Marine soll bis zu 20 neue Hafenschlepper erhalten

Marine soll bis zu 20 neue Hafenschlepper erhalten
Foto: Ein Dahmer – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=63894889

Das Beschaffungsamt der Bundeswehr sucht einen Lieferanten für bis zu 20 baugleiche Hafenschlepper, die zusätzlich Container aufnehmen können. Die Frist für Teilnahmeanträge wurde per Änderungsbekanntmachung angepasst und endet nun am 15. Oktober 2026.

Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) will für die Deutsche Marine über eine Rahmenvereinbarung bis zu 20 neue Hafenschlepper beschaffen. Das geht aus einer Änderungsbekanntmachung hervor, die am 6. Oktober 2026 im Supplement zum EU-Amtsblatt (TED) veröffentlicht wurde. Geändert wurde nach Angaben der Behörde die Abgabefrist für Teilnahmeanträge; sie läuft jetzt bis zum 15. Oktober 2026, 13 Uhr. Das Vorhaben trägt den Titel „Marine-Hafenschlepper und flexibler Fähigkeitsträger (Navy-Tug flex)“.

Zehn Boote fest, zehn weitere als Option

Laut Bekanntmachung sollen zunächst zehn Schlepper mit Container- und Arbeitsdeck bestellt werden, bis zu zehn weitere Einheiten können optional abgerufen werden. Die Boote sollen als Klasse 724 eingeführt werden. Sie müssen den Vorgaben einer anerkannten Klassifikationsgesellschaft sowie der deutschen Flagge entsprechen und aus einer bereits laufenden Serienproduktion stammen. Zum Lieferumfang gehören außerdem Schlepp- und Bergungsausstattung, Ersatzteile, Dokumentation, Software und die Einweisung der Besatzungen. Die Laufzeit der Rahmenvereinbarung ist mit 84 Monaten angegeben, eine Verlängerung ist nicht vorgesehen.

Über die Schlepperrolle hinaus sollen die Boote als „flexibler Fähigkeitsträger“ dienen. Gefordert sind die Aufnahme von zwei 20-Fuß- oder vier 10-Fuß-Standardcontainern und eine technische Seeausdauer von mindestens sieben Tagen. Welche Ausrüstung in den Containern mitgeführt werden soll, lässt die Bekanntmachung offen.

Als Aufgaben nennt das BAAINBw unter anderem das Bugsieren und Manövrieren von Marineeinheiten im Hafen und auf Reede, Schleppfahrten im küstennahen Seegebiet, die Begleitung von Seezielschießen, die Unterstützung von Werfterprobungen, Eisdienst, Brandbekämpfung, Hilfe bei Gewässerverunreinigungen sowie die Sicherung und Bergung von Schiffen und Booten.

Sicherheitslage und Alter der Flotte als Begründung

Die Behörde hält eine kurzfristige Beschaffung bis 2028 für erforderlich und begründet dies mit der sicherheitspolitischen Lage. In der Bekanntmachung ist von einem laufenden hybriden Krieg Russlands gegen Deutschland und seine Verbündeten im Nord- und Ostseeraum die Rede, der eingedämmt werden solle. Die NATO hatte im Januar 2025 die Mission Baltic Sentry zum Schutz kritischer Unterwasserinfrastruktur in der Ostsee angekündigt, an der sich die Bundeswehr beteiligt.

Ersetzt werden sollen die sechs vorhandenen Hafenschlepper der Klasse 725. Sie sind laut Bekanntmachung rund 35 Jahre alt und decken den Bedarf nicht mehr. Die Bundesregierung hatte das Alter dieser Boote im August 2021 in der Antwort auf eine Kleine Anfrage mit 31 beziehungsweise 34 Jahren angegeben und ein Ende der Nutzungsdauer im Jahr 2025 genannt. Demnach können die Schlepper alle Schiffsklassen der Marine mit Ausnahme der Einsatzgruppenversorger schleppen. Die Boote werden weiterhin instand gehalten: Im Juni 2026 veröffentlichte das Marinearsenal die Vergabe einer planmäßigen Instandsetzung des Hafenschleppers „Langeness“.

Preis als einziges Zuschlagskriterium

Vergeben wird in einem Verhandlungsverfahren mit vorgeschaltetem Teilnahmewettbewerb nach den Regeln für verteidigungs- und sicherheitsspezifische Aufträge. Die Rahmenvereinbarung soll mit einem einzigen Unternehmen geschlossen werden. Einziges Zuschlagskriterium ist der Preis.

Die Eignungsanforderungen sind auf Werften mit laufender Schlepperfertigung zugeschnitten. Bewerber müssen nachweisen, in den Jahren 2023 bis 2025 mindestens zehn vergleichbare Hafenschlepper vertragsgemäß geliefert zu haben, und dies durch Referenzen früherer Auftraggeber belegen. Verlangt wird zudem ein durchschnittlicher Jahresumsatz von mindestens 65 Millionen Euro mit Schiffen und Booten für die Seeschifffahrt, wobei kein Jahr unter 40 Millionen Euro liegen darf. Hinzu kommen eine Zertifizierung nach ISO 9001, Erfahrung mit technischer Dokumentation nach den Standards S1000D und S2000M, Deutschkenntnisse des Schlüsselpersonals auf Niveau C1 und eine Betriebshaftpflicht über mindestens zehn Millionen Euro je Schadensfall. Bewerbergemeinschaften dürfen ihre Nachweise zusammenrechnen. Für kleine und mittlere Unternehmen stuft das BAAINBw den Auftrag als nicht geeignet ein.

Rückgriff auf marktverfügbare Schiffe

Mit der Vorgabe einer laufenden Serienproduktion setzt das BAAINBw erneut auf marktverfügbare Lösungen. Bereits die Hochseeschlepper der Marine waren auf diesem Weg ersetzt worden: Im Mai 2023 erteilte die Behörde den Zuschlag für den Kauf des gebrauchten Schleppers „Rota Endurance“ und gab die Dauer des Verfahrens mit sechs Monaten an.

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