Airbus präsentiert zwei Hubschrauberkonzepte für NATO-Studie zur nächsten Hubschraubergeneration

Airbus präsentiert zwei Hubschrauberkonzepte für NATO-Studie zur nächsten Hubschraubergeneration
Next Generation Rotorcraft Capability | Foto: Airbus

Am 23. Februar 2026 veröffentlichte Airbus Helicopters von seinem Stammsitz in Marignane, Frankreich, Details zu seinen Konzepten für die NATO-NGRC-Studie. Erarbeitet wurden die Entwürfe gemeinsam mit den RTX-Tochterunternehmen Collins Aerospace und Raytheon sowie dem Raketenhersteller MBDA. Das NGRC-Programm läuft seit 2020 und wird von der NATO Support and Procurement Agency (NSPA) koordiniert. Ziel ist die Entwicklung eines Nachfolgesystems für die mittelschwere Mehrzweckhubschrauberklasse, deren Lebenszyklus ab 2035 endet.

Zwei Konzepte für unterschiedliche Anforderungen

Airbus schlägt für die NATO-Studie zwei komplementäre Designs vor. Das erste ist ein leistungsgesteigerter konventioneller Hubschrauber, das zweite ein sogenannter Hochgeschwindigkeits-Compound-Hubschrauber. Beide Konzepte sollen eine gemeinsame Basis bei Wartung, Ausbildung, Bewaffnung und Systemen teilen, um den Betrieb in Flotten zu vereinfachen.

Das Compound-Konzept baut auf den Erfahrungen der Airbus-Demonstratoren X3 und RACER auf. Das X3-Muster kombiniert einen klassischen Hauptrotor mit zwei seitlichen Stummelflügeln und Vortriebspropellern und erreichte 2013 eine Geschwindigkeit von 472 km/h – damals ein Weltrekord für Hubschrauber. Der RACER-Demonstrator nutzt ein ähnliches Compound-Prinzip mit zusätzlichem hybridem Antriebsmanagement, das im Reiseflug Kraftstoff um bis zu 30 Prozent einspart. Militärpiloten erprobten den RACER im Rahmen des europäischen Programms „Next Generation Rotorcraft Technologies“.​

Modularität als Konstruktionsprinzip

Beide Konzepte folgen dem Ansatz der „Modular Open System Architecture“ (MOSA). Dahinter steckt das Ziel, Plattformen zu entwickeln, die einfach herzustellen, zu warten und zu aktualisieren sind, um die Gesamtkosten über den Lebenszyklus niedrig zu halten. Airbus betont, dass Konnektivität, Cybersicherheit, die Zusammenarbeit zwischen bemannten und unbemannten Systemen sowie mehrdimensionale Kampfführung zu den Kerntechnologien der neuen Generation zählen sollen.

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Zeitplan und beteiligte Nationen

Das NGRC-Programm steht unter der Schirmherrschaft von fünf NATO-Partnern: Frankreich, Deutschland, Italien, die Niederlande und das Vereinigte Königreich haben eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet. Ursprünglich waren sieben Nationen beteiligt; eine Nation schied Ende 2025 aus. Für Mitte 2026 ist die Fertigstellung der Programmvoraussetzungen geplant, gefolgt von einer Ausschreibung zur Identifikation der bevorzugten Lösung. Bis Ende 2027 soll eine einzige Vorzugslösung feststehen, eine Entwicklungs- und Produktionsentscheidung könnte bis 2030 fallen.

Im Juli 2024 vergab die NSPA Konzeptstudienaufträge an drei Hubschrauberhersteller: Airbus, Leonardo und Sikorsky. Neben dem Compound-Konzept von Airbus sind aus der Studie auch ein 17-Tonnen-Kipprotor und weitere Compound-Entwürfe bekannt geworden.

Strategische Bedeutung für die europäische Luftverteidigung

Der NGRC-Wettbewerb gilt als einer der bedeutendsten militärischen Beschaffungsvorgänge im europäischen Rüstungsbereich der kommenden Dekade. Aus Verteidigungskreisen wird die Initiative als Antwort auf den erhöhten Bedarf an luftgestützter Mobilität und Überlebensfähigkeit in modernen Kriegsbildern beschrieben. Für Airbus, das bereits mit dem NH90 und dem Tiger in mehreren NATO-Streitkräften vertreten ist, wäre ein Erfolg beim NGRC eine wesentliche Grundlage für die nächste Produktgeneration.

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