Ein Jahr nach seiner Neuaufstellung hat das Artilleriebataillon 215 in Augustdorf drei weitere Batterien erhalten. Sie sind für die Einsatz- und Führungsunterstützung, den Aufbau der Fähigkeit Loitering Munition und die Basisausbildung von bis zu 300 Rekrutinnen und Rekruten vorgesehen.
Das Artilleriebataillon 215 der Panzerbrigade 21 „Lipperland“ hat am 30. September bei einem Appell in Augustdorf drei neue Batterien aufgestellt. Bataillonskommandeur Oberstleutnant Fabian Kolbe stellte die erste, die vierte und die fünfte Batterie in Dienst. Nach Angaben der Brigade nähert sich der Verband damit seiner vollständigen Struktur.
Kolbe hob hervor, dass eine Einheit nicht allein durch eine Weisung entstehe, sondern durch das Personal und dessen Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Er dankte dem Aufstellungsstab für die Arbeit des vergangenen Jahres und bezeichnete die drei Batterien als nächsten Schritt in der Entwicklung des Bataillons.
Erste Batterie: Versorgung und Führungsunterstützung
Die erste Batterie ist die bataillonseigene Einheit für Einsatz- und Führungsunterstützung. Zu ihren Aufgaben gehören Versorgung und Transport sowie Einrichtung und Betrieb der IT- und Funkverbindungen. Sie soll sicherstellen, dass der Bataillonsstab führen kann und dass Personal, Material und Versorgungsgüter die übrigen Batterien erreichen.
Vierte Batterie: Aufbau der Fähigkeit Loitering Munition
Die vierte Batterie soll innerhalb der Panzerbrigade 21 den Fähigkeitsaufwuchs bei Loitering Munition tragen. Solche Systeme verbinden Eigenschaften unbemannter Fluggeräte mit denen einer Präzisionswaffe: Sie werden über größere Entfernungen eingesetzt, suchen im Zielgebiet nach einem Ziel und bekämpfen es. Laut Mitteilung ist das Bataillon als einer der ersten Verbände für den Aufbau eines Aufklärungs- und Wirkverbundes mit diesen Systemen vorgesehen. Perspektivisch sollen sie die Rohrartillerie bei Zielaufklärung und Bekämpfung auf größere Distanz ergänzen.
Für die Batterie steht zunächst Aufbauarbeit an. Personal ist auszubilden, Verfahren sind zu entwickeln und die Systeme müssen in die Gefechtsführung der Artillerie eingebunden werden.
Fünfte Batterie: Basisausbildung ab Oktober
Die fünfte Batterie ist eine weitere Ausbildungseinheit am Standort Augustdorf. Ab dem 1. Oktober sollen dort bis zu 300 Rekrutinnen und Rekruten gleichzeitig ihre Basisausbildung absolvieren. Bislang konnten am gesamten Standort rund 200 Rekrutinnen und Rekruten je Quartal beginnen. Die künftigen Ausbilderinnen und Ausbilder bereiten sich seit mehr als einem Monat auf einheitliche Ausbildungsstandards vor.
Zur Basisausbildung gehören unter anderem Waffen- und Schießausbildung, Gefechtsdienst, Sanitätsausbildung, die Abwehr gefährlicher Stoffe, Wachdienst und körperliches Training. Hinzu kommen politische Bildung und die Grundsätze der Inneren Führung.
Hintergrund: Erster Verband mit Radhaubitze
Das Artilleriebataillon 215 wurde am 7. Oktober 2025 in Augustdorf neu aufgestellt. Es gehört zur 1. Panzerdivision und ist der erste Artillerieverband des Heeres, der Radhaubitzen und perspektivisch bewaffnete Drohnen erhält. Die Radhaubitze RCH 155 basiert auf einem angepassten Fahrmodul des GTK Boxer und kann Ziele in bis zu 40 Kilometern Entfernung bekämpfen. Die Panzerbrigade 21 ist als Brigade der Mittleren Kräfte gegliedert. Die Nummer 215 geht auf das Panzerartilleriebataillon 215 zurück, das von 1958 bis 2015 in Augustdorf stationiert war.
Die Beschaffung von Loitering Munition hat die Bundeswehr 2026 eingeleitet. Der Haushaltsausschuss des Bundestages billigte am 25. Februar zwei siebenjährige Rahmenverträge im Gesamtvolumen von 4,3 Milliarden Euro, über die bei zwei Herstellern zunächst 6.500 Systeme bestellt werden dürfen. Im ersten Abruf entfallen 4.300 Systeme auf Helsing und 2.200 auf Stark, jeweils für rund 270 Millionen Euro. Am 22. April folgte ein Rahmenvertrag mit Rheinmetall über das System FV-014. Die ersten Systeme sind zunächst für die Panzerbrigade 45 in Litauen vorgesehen. Loitering Munition gilt als Ergänzung des indirekten Feuers mit Reichweiten bis 100 Kilometer.
