Das Bundeskabinett hat die Verlängerung der deutschen Beteiligung an der EU-Operation EUNAVFOR ASPIDES im Roten Meer beschlossen. Das Mandat soll bis Ende Oktober 2027 gelten, die Obergrenze bleibt bei 350 Soldatinnen und Soldaten. Der Bundestag muss noch zustimmen.
Die Bundesregierung hat am 1. Oktober 2026 entschieden, die Beteiligung der Bundeswehr an der EU-geführten Operation EUNAVFOR ASPIDES fortzusetzen. Nach Angaben des Bundesministeriums der Verteidigung soll das Mandat bis zum 31. Oktober 2027 verlängert werden. Die personelle Obergrenze von bis zu 350 Soldatinnen und Soldaten bleibt unverändert. Ziel des Einsatzes ist der Schutz der Handelsschifffahrt vor Angriffen der jemenitischen Huthi-Miliz.
Deutscher Beitrag
Deutschland stellt derzeit Stabspersonal im Hauptquartier der Operation im griechischen Larissa sowie auf dem Führungsschiff. Hinzu kommen regelmäßige Flüge zur luftgestützten Seeraumüberwachung. Das Mandat sieht zudem grundsätzlich die Möglichkeit vor, seegehende Einheiten einzusetzen. Die Operation verfügt über exekutive Befugnisse, die auch den Einsatz von Waffen umfassen.
Neben dem unmittelbaren Schutz von Handelsschiffen gehört es zum Auftrag, Informationen über die sogenannte Schattenflotte und über verdächtige Aktivitäten im Umfeld kritischer Unterwasserinfrastruktur zu sammeln und auszutauschen. Das Ministerium ordnet den Einsatz in die Nationale Sicherheitsstrategie der Bundesregierung ein.
Einsatzgebiet
Das Einsatzgebiet erstreckt sich auf internationale Gewässer im Roten Meer, im Golf von Aden, im Arabischen Meer, im Golf von Oman und im Persischen Golf. Für die Straße von Hormus gilt ein gesondert ausgewiesenes Gebiet mit eigenen Regelungen. Befugnisse zum Minenräumen oder zum Geleitschutz von Schiffen bestehen dort für ASPIDES derzeit nicht.
Lage im Roten Meer
Die Huthi-Miliz greift seit November 2023 die internationale Schifffahrt an, vor allem im südlichen Roten Meer und an der Meerenge Bab al-Mandab. Laut Verteidigungsministerium halten die Angriffe auch vor dem Hintergrund des Konflikts mit Iran an. Viele Reedereien meiden daher die Route durch das Rote Meer und den Suezkanal und lassen ihre Schiffe um das Kap der Guten Hoffnung fahren, was Lieferungen um mehrere Wochen verzögert.
Bis zur Feuerpause im Herbst 2025 waren bei den Angriffen mindestens neun Seeleute ums Leben gekommen, vier Schiffe wurden versenkt. Im Sommer 2026 verschärfte sich die Lage erneut: Ein von den Huthi verhängtes Verbot für Schiffsverkehr zu saudischen Häfen trat am 20. Juli in Kraft, verbunden mit Drohungen gegen Schiffe, die sich nicht daran halten. Nach einer Auswertung des Africa Center for Strategic Studies gab es seit Juli 2026 zwölf Angriffe oder Angriffsversuche der Huthi auf Handelsschiffe im südlichen Roten Meer. Der Datendienst Lloyd’s List Intelligence stellt fest, dass sich das Verkehrsaufkommen nie vollständig auf das Niveau vor der Krise erholt hat und durchgehend 40 bis 60 Prozent unter normalen Werten lag.
Hintergrund der EU-Operation
Die EU beschloss ASPIDES (griechisch für „Schilde“) am 8. Februar 2024. Die Bundesregierung sprach sich am 16. Februar 2024 für eine deutsche Beteiligung aus, der Bundestag stimmte am 23. Februar 2024 zu. Der Rat der EU hat die Operation im Februar 2026 nach einer strategischen Überprüfung bis zum 28. Februar 2027 verlängert und für die gemeinsamen Kosten im Zeitraum März 2026 bis Februar 2027 knapp 15 Millionen Euro vorgesehen; eine weitere strategische Überprüfung ist für 2026/27 geplant. Kommandeur der Operation ist der griechische Konteradmiral Vasileios Gryparis.
Weiteres Verfahren
Nach dem Kabinettsbeschluss berät der Bundestag die Verlängerung zunächst in erster Lesung. Anschließend wird der Antrag an die zuständigen Ausschüsse überwiesen, bevor das Parlament in zweiter Lesung abstimmt.
