Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr hat Rolls-Royce Power Systems mit der Entwicklung des Antriebssystems für den künftigen europäischen Kampfpanzer MGCS beauftragt. Gemeinsam mit dem Getriebespezialisten ZF entsteht erstmals weltweit ein parallel-hybrider Antrieb für ein schweres militärisches Kettenfahrzeug.
Auftrag und Hintergrund
Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) hat Rolls-Royce Power Systems als Generalunternehmer für das Antriebssystem des Main Ground Combat System (MGCS) beauftragt. ZF fungiert dabei als Unterauftragnehmer. Das MGCS ist ein seit 2012 laufendes deutsch-französisches Rüstungsprojekt, das die heutigen Kampfpanzer Leopard 2 und Leclerc ablösen soll – beide Plattformen sind mittlerweile mehrere Jahrzehnte alt.
Im Frühjahr 2024 erzielten Deutschland und Frankreich eine grundsätzliche Einigung über das Vorhaben. Im April 2025 wurde in Köln die MGCS Project Company GmbH gegründet, an der unter anderem Rheinmetall, KNDS und Thales beteiligt sind. Der nun erteilte Entwicklungsauftrag an Rolls-Royce Power Systems betrifft einen zentralen Baustein des Gesamtsystems: das Antriebspaket.

Das hybride Powerpack
Das Herzstück des neuen Antriebs ist ein neu entwickelter 10-Zylindermotor der mtu-Baureihe 199 (Typ 10V 199). Der Motor liefert rund 1.100 Kilowatt mechanische Leistung und trägt damit den Hauptanteil der über 1.400 Kilowatt Gesamtsystemleistung des hybriden Powerpacks. Besonderheit ist der Einsatz als Parallelhybrid – eine Konfiguration, die in einem schweren Kettenfahrzeug bislang noch nicht umgesetzt wurde.
Der Motor ist auf extreme Lastwechsel und militärische Anforderungen ausgelegt, darunter ein robustes Einspritzsystem, das auch mit minderwertigem Kraftstoff betrieben werden kann. Die Baureihe 199 folgt dem sogenannten MOTS-Ansatz (Military-Off-The-Shelf), der auf bewährten Komponenten aufbaut: Weltweit sind bereits über 4.500 Motoren dieser Serie im Einsatz. Erste Prototypen des Powerpacks sollen noch vor Ende der 2020er Jahre erprobt werden; eine Serienproduktion wäre ab Anfang der 2030er Jahre möglich.
ZF liefert elektrifiziertes Lenkschaltgetriebe
ZF entwickelt für das Powerpack das elektrifizierte Lenkschaltgetriebe eLSG 5000. Das System vereint By-Wire-Technologien für Antrieb, Bremse und Lenkung sowie Energierückgewinnung in einem kompakten Gehäuse. Die stufenlose Überlagerungslenkung soll das Manövrieren schwerer Kettenfahrzeuge präziser und agiler machen.
Zusätzlich ermöglicht die integrierte Generatorleistung des Getriebes die Versorgung von Hochvolt-Verbrauchern, etwa für den Betrieb im sogenannten Silent-Watch-Modus, bei dem das Fahrzeug ohne laufenden Hauptantrieb überwacht. Ein neu entwickeltes Lüfterantriebskonzept soll zudem die Verluste durch Nebenverbraucher reduzieren und damit die Reichweite erhöhen.
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