Erstmals seit mehr als 30 Jahren wurde auf dem Truppenübungsplatz Altengrabow eine deutsche Trainingsrakete abgefeuert. Der Test gilt als Startschuss für den Wiederaufbau der Artillerieraketen-Produktion in Deutschland.
Öffentlicher Test vor internationalem Fachpublikum
Der Rüstungskonzern Diehl Defence hat auf dem Truppenübungsplatz Altengrabow in Sachsen-Anhalt eine neue 122-mm-Trainingsrakete erfolgreich erprobt. Der Verschuss erfolgte mit dem Raketenartillerie-Werfersystem MARS 3, das auch unter der Bezeichnung EuroPULS bekannt ist. Anwesend waren Vertreter internationaler Streitkräfte, nationaler Beschaffungsbehörden sowie hochrangige Repräsentanten des deutschen Verteidigungsministeriums. Dabei wurde der formale Nachweis erbracht, dass die neue Trainingsrakete vollständig mit dem Werfersystem kompatibel ist, das die Bundeswehr künftig einsetzen soll.
Entwicklung in deutsch-israelischer Kooperation
Die Trainingsrakete entstand in Zusammenarbeit zwischen Diehl Defence und dem israelischen Unternehmen Elbit Systems Land. Das zugrundeliegende Werfersystem MARS 3 basiert seinerseits auf dem israelischen PULS-System (Precise and Universal Launching System) von Elbit Systems und wurde für den europäischen Einsatz weiterentwickelt. KNDS Deutschland ist für das Gesamtsystem verantwortlich, das Reichweiten von bis zu rund 300 Kilometern ermöglicht. Die Bundeswehr plant, das System im Rahmen des Vorhabens „Zukünftiges System des Indirekten Feuers große Reichweite“ zu beschaffen, um die veralteten MARS-II-Systeme abzulösen.

Besondere Gefechtskopf-Technologie
Ein technisches Merkmal der neuen Trainingsrakete ist ihr Deutladungsgefechtskopf mit einer eigens von Diehl Defence entwickelten Effektladung. Diese erzeugt beim Einschlag im Zielgebiet akustische und visuelle Signale – Knall, Blitz und Rauch – und ermöglicht so eine präzise Auswertung der Treffergenauigkeit, ohne eine Brandgefahr auf dem Übungsgelände zu verursachen. Die aerodynamische Auslegung der Rakete wurde durch geringe Abweichungen beim Aufschlag bestätigt. Vorversuche fanden bereits 2025 in Israel und im Februar 2026 in Deutschland statt.
Bedeutung für die deutsche Rüstungsindustrie
Gunnar Pappert, Leiter des Produktbereichs Heeressysteme bei Diehl Defence, bezeichnet das Testereignis als Meilenstein: Es bestätige die vollständige Kompatibilität mit dem Werfersystem und schaffe neue Perspektiven für in Deutschland produzierte Artillerietechnologie. Der Test in Altengrabow ist nach Unternehmensangaben der erste Abschuss einer deutschen Trainingsrakete dort seit über 30 Jahren und markiert gleichzeitig den Beginn des Wiederaufbaus der Artillerieraketen-Fertigung bei Diehl Defence. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Überlingen beschäftigt rund 5.500 Mitarbeitende und erzielte zuletzt einen Jahresumsatz von mehr als 2,5 Milliarden Euro.
Bundeswehr plant umfangreiche Beschaffung
Der Test fällt in eine Phase erheblicher Rüstungsinvestitionen: Die Bundeswehr plant laut aktuellen Berichten die Beschaffung von rund 150 MARS-3-Systemen. Noch in diesem Jahr soll die Beschaffung von Munition im Wert von mehr als einer Milliarde Euro eingeleitet werden, darunter zunächst EXTRA-Raketen mit einer Reichweite von 150 Kilometern sowie Übungsraketen. Das Gesamtpaket für das EuroPULS-System soll Bloomberg-Berichten zufolge ein Volumen von bis zu sechs Milliarden Euro umfassen.
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