inherent Resolve (OIR) und an der NATO Mission Iraq (NMI), die den Fähigkeitsaufbau der regulären irakischen Streit- und Sicherheitskräfte unterstützt. Der Bundestag hatte das Mandat zuletzt am 29. Januar 2026 verlängert, längstens bis zum 31. Januar 2027. Die Obergrenze lag bei 500 Soldatinnen und Soldaten.
Das BMVg zieht eine positive Bilanz. Gemeinsam mit Partnern und dem Irak selbst sei die Bedrohung durch terroristische Kräfte zurückgedrängt worden. Die irakischen Streit- und Sicherheitskräfte seien inzwischen in der Lage, die Sicherheit des Landes eigenständig zu gewährleisten. Generalleutnant Katz verwies laut dpa auch auf die Beratung der Peschmerga, der Streitkräfte der Autonomen Region Kurdistan.
Abzug auf Wunsch Bagdads
Der Abzug der internationalen Streitkräfte geht auf den Wunsch der irakischen Regierung zurück. Sie will den Kampf gegen bewaffnete Gruppierungen künftig eigenständig führen. Auf den Abzug der US-Truppen hatten sich Bagdad und Washington bereits 2024 verständigt. Nach irakischen Angaben haben die US-Streitkräfte das Land inzwischen vollständig verlassen. In den vergangenen Jahren waren laut Pentagon noch rund 2.500 US-Soldaten im Irak stationiert, zuletzt unter anderem in Erbil.
Nach Angaben der Bundeswehr hat sich zudem der Schwerpunkt der Operation Inherent Resolve vom Irak nach Syrien verlagert.
Die letzten Monate des Einsatzes waren von einer angespannten Sicherheitslage geprägt. Staatssekretär Hilmer verwies laut dpa darauf, dass es seit März vermehrt Angriffe in der Region gegeben habe, auch auf die Airbase, auf der die deutschen Kräfte überwiegend untergebracht waren. Die Planung des Abzugs habe deshalb mehrfach angepasst werden müssen. Rückbau und Übergabe des Feldlagers verliefen dem BMVg zufolge dennoch planmäßig.
Künftige Zusammenarbeit
Deutschland will dem Irak nach Angaben des BMVg eng verbunden bleiben und steht weiter für Unterstützung bei Sicherheit und Stabilität bereit. Hilmer erklärte laut dpa, die Bundesregierung respektiere die Entscheidung Bagdads. Zugleich arbeite das Ministerium an den Grundlagen für eine künftige Zusammenarbeit mit den irakischen Streit- und Sicherheitskräften, einschließlich der Peschmerga. Außenminister Johann Wadephul hatte im Juli erklärt, Deutschland wolle grundsätzlich mit der Bundeswehr in Erbil engagiert bleiben.
Das deutsche Kontingent in Jordanien ist vom Abzug nicht betroffen.
